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„Die Gäste bedauern, aber verstehen es“, sagt Wirtin Johanna Barsy. Nun wollen sie und ihr Mann Johann den Fokus noch mehr auf den Biergartenbetrieb legen.

Forsthaus Kasten schließt Betrieb

Gauting - Seit 27 Jahren wird das Forsthaus Kasten von Johann und Johanna Barsy gepachtet. Jetzt wird es eine Veränderung geben: Das Gasthaus gibt den Betrieb auf. Der Schwerpunkt liegt nun noch mehr auf Biergarten und Umfeld.

Wer in diesen Tagen die renommierte Gaststätte Forsthaus Kasten zwischen Neuried und Gauting besucht, wird vor seinem Essen womöglich einen Schrecken zu verdauen haben. „Nach 27 wunderschönen Jahren werden wir zum 18. September 2016 den Restaurantbetrieb von Forst Kasten beenden“, ist in der Speisekarte zu lesen. Wer den Brief der Wirtsfamilie Barsy an ihre Gäste weiterliest, erfährt, dass die Schließung tatsächlich nur das Gasthaus, nicht aber Biergarten und Umfeld betrifft.

Aus gesundheitlichen Gründen müssen sie und ihr Mann kürzer treten, sagt Wirtin Johanna Barsy (55). „Das Tagesgeschäft im Restaurant ist das Anstrengendste an unserem Betrieb.“ Daher ist bald Schluss damit. Schlimm sei das aber nicht: „Woran denkt man, wenn man Forst Kasten hört? An den Biergarten, das Highlight hier.“ Nun rücke er noch stärker in den Fokus. Dennoch bleibt auch das Gasthaus in Barsys Händen. „Eine Pacht des Gasthauses alleine wäre nicht tragfähig“, sagt Johann Barsy (57). Er und seine Frau werden das Restaurant künftig für Banketts und Feste nutzen. Die Wirte möchten dafür einen Festsaal für bis zu 150 Personen anbauen. „Dann könnten wir auch Hochzeitsgesellschaften bewirten. Das würde einen sicheren Umsatz bedeuten“, sagt Barsy. Der vor zwei Jahren beantragte Bebauungsplan der Gemeinde Neuried sei aber noch nicht fertig.

So bleiben vorerst die bekannten Gasträume für überdachte Veranstaltungen. Mit diesen verbinden die Wirte einige Anekdoten. „In 27 Jahren ist viel passiert“, sagt Johann Barsy. An alle Kleinigkeiten könne man sich zwar nicht erinnern, doch einschneidende Erlebnisse habe es genug gegeben. Zum Beispiel die Eröffnungstage im Februar 1990. „Wir sind ohne Erwartungen gestartet – und alles war voll“, erzählt Johann Barsy. Und die Gäste seien vornehmlich auf ein Gericht aus gewesen: „Als neuer Wirt wird man am Schweinsbraten gemessen. Wenn der schmeckt, kann man den Rest auch probieren.“ Offensichtlich hat er das, denn über die Jahre hat die Gaststätte zahlreiche Stammgäste gewonnen.

Nicht nur das gute Essen, auch die Freundlichkeit der Barsys lockt viele Gäste an. Einem Arzt half das Ehepaar erfolgreich bei der Suche nach seinem verschwundenen Dackel. In der Folge feierte der Hundehalter einige Feste im Forsthaus und wurde später gar zum „Entbinder unserer Kinder“, berichtet Johanna Barsy lachend.

Die Wirtsleute nahmen nach dem Bosnienkrieg Mitte der 1990er Jahre eine geflüchtete Familie in ihrem Wirtshaus auf. „Sie haben hier gewohnt und durften bei uns arbeiten. Wir haben also schon sehr früh Integration betrieben“, sagt Johann Barsy. Ein Sohn der fünfköpfigen Familie machte sich gar so gut, dass er noch heute als Biergartenleiter von Forst Kasten angestellt ist. Sein jüngerer Bruder sorgte einst für einen Schreck bei dem Wirt. Er hatte einer Neurieder Mitschülerin, die von zu Hause ausgerissen war, in seinem Zimmer im Forsthaus Zuflucht gewährt. „Um halb drei nachts standen Polizisten mit Maschinenpistolen vor der Tür, die das Mädchen suchten. Aber es war ja freiwillig da.“

Unvergessen auch die Begegnung mit einem Randalierer, der 1990 ohne ersichtlichen Grund mehrfach die Telefonleitung zum Forsthaus kappte. Gemeinsam mit amerikanischen Saisonarbeitern legten sich die Barsys im Wald auf die Lauer und sorgten mit einem Foto des Täters dafür, dass dieser am Ende geschnappt werden konnte.

An Heiligabend 1998 begann für die Barsys eine schwierige Zeit, als der Dachstuhl der Gaststätte abbrannte. „Ich war zu der Zeit in Neuried unterwegs, wusste von nichts und überlegte mir noch, hinter den vielen Feuerwehrautos hinterherzufahren. Aber dann habe ich mir gesagt: Sei nicht so sensationsgeil“, erzählt Johanna Barsy. Heute kann sie darüber lachen.

Nach dem Brand konnten die Wirtsleute drei Jahre nur den Biergarten betreiben. „Wir haben damit also schon Erfahrung“, sagt Johanna Barsy. Sie ist sicher, dass auch die kommenden Jahre erfolgreich verlaufen – auch für die Mitarbeiter des Restaurants. „Die orientieren sich fast alle um, ob Lehre, Meisterprüfung oder Auslandsjahr“, berichtet die Wirtin. „So ist die Gastronomie. Das ist jetzt für uns alle ein Zeichen des Aufbruchs.

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