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Nur einen Steinwurf enfernt sind Suppen- und Catering-Küche von Markus Bäumerts Wohnung.

Suppen- und Caterer-KÜchen

Unterbrunner nervt Lärm und Gestank

Unterbrunn - Den Unterbrunnern stinkt’s. Und zwar gewaltig. Und das schon seit Jahren. Die direkten Nachbarn, aber auch Dorfbewohner bis in 400 Meter Entfernung, können die Suppen- und Catering-Küchen auf dem Gelände des Gasthofs Böck nicht mehr riechen. Ein Anrainer hat seinen Anwalt eingeschaltet.

Markus Bäumert kann auf einen Wecker in der Früh verzichten. Um 6 Uhr, manchmal auch schon früher, mal etwas später, sitzt der Unterbrunner kerzengerade im Bett. Aufgeschreckt durch das ohrenbetäubende Geratter des Kühlaggregats am Dach eines Lebensmitteltransporters. Der hält unterhalb von Bäumerts Schlafzimmer, um die Suppenküche JooTi von Joachim Schwarz und Timo Kreuzer mit Gemüse zu beliefern. Bäumert möchte zu dieser Zeit aber noch gar nicht geweckt werden – erst recht nicht sonn- oder feiertags, wie zuletzt am Festtag Mariä Himmelfahrt Mitte August.

Über den Lärm des Lieferverkehrs ärgern sich mit Bäumert die direkten Anlieger des Areals beim Gasthof Böck, deren Wohnungen zum Innenhof des Anwesens ausgerichtet sind. Weiteren Nachbarn stehen die Suppenküche und Ammersee-Catering bis zum Hals. Sie stört der Kochgeruch, den die gewerblichen Betriebe „eins zu eins nach draußen blasen“, wie Manfred Wastian und sein Mitstreiter Michael Metz behaupten, dessen Wohnanlage am Schulweg unmittelbar von den Geruchswolken umweht wird. Je nach Windrichtung und -stärke sind die Küchendüfte noch bis zu 400 Meter vom Dorfkern entfernt zu riechen. Von Duft mögen die Unterbrunner allerdings schon lange nicht mehr reden. Für sie sind die Küchenschwaden schon längst zum unerträglichen Gestank geworden. Mehr als 50 Haus- und Wohnungsbesitzer haben ihren Unmut auf einer Unterschriftenliste bekundet.

Seit 2014 versuchen die Dorfbewohner mit den Betreibern der Kochbetriebe ins Gespräch zu kommen, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. „Es muss für uns Nachbarn wieder lebenswert werden im Dorf“, hofft nicht nur Wastian. Eine Lösung könnte nach Vorstellung der Unterbrunner in einer wirksamen Filteranlage liegen. Doch diese Investition – „12 000 bis 15 000 Euro netto würde das kosten, hat ein mir bekannter Fachmann vorgerechnet“, sagt Wastian – würden die Suppenküche-Betreiber scheuen. Sie argumentierten laut Wastian, das sei eine Sache des Verpächters. Der, Gutshof- und Gasthof-Eigner Helmut Böck, schiebt den Schwarzen Peter an die Pächter zurück.

Und dazwischen stehen die Unterbrunner ratlos. Alle Gesprächs- und Kommunikationsversuche laufen ins Leere, behaupten sie. Die Suppenköche lassen sich laut den Klägern auf keine Diskussion ein. „Mit den Leuten kann man nicht reden, die sind nur auf Konfrontation“, bedauert Bäumert. Und der Verpächter von Gasthof und dessen Nebengebäuden (dort werkeln neben JooTi und Ammersee-Catering auch ein Produzent von Tiernahrung), „bügelt uns Unterbrunner nach Gutsherrenart ab“, beklagt Wastian: „Der sitzt draußen auf seinem Gutshof und bekommt von Lärm und Geruch nichts mit.“

Nachbar Bäumert ist der Geduldsfaden mittlerweile gerissen. Er hat einen Anwalt mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt. Der Unterbrunner hat seine Zweifel, ob auf dem Böck-Gelände alles mit rechten Dingen zugeht. Zum Beispiel auch die Suppenproduktion an Sonntagen bzw am Feiertag Mariä Himmelfahrt. Darauf angesprochen habe ein JooTi-Mitarbeiter flapsig geantwortet: „Das musste sein, wir hatten einen Großauftrag zu erledigen.“

Für das Landratsamt Starnberg stellen die Aktivitäten auf dem Gelände des Gasthofs Böck kein Problem dar. „Das haben wir aktuell gar nicht auf dem Schirm“, teilt Sprecherin Barbara Beck mit. 2014 habe es Beschwerden seitens von Anliegern gegeben – wegen angeblicher Geruchsbelästigung. Damals sei eine Umweltingenieurin vor Ort gewesen, habe an dem Tag aber keine ungewöhnliche Geruchsentwicklung feststellen können. „Es war alles im tolerablen Bereich“, sagt Beck. Die Kreisbehörde habe den Unterbrunnern geraten, ein Geruchsprotokoll zu erstellen. „Aber seitdem haben wir nichts mehr gehört“, wundert sich Barbara Beck, dass die Dorfbewohner die Presse eingeschaltet haben, von Geräuschbelästigungen berichten und auch ein Geruchsprotokoll vorgelegt haben. „Warum leiten die das nicht an uns weiter? Wie sonst sollen wir auf deren Klagen reagieren?“, beklagt die Landratsamtssprecherin.

Seitens der Kreisbehörde gibt es derzeit keinen Grund zur Beanstandung. Die Gewerbeaktivitäten im Nebengebäude des Gasthauses seien durch dessen Genehmigung gedeckt. Eine Nutzungsänderung sei nicht erforderlich gewesen. Die Abluftanlage der Suppenküche habe ein Fachmann überprüft und für ausreichend eingestuft.

JooTi-Mitinhaber Joachim Schwarz kann die Aussage der Kreisbehörde nicht ganz nachvollziehen. In diesem Jahr habe eine Mitarbeiterin des Landratamtes seinen Betrieb besichtigt. „Wir warten nun auf eine Mitteilung der Behörde, ob und was wir gegebenenfalls noch nachbessern müssen.“ Laut Schwarz habe vor ihm fast 30 Jahre lange ein Catering-Unternehmen die Böck-Immobilien genutzt. „Wir machen nichts anderes als ein Caterer oder der benachbarte Gasthof. Wir kochen, bei Bedarf auch sonntags.“

Auch Manfred Wastian kontert die Aussage des Landratsamtes. Am 18. Mai dieses Jahres habe er in einem Schreiben (liegt der Redaktion vor) an die Kreisbehörde erneut auf Lärm- und Geruchsbelästigungen durch die Küchenbetriebe hingewiesen. Mit dem Schlusssatz: „Wir bitten Sie, uns wieder eine lebenswerte Situation in Unterbrunn für mehr als 50 direkt betroffene Personen zu ermöglichen."

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