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Er macht sich Gedanken: 1997 eröffnete Saeed Mosafer Haghighi sein Obst- und Gemüsegeschäft beim Rathaus in Steinebach. Nun soll ganz in der Nähe der Dorfladen entstehen.

Ortsentwicklung in Steinebach

„Der Dorfladen ist ein Riesenthema für mich“

Steinebach - Saeed Mosafer Haghighi betreibt seit 20 Jahren ein Feinkostgeschäft in Steinebach – etwa 100 Meter vom zukünftigen Dorfladen entfernt. Wir haben ihn besucht.

Saeed Mosafer Haghighi ist an diesem Vormittag schon sehr lange auf den Beinen. In der Früh um vier ist der 51-Jährige mit seinem Lieferwagen nach München in die Großmarkthalle gefahren, hat dort Ware für sein Geschäft in Steinebach ausgesucht, vieles probiert, handverlesen. In seinem kleinen Geschäft in unmittelbarer Nähe des Rathauses in Steinebach bietet er seit 1997 vor allem Obst und Gemüse an. Das hat immer gut funktioniert. Jetzt aber macht er sich Sorgen. In 100 Meter Entfernung soll der neue Dorfladen entstehen (wir berichteten).

„Das ist natürlich ein Riesenthema für mich“, sagt Mosafer Haghighi offen. Mit Obst und Gemüse hat er vor 20 Jahren in Steinebach angefangen, dann nahm er Feinkost dazu, orientalische Spezialitäten aus seiner Heimat Persien. Seit wenigen Monaten gibt es auch frisches Brot und Backwaren der Herrschinger Bäckerei Stenzel, die ihr Geschäft wegen der Schließung von Raabes Wirtshaus in Steinebach aufgeben musste. „Das passt gut, aber ich habe nun natürlich weniger Platz“, sagt Mosafer Haghighi. 20 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen ihm zur Verfügung, dazu kommen Lagerräume. Und jetzt diese Sache mit der Konkurrenz. „Die Verantwortlichen sagen zwar, sie nehmen keine Südfrüchte in ihr Sortiment. Aber das wäre mir auch noch egal“, sagt Mosafer Haghighi. Wohl aber soll eine große Bäckerei im Dorfladen vertreten sein, „und das ist dann zu viel auf 100 Metern“, findet der 51-Jährige. Er hätte es viel besser gefunden, wenn die Gemeinde die kleinen Betriebe, „die sie ja auch immer unterstützen wollte“, in einer Art Einkaufscenter zusammengefasst hätte. „Aber das ging angeblich nicht.“

Dann diese Sache mit der Bürgschaft. Wie berichtet, erhält der Dorfladen 37 000 Euro EU-Fördermittel. Wenn er zwölf Jahre besteht, ist alles gut. Macht er aber beispielsweise nach sechs Monaten zu, sind von der Fördersumme sechs Zwölftel zurückzuzahlen. In diesem Fall würde das die Gemeinde Wörthsee übernehmen. Mosafer Haghighi kann darüber nur den Kopf schütteln. „Wo gibt’s denn sowas“, sagt er ehrlich verwundert: „Da macht einer ein Geschäft auf und der andere sagt: Ja, prima. Und wenn du pleite machst, stehe ich für dich gerade.“ Viele seiner Kunden würden ihn auf diese Sache ansprechen. „Die verstehen nicht, dass dafür Steuermittel hergenommen werden.“ Viele seien überhaupt gegen einen Dorfladen. „Sie sagen, es gibt genug Angebote mit dem Edeka und auch dem Rewe, der auf dem alten Tengelmann-Gelände entstehen soll. Und wenn überhaupt, dann sollten wirklich die Steinebacher in Projekte dieser Art integriert werden."

Grundsätzlich beobachtet Mosafer Haghighi eine Veränderung bei der Kundschaft. „Viele alte Menschen haben früher bei mir eingekauft. Die haben auch noch gekocht. Heute, die junge Familien, die aus der Stadt hierhin ziehen – ehrlich gesagt würde ich soweit gehen und sagen, dass die von Kochen keine Ahnung haben.“ Die Menschen seien meistens mit dem Auto unterwegs, da würde auf dem Weg mal eben hier eingekauft oder dort, egal, wie die Qualität sei, nur schnell müsste es gehen.

Alles Dinge, die Mosafer Haghighi wohl nicht ändern kann. „Ich lasse das jetzt mal auf mich zukommen“, sagt er Und dann muss er lachen: „Ich bin seit 30 Jahren auf den Beinen – ich könnte in Rente gehen. Aber ich liebe meinen Job.“ Deswegen, da ist er sich fast sicher, wird es auch für ihn weitergehen. „Der persönliche Einsatz ist das A und O in so einem Geschäft. Ich könnte mir vorstellen, dass die Dorfladen-Betreiber das auch unterschätzen.“

Bürgermeisterin Christel Muggenthal versteht die Sorgen des etablierten Gemüsehändlers, bei dem sie auch selbst regelmäßig einkauft. Dass sich die Gemeinde beim Dorfladen engagiert, hat aber Gründe: „Wir unterstützen nicht die geschäftlichen Interessen, sondern den ehrenamtlichen Einsatz. Das tun wir auch bei Sportvereinen beispielsweise. Mit sehr viel höheren Summen.“ Außerdem sei der Beschluss für die Bürgschaft mit großer Mehrheit im Gemeinderat getroffen worden. „Wenn wir anfangen, die Unterstützung für Vereine und ehrenamtliche Arbeit in Frage zu stellen, dann bekommen wir ein Problem im Dorf.“ Sie pocht auch auf die Zusage der Dorfladenbetreiber, bei der Auswahl des Sortiments auf das Angebot von Mosafer Haghighis Obst- und Gemüseladen Rücksicht zu nehmen. Abgesehen davon: „So oder so wäre dort ein Supermarkt entstanden. Einer, der nicht geschaut hätte, was ringsum für ein Angebot besteht.“

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