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Liebe Braut, lieber Bräutigam... Jürgen Gergov aus Gauting arbeitet nebenher als Hochzeitsredner. Für ein Paar hat er das sogar schon über den Wolken gemacht.

Ein besonderer Beruf

Ein Gautinger für gewisse Stunden

Gauting – Jürgen Gergov (60) aus Gauting hat eine exklusive Nebenbeschäftigung. Er ist Hochzeitsredner. Hier schildert er, worauf es ihm dabei ankommt

Am kuriosesten war die Hochzeit in der „Tante Ju“ erzählt der fein gekleidete Herr mit dem gewinnenden Lächeln. Während eines Rundflugs in dem legendären 1930er-Jahre-Flugzeug hielt er seine launige Hochzeitsrede für das Flugbegleiter-Paar und deren Gäste. „Mit Mikrofon von der Bordkabine aus, in der Hocke, damit mich die Gäste sehen konnten“, erzählt er. „Es war sehr laut und sehr heiß.“ Aber eben auch sehr außergewöhnlich. Und genau das ist es, was die ganze Sache für Jürgen Gergov (60) ausmacht. Unter der Woche geht der verheiratete Familienvater und gelernte Schauspieler seinem „Brotberuf“ als kaufmännischer Angestellter nach. 

Erste Versuche als Hochzeitsredner im Freundeskreis

An den Wochenenden aber, da schlüpft er in seinen Smoking und tritt als humorvoller Hochzeitsredner auf. Gerade jetzt, im Frühling und Sommer hat er – Regen hin oder her – Hochsaison. Paare, die in keiner Kirche sind und sich trotzdem eine feierliche Zeremonie mit Ringtausch für den schönsten Tag im Leben wünschen, sind seine Kunden. Oft genug an ungewöhnlichen Orten wie über den Wolken der oberbayerischen Heimat so wie das Flugbegleiter-Pärchen. Meistens aber unter freiem Himmel. „Da ist die Atmosphäre von vornherein deutlich entspannter als bei der kirchlichen Hochzeit vor dem Altar“, erzählt der 60-Jährige, der selbst übrigens evangelisch getauft ist. 

Worauf es ankommt: Jürgen Gergov hat Humor – und spricht druckreif. Dass der Gautinger, der gelegentlich auch in der Gemeindebücherei ehrenamtlich liest, aus dem badischen Freiburg stammt, hört man ihm nicht an. Kein Wunder: Bei seinem Vater, der in Düsseldorf eine eigene Schauspielschule hatte, hat er das dialektfreie Sprechen gelernt, ebenso bei Auftritten auf der Theaterbühne. Als Hochzeitsredner habe er erst einmal „lange Erfahrung“ im Freundes- und Bekanntenkreis gesammelt, erzählt er. Ihm zunächst unbekannte Paare, die ihn als geübten Profi buchen, wünschten sich einen „ganz normalen Menschen“, der „die Leute fesseln kann.“ 

Je nachdem: Begrüßung auf Türkisch, Sächsisch oder Schwäbisch

Wie er das schafft? „Ich fahre zum Erst-Gespräch hin: Wir beschnuppern uns. Und wenn mir das Paar unsympathisch ist, sage ich auch mal Nein. Beim zweiten Mal lasse ich dann zwei bis drei Stunden mein Diktiergerät laufen.“ Zeit genug, damit Braut und Bräutigam ins Plaudern kommen: wie sie sich kennengelernt haben, was sie am anderen mögen, wie lange sie schon zusammen sind... Natürlich kommt auch die eine oder andere Schwäche auf den Tisch. Zu Hause bastelt Gergov dann daraus eine pfiffige Rede – „gern auch mit einer heiteren Episode oder einer „witzigen Kurzgeschichte, die zum Brautpaar passt“. Dass irgendwann auch die Tränen fließen, ist zwar vielleicht nicht extra eingeplant, aber mittlerweile fast schon Standard. In der Regel, weil ihm etwas Lustiges oder sehr Emotionales einfällt. „Meistens heult die Braut“, erzählt er. 

Manchmal aber auch aus traurigen Gründen, zum Beispiel weil kurz vor der Trauung Oma oder Opa gestorben sind. Ob Frau und Mann oder gleichgeschlechtliche Partner – da macht der 60-Jährige übrigens keinen Unterschied. Die Leute liebten seine heiteren, persönlichen Ansprachen mit Wortspielen, sagt er. Je nachdem, woher die Familien stammen, werden die Gäste auch mal auf Türkisch, Sächsisch oder Schwäbisch begrüßt. Oft fragten ihn Hochzeitsgäste nach der launigen, lockeren Rede auf ein junges Paar: „Wie lange sind Sie mit den Beiden denn schon befreundet?“ Ein größeres Lob geht fast nicht...

Von Christine Cless-Wesle

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