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Bier für China: Generalmanager Felix Wendlandt im Besprechungsraum der Krass Capital Group in Gräfelfing.

Würmtaler Firma in China aktiv

Bayerisches Bier fürs Reich der Mitte

Gauting/Gräfelfing - „Wir lassen richtiges Münchner Hell brauen – vollmundig, nur etwas leichter“, sagt Felix Wendlandt von der Brander Urstoff GmbH. Produziert wird das Bier allerdings nicht in Bayern, sondern im Reich der Mitte.

Seit 2008 gibt es die in Gräfelfing ansässige Krass Capital Group AG (KCG), die sich an jungen Firmen beteiligt, beispielsweise aus der Solar- und IT-Industrie. Daneben hat das dreiköpfige Team – neben dem früheren Starnberger Felix Wendlandt der Gründer und Vorstandsvorsitzende Volker Krass (Gauting) sowie Mitgründer und Vorstand Michael Kermas (Landkreis München) – auch schon mal selber eine Firma aus der Taufe gehoben.

Gemeinsam mit Geschäftspartner Karl Bauer gründete das KCG-Team die Brander Urstoff GmbH. Der Nordbayer hat 2004 die Markenrechte von Brander Urstoff erworben. Die nicht mehr produzierte, aber unvergessene Biermarke wurde bis 1969 in der Schlossbrauerei Brand bei Marktredwitz gebraut, und reicht bis aufs Jahr 1684 zurück.

„Wir im Team trinken gerne Bier und fanden das Thema spannend“, sagt Felix Wendlandt. Es schien aber wenig Sinn zu machen, Brander Urstoff in Bayern wiederzubeleben – die ökonomischen Wachstumsperspektiven waren dafür nicht dynamisch genug. Es musste noch ein weiteres Puzzleteil hinzutreten, um aus der vagen Idee einen Businessplan zu machen. Dieses Puzzleteil war letztendlich eine Geschäftsreise nach China.

„Bayerisches Bier ist dort bekannt und beliebt“, sagt Wendlandt und nennt Brauereien aus München und Erding, die ins Reich der Mitte exportieren. „Vom Lagerkeller bis zum Supermarkt in Fernost dauert es aber manchmal bis zu drei Monate“, räsoniert er. Denn die Lieferung überquere im Container zweimal den Äquator und werde stark aufgewärmt. „Das bayerische Bier in China schmeckt dann definitiv nicht mehr so, wie man es hier in Bayern kennt und trinkt“, weiß der 29-Jährige.

Lösung: Das Brander-Urstoff-Team suchte eine vertrauenswürdige Brauerei, die in China exakt so braut, wie es ihr aufgetragen wird. „Sozusagen unsere Lohnbrauerei“, erläutert der Diplom-Wirtschaftsingenieur. Seit Oktober 2014 habe man in China Brauereien geprüft und sei im März 2016 mit einer Brauerei, vier Autostunden von Schanghai entfernt, handelseinig geworden. Hinzu kam die Gründung einer chinesischen Tochterfirma mit sechs Mitarbeitern, darunter einem deutschen Braumeister, der die Herstellung überwacht. Die Geschäftsführer sind Volker Krass und Felix Wendlandt.

„Hopfen und Malz werden aus Deutschland angeliefert, ebenso die Hefe“, erläutert Wendlandt. Nur das Wasser sei aus China selber, es würden aber regelmäßig Proben entnommen und auf deren Qualität hin getestet. Im Grunde entstehe tatsächlich ein bayerisches Bier, frisch nach dem Reinheitsgebot vor Ort gebraut. „Das Originalrezept von Brander Urstoff ist nach wie vor die Basis – nur beim Alkoholgehalt haben wir uns zurückgehalten, weil die Chinesen leichte Biere mögen.“ Mit immerhin 4,8 Prozent enttäusche das Brander Urstoff aber auch Bayern nicht.

Derzeit läuft die Marketingphase auf vollen Touren – das Logo sei etwas jugendlicher gestaltet worden, um eher an die trendige Craftbier-Szene zu erinnern. „Wir planen, zunächst einmal 50 000 Hektoliter pro Jahr zu verkaufen.“

Wenn der Bierabsatz aber wie erwartet steige, sei es irgendwann unvermeidlich, dass auch der Chef vor Ort sein müsse. „Über den Umzug nach China denke ich konkret nach“, sagt der ehemalige Starnberger, denn: „Ein chinesisches Unternehmen lässt sich langfristig nicht von Deutschland aus leiten."

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