Bürgermeisterin erneuert Spendenappell

Gauting - Wie ist das durch die Niedrigzinsphase bei der Haerlinschen Sozialstiftung entstandene Finanzloch zu stopfen? Nur durch Spenden aus der Bevölkerung.

Ein SPD-Antrag brachte die Ratsdebatte ins Rollen: Wegen der Niedrig-Zins-Politik kann die Haerlinsche Sozialstiftung heuer kein Weihnachtsgeld an weniger betuchte Gautinger auszahlen. Der Gemeinderat will deshalb die entstandene Lücke künftig über einen neuen Posten im Haushalt ausgleichen.

Aktuell läuft im Ort bereits eine Welle der Hilfsbereitschaft, teilt Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger erfreut mit. Unter dem Motto „Bürger helfen Bürgern“ wirbt die Rathauschefin um Spenden für die Gautinger Sozialstiftung. „Wir wollen nicht an Armut und Notstand sparen“, erklärt die Rathauschefin in ihrem aktuellen Spendenaufruf.

Bisher bekamen Gautinger, die auf Lebensmittelspenden der Tafel angewiesen waren, zu Weihnachten zusätzlich 150 Euro. Die SPD-Fraktion hatte beantragt, den Ausfall mit dem Erlös eines „überraschenden Grundstücksverkaufs“ auszugleichen. Kämmerin Heike Seyberth machte klar, dass solch ein Transfer gar nicht zulässig sei. Das aktuell von der Stiftung gestrichenen Weihnachtsgeld – etwa 85 000 Euro – müsse über Bürgerspenden eingespielt werden. „Die soziale Schere geht auch in unserer Gemeinde weiter auf“, warnte Jens Rindermann (Grüne). Da sollten sich die örtlichen Kommunalpolitiker schon überlegen, ob Einsparungen an Rentnern oder an Familien mit wenig Einkommen überhaupt vertretbar sind.

Eine ältere Gautingerin, die anonym bleiben will, weiß, wovon die Rede ist: Die 82-jährige Witwe eines „fleißigen Schreinermeisters“ hat früher als Putzfrau mitverdient. Sie bezieht heute eine Witwenrente von 650 Euro. Mit Grundsicherung habe sie 900 Euro Einnahmen im Monat, rechnet die Gautingerin vor. Davon zahle sie allein 624 Euro Miete für ihre 67 m² große Wohnung beim katholischen Siedlungswerk. Zum Leben blieben ihr 250 Euro. Ein neuer Kühlschrank, den sie benötigt, wird jetzt zum Problem. „Doch die Gautinger Tafel hilft mir“, sagt die Rentnerin. Von der Sozialstiftung bekomme sie einen 75-Euro-Zuschuss, freut sich die Gautingerin. Leise fügt die „praktisch wunschlose“ Rentnerin hinzu: „Dafür bin ich dankbar.“

Wer den Spendenaufruf „Hilfe für die Gautinger Sozialstiftung“ unterstützen möchte, spendet auf das Konto IBAN: DE49 7025 0150 0620 0007 60; BIC: BYLADEM1KMS Verwendungszweck: Spende. Einzahlungen gegen Spenden-Quittung sind auch an die Rathauskasse möglich.

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