Statt Brache Kopfsalat in Bio-Güte

Gauting - Gartenarbeit besser als Nichtstun: In Gauting bestellen Flüchtlinge auf Sonnenäckern ihre eigene Scholle.

Im Hof der Gautinger Flüchtlingsunterkunft Apparatebau radeln Kinder. Bereitwillig zeigen ehrenamtliche Helfer und freudestrahlende Gärtner den Merkur-Mitarbeitern die Sonnenäcker auf der Südseite des Geländes. Es ist friedlich auf dem Feld, wo Asylbewerberfamilien ihr Gemüse anbauen. Salatköpfe in Bioqualität gedeihen da. „Wir sahen, dass die Leute keine Beschäftigung hatten“, erzählt Brigitte von Kienlin. Deshalb initiierte sie mit ihrem Mann die Sonnenäcker.

In Gauting sind die Bürger nach wie vor hilfsbereit. Auch nach den Terroranschlägen von Würzburg und Ansbach hört Albrecht von Kienlin, seit Jahren Coach an der Gautinger Mittelschule, nichts Negatives aus der Bevölkerung. Auch die Flüchtlingsfamilien, die seit vergangenem Dezember in der Sammelunterkunft an der Ammerseestraße wohnen, werden von Ehrenamtlichen betreut.

Wenn der Gautinger Polizeichef Ernst Wiedemann dort auf dem Weg zur Arbeit mit seinem Hund vorbeikommt, freut er sich, dass Asylbewerberkinder mit Einheimischen aus der Nachbarschaft spielen. 145 Bewohner aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Iran und Pakistan haben bei Apparatebau „eine neue Heimat gefunden“, schreibt Helferin Juliane Braun in einer Pressemitteilung. Darunter sind gut 70 Kinder und Jugendliche. Der Helferkreis unterstütze die neuen Mitbürger in der Unterkunft des Landkreises nach besten Kräften. Und vor allem in guter Zusammenarbeit mit der Gemeinde Gauting, der evangelischen Kirche, Schulen, Ärzten, dem hausinternen Sicherheitsdienst – und der Asylsozialberatung.

Auch im nahen Gautinger Ortsteil Unterbrunn krempeln die Bürger die Ärmel hoch: „Mich hat Frau Servatius angerufen“, erzählt Hermann Geiger, mit ihren Kontakten unterstützte die frühere Bürgermeisterin das Sonnenäcker-Projekt des Ehepaares von Kienlin. Und ihre Amtsnachfolgerin Dr. Brigitte Kössinger stellte die Wiese beim Flüchtlingsheim zur Verfügung. Bekanntlich soll aus der Brache südlich von Apparatebau Bauland werden. Doch bevor es soweit ist, bauen Asylbewerberfamilien dort ihr Gemüse an.

Kostenlos hat der Unterbrunner Erdbauunternehmer und Heimatforscher Hermann Geiger im Frühjahr erst einmal gepflügt, berichten die Gautinger Helfer erfreut. Denn vorher war das Wiese, erzählt Geiger. Unterstützt hat ihn dabei Thomas Ruhdorfer. Mit der Kreisel-Egge ebnete der Unterbrunner Landwirt das Feld ein.

Jede Flüchtlingsfamilie hat inzwischen ihr eigenes Stück Ackerland. Afghanin Masumi (22) steht mit ihren fünf Kindern bescheiden am Rand. Den Jüngsten, Hussein (1), hält sie auf dem Arm. „Ihr Mann ist der beste Gärtner“, deutet Brigitte von Kienlin auf Salatköpfe, Karotten und Mangold in schnurgeraden Reihen. Kein Wunder: Der Familienvater bewirtschaftete schon in Afghanistan einen Garten.

An diesem Sommertag kommen auch Gautinger Nachbarn, um Salatköpfe in Bio-Qualität zu kaufen. Das Stück für einen Euro. Sam (6) hilft beim Gießen. Der kleine Afghane steht auf einem Schemel – und plantscht selbstvergessen in der Regenwasser-Tonne. „Im Herbst pflügen wir die Scholle wieder um: Das ist unser Beitrag zur Integration – und zu einer sinnvollen Beschäftigung“, sagt Geiger.

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