Das Geheimnis in weißem Packpapier: Zur Vernissage werden alle Bilder verpackt und mit blauem Band verschnürt. fotos: fkn

Vernissage mit verpackten Bildern

Gauting - Was ist Kunst? Der Prozess oder das Ergebnis? Egal: Das Projekt Innere Stadt zeigt Bilder von Flüchtlingen im Gautinger Bahnhof - die sind erst einmal verpackt.

Was ist in diesem Paket? Das ist die erste Frage, die sich angesichts der gleichförmig eingepackten Bilder aufdrängt. Die Initatioren der Kunstaktion Innere Stadt stellen noch eine andere Frage: Wer ist der Mensch dahinter? Ein Kunstprojekt, das vielleicht besser als Zusammenfindungsprojekt zu beschreiben ist, vereint Gautinger Bürger und Asylsuchende. Die Gautinger gehen in die Asylbewerberunterkünfte an der Ammerseestraße und fragen die Geflüchteten, was sie von sich preisgeben wollen. Das Ergebnis ist auf der Vernissage am Sonntag, 12. Juni, um 11 Uhr im Gautinger Bahnhof zu sehen. Und zwar erstmal verpackt. Wenn jemand zehn Euro zahlt, kommt das Papier weg.

Initiator und Klinge-Preisträger Johannes Volkmann beschreibt sein Projekt Innere Stadt als eine Mischung aus Kunst und sozialer Arbeit. In Nürnberg und Murnau hat er die „Innere Stadt“ bereits gegründet. Seine Mitstreiter - in Gauting sind es rund zwölf - haben sich in der „Fa. Zusammenkunst“ zusammengetan. Das ist ein loser Verbund von Menschen, die nicht unbedingt etwas mit Kunst zu tun haben und die die „Innere Stadt“ vorantreiben. Wobei unter „Innere Stadt“ sowohldas Innenleben der Menschen in der Stadt zu verstehen ist als auch die Gestaltung einer urbanen Region.

Christiane Bauer aus Königswiesen ist dabei und erlebt die Arbeit in und mit der Zusammenkunst als Bereicherung. „Bei der ,Inneren Stadt‘ geht es auch darum, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln“, sagt sie. „Etwa, dass man durchaus mit fremden Menschen umgehen kann. Das reduziert die Angst.“

Die Mitglieder der Zusammenkunst lernen zunächste fremde Menschen in den Asylbewerberunterkünften an der Ammerseestraße kennen. Sie bringen graue, großformatige Plakate voller weißer Streifen mit. Zwischen diese weißen Striche schreiben Flüchtlinge das, was sie von sich preisgeben wollen.„Das ist toll, wie Künstler und Geflüchtete miteinander Kontakt aufnehmen, wie sich die Menschen auf diese Art von Sprache einlassen“, sagt Claudia von Maltitz vom Gautinger Helferkreis. „Das ist eine tiefe Begegnung, weil jeder über seine Scheu hinausgeht“, ergänzt Volkmann. „Das Fremde ist fremd, aber in der Begegnung löst sich das Unbekannte auf“, sagt von Maltitz.

Die zunächst eingepackten Bilder sind ab Sonntag im Gautinger Bahnhof zu sehen. Ab 11 Uhr wird ausgepackt, gegen die Zahlung von zehn Euro. Dafür kann man sich auch mit anderen Gästen zusammentun - wieder ein Akt der Kommunikation. Bei der Vernissage der Profilbilder sind die Künstler aus den Unterkünften dabei. Von dem Geld will Volkmann Lebensmittel kaufen. Damit bereiten die Künstler typische Gerichte ihrer Heimatländer zu, die bei der Finissage am Freitag, 17. Juni, ab 20 Uhr im Bosco miteinander verzehrt werden.

Volkmann bekommt immer noch eine Gänsehaut, wenn er an die Abschlussabende in Nürnberg und Murnau denkt. „Eine Wahnsinnsstimmung.“ Daraus entstanden weitere Projekte: „Jugendliche haben zusammengefunden, und ein Job wurde vermittelt.“ edl

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