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Voll konzentriert: Sportstudentin Tabitha Eckfeld trainiert im DAV-Kletter- und Boulderzentrum München-West in Gilching.

Kletterhalle Gilching

Gegen die Wand

Gilching - Das DAV-Kletter- und Boulderzentrum München-West in Gilching feiert am Wochenende seinen 10. Geburtstag. An diesem Samstag gibt es ein buntes Programm für Groß und Klein, für Profis und Anfänger.

Annette Härter klettert die Wand hoch, als hätte sie nie etwas anderes getan. In der Kletterhalle in Gilching fühlt sich die 59-Jährige wie zu Hause. „Seit 35 Jahren klettere ich bereits“, erzählt die Gilchingerin.

Sie ist nur eine von vielen, die regelmäßig das Gilchinger Kletterzentrum aufsucht. „Ungefähr 80 000 Besuche haben wir jährlich“, schätzt Maxi Walk. Auf 2700 Quadratmeter Fläche ist für jeden – egal ob jung oder alt, Anfänger oder Profi – etwas dabei. Seit dem Jahr 2000 sei ein regelrechter Boom zu beobachten; Klettern werde immer mehr zur Trend-Sportart. „Viele gehen nach der Arbeit anstatt ins Fitnessstudio nun lieber in die Kletterhalle“, erzählt Maxi Walk, Leiter der Gilchinger Kletterhalle. Denn auch hier könne man seine Fitness auf Vordermann bringen.

„Für Anfänger empfiehlt es sich, mit dem Bouldern anzufangen“, so Walk. Denn im Unterschied zum Seilklettern ist in den Boulder-Räumen die Wand nicht höher als vier Meter und somit auf Absprunghöhe. Außerdem sind die Räume mit Weichbodenmatten ausgestattet. So kann erst einmal die Technik in einer sicheren Höhe erlernt werden. „Außerdem werden die Boulder-Areas oft genutzt, um an der eigenen Technik zu arbeiten oder auch neue Kniffe zu lernen“, erklärt Übungsleiter Michele Cordes. Und beim Bouldern gehe es um Maximalkraft. Das bedeutet, dass für eine kurze Zeit alle verfügbare Kraft eingesetzt wird. Beim Seilklettern hingegen gehe es um Kraftausdauer. Hier wird über eine längere Zeitspanne immer wieder maximale Kraft verlangt.

Für Kletterer mit Erfahrung geht es an die Kletterwände. Diese sind in Gilching zwischen zehn und 13 Meter hoch. Zudem sind die Wände in elf Schwierigkeitsgrade unterteilt. „Die etwas schwierigeren Wände haben zum Beispiel auch mehr die Strukturen von einem Felsen“, so Cordes. Und bei guten Wetter- und Temperatur-Verhältnissen könne auch an den Outdoor“-Kletterwänden geübt werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit einem Seil eine Wand hochzuklettern. Entweder mit einem „Top-Rope“ oder die sogenannte Methode des Vorsteigens. Mit Top-Rope ist ein Seil gemeint, das bereits oben am Zielhaken befestigt ist und dementsprechend keine Sicherung an den dazwischen liegenden Haken mehr nötig ist. „Gerade für Anfänger ist das Top-Rope sehr gut geeignet“, so Maxi Walk. Denn vor allem am Anfang sei es wichtig, die eigene Unsicherheit zu überwinden. Und dies lasse sich am besten durch ein sicheres Gefühl an der Wand erreichen.

„Beim Klettern kommt es zu 50 Prozent auf die Psyche an“, berichtet Übungsleiter Michele Cordes, „es bringt die beste Technik nichts, wenn der Kopf nicht richtig dabei ist“. Daher sei Klettern auch anders als andere Sportarten. „Ich merke es selber, wenn ich eine längere Pause gemacht habe und dann wieder anfange zu klettern. Es dauert viel länger als bei anderen Sportarten, bis ich wieder auf meinem alten Stand bin“, so Cordes.

Auch Sportwissenschafts-Studentin Tabitha Eckfeld weiß, wie wichtig ein konzentrierter und klarer Kopf beim Klettern ist. „Denn während ich an der Wand hänge, muss ich mir genau überlegen, was als nächstes zu tun ist“, erzählt die 21-Jährige. Sie klettert mittlerweile seit elf Jahren – und zehn davon in der Kletterhalle in Gilching, also eine Frau der ersten Stunde. „Das Beste am Klettern ist, dass man ständig in Bewegung ist, es wird nie langweilig, denn jeder Zeit kann etwas Neues ausprobiert werden“, so Eckfeld. Sie klettert allerdings nicht nur in der Halle: „Ich war vor einiger Zeit in den Rocklands in Südafrika. Es ist ein absolutes Paradies für Boulderbegeisterte. Das war wirklich ein ganz tolles Erlebnis.“

Um Klettern zu können, müssen bestimmte Muskelpartien gestärkt werden, die im Alltag nicht so stark zum Einsatz kommen. So spielt die Fingerkraft eine bedeutende Rolle. „Diese kann man spezifisch in einem Trainingsraum trainieren“, erzählt der Übungsleiter. Wer nach dem Klettern noch Energie hat, könne hier seine letzten Kraftreserven auspowern.

Kletterer, die bereits eine gewisse Sicherheit an der Wand erlangt haben, wagen sich an das „Vorsteigen“. Das bedeutet, dass von Haken zu Haken geklettert und am jeweiligen Haken neu gesichert wird. Zwischen zwei Haken liegt genau ein Meter, der quasi frei zu erklimmen ist. Anette Härter weiß, wie diese Technik funktioniert und klettert flink von Kletterstein zu Kletterstein. Die 59-Jährige kommt bereits seit fünf Jahren in die Gilchinger Kletterhalle. „Ich bin aber auch schon am Fels, zum Beispiel in Oberammergau, geklettert“, so Anette Härter.

Beim Trainieren in der Kletterhalle steht in jedem Fall ein Partner am Boden, der das Seil hält. „Der Partner, der am Boden steht, spottet auch bis zur ersten Sicherung“, erklärt Cordes. Das bedeute, dass im Falle eines Sturzes der Partner den Fallenden in seinem Sturz leite, um so schwere Verletzungen zu vermeiden. „Glücklicherweise haben wir hier nicht so viele Verletzungen“, freut sich Leiter Maxi Walk. Ein gewisses Risiko bestehe – wie bei jeder anderen Sportart auch – aber immer.

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