Essen für Arme, aber kein Weihnachtsgeld

Gauting - 120 Bedürftige holen sich bei der Gautinger Tafel etwas zu essen. Auf ihr Weihnachtsgeschenk von der Haerlinschen Sozialstiftung müssen sie aber heuer verzichten.

Einen erschütternden Bericht über Armut in Gauting lieferte Monika Fliedner von der Gautinger Tafel im Haupt- und Finanzausschuss. 120 „Kunden“ am Ort seien auf aussortierte Lebensmittelspenden von Supermärkten angewiesen. Allein 35 bis 40 Prozent der Bedürftigen seien Rentner. Darunter sehr viele Gautingerinnen: Diese Frauen müssten großteils mit einem Monatseinkommen von maximal 800 Euro zurecht kommen. Das entspreche im teuersten Landkreis der Republik einer Kaufkraft von 656 Euro, rechnete Fliedner vor. Diese Menschen, die von weniger als 800 Euro leben müssten, seien arm. Auch an Kontakten.

„Man denkt, das sei hier eine reiche Gemeinde“, erklärte Rathauschefin Dr. Brigitte Kössinger. Doch als Folge einer chronischen Erkrankung oder nach einer Scheidung gehe es auf der Rutschbahn rasch nach unten, weiß die Bürgermeisterin von ihren Besuchen bei der Gautinger Tafel. Deshalb sei das ehrenamtliche Engagement von Monika Fliedner und ihren Helfern so wertvoll. „Sie stecken viel Herzblut in ihre Arbeit und lassen damit den Menschen ihre Würde.“ Unter den Menschen, die sich jeden Mittwoch in die Warteschlange für die Tafel-Ausgabe am Krapfberg einreihen, ist eine 86-jährige Frau. Nach dem frühen Tod ihres Mannes, ein Jahr vor dem Fall der Mauer, wanderte sie aus Siebenbürgern aus - „zu meinen beiden Kindern“, erzählt die Seniorin. „Ich habe Grundsicherung“, sagt die gehbehinderte Frau - und packt sorgsam Hörnchen, Dill, Gurke und Zitrone in ihre Tasche am Rollator.

Neben ihr steht eine Rentnerin, ebenfalls mit Gehwagen. Seit 1951 lebt die 81-Jährige in Gauting, hat vier Kinder großgezogen „und abends bin ich putzen gegangen“, erzählt die Witwe. „Von meinem Mann habe ich 200 Euro im Monat Grundsicherungsrente“, sagt die Urgroßmutter, die in einer Sozialwohnung lebt. „Ich bin sehr dankbar. Ohne die Tafel käme ich nicht über die Runden.“

Die meisten von Fliedners Kunden bekommen Grundsicherung. „Gerade Frauen sind oft zu stolz, um diese zu beantragen“, sagte die Tafel-Vorsitzende.

Der Ausschuss beschloss zwar, dass der im Garten der Gautinger Insel geplante Tafel-Neubau unentgeltlich zur Verfügung stehen wird. Doch an anderer Stelle wird gespart. „Weil die Null-Zins-Situation schwierig ist, muss die Haerlinsche Sozialstiftung die Weihnachtszuwendungen für bedürftige Bürger heuer streichen“, bedauerte Kössinger. „Weil wir die Substanz des Stiftungsvermögens nicht angreifen dürfen, gibt es heuer keine Weihnachtszuwendung.“ Bisher bekamen bedürftige Gautinger zum Christfest 150 Euro. Die Tragweite ist Kössinger klar: „Arme Rentnerinnen haben sich davon ein Festessen gekauft oder ein Geschenk für ihr Enkelkind.“

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