Eine Geldauflage von 100 Euro muss der Verursacher leisten.

Aus dem Gerichtssaal

Parkbefreiung auf eigene Faust

Herrsching/Weilheim – Ein Herrschinger schob mit seinem Skoda einen BMW weg, der das Auto seines Arbeitskollegen zustellt hatte. 

Jugendrichter Ralf Jehle bezeichnete die zu verhandelnde Sachbeschädigung nebst Unfallflucht mit einem gewissen Schmunzeln als „Parkbefreiungsvorgang“. Doch was sich ein 20-jähriger Auszubildender aus Herrsching im November 2015 auf dem Parkplatz der Weilheimer Berufsschule erlaubt hatte, führte zu einer Verurteilung wegen „unerlaubten Entfernens vom Unfallort“: Der Lehrling hatte mit dem Skoda seines Vaters einen BMW zur Seite geschoben, der wiederum den Wagen einen Berufsschulkollegen derart zugeparkt hatte, dass er nicht mehr weg fahren konnte. 

Herrschinger einsichtig: Hätte sich eigenes Bild machen sollen

Während der „Zugeparkte“ selbst noch gar nicht da war, schritt sein Kumpel auf dem Parkplatz bereits zur Tat. „Ich habe vorher nachgeschaut, ob die Handbremse des BMW angezogen war“, so der Herrschinger. Er habe sich dann in den Skoda gesetzt, den Motor angelassen und „ganz langsam, Stoßstange an Stoßstange“, den BMW rückwärts geschoben. Zwei Mitschüler, die während des „Parkbefreiungsvorgangs“ daneben gestanden waren, hätten seine Frage nach einem Schaden am weggeschobenen Fahrzeug verneint, so der Angeklagte, deshalb sei er auch gleich da-nach weg gefahren. 

Am „Widerstand leistenden“ BMW – der erste Gang war wohl eingelegt – war ein Schaden im Bereich der vorderen Stoßstange entstanden, laut einem Gutachten in Höhe von etwa 1500 Euro. Einer der beiden Mitschüler relativierte dies im Zeugenstand: Der BMW habe seiner Erinnerung nach einen „Smart-Repair“-Vorschaden aufgewiesen, also einen provisorisch überspachtelten Fleck an der vorderen Karosserie. Der Besitzer des ramponierten Wagens, ein 20-Jähriger aus Buchloe, gab an, der Neu-Schaden sei nicht mehr behoben worden, weil es mittlerweile einen „Unfall mit Totalschaden“ gegeben habe. Der Herrschinger räumte vor Gericht ein, sich selber ein Bild zu machen, wäre „im Nachhinein sinnvoller“ gewesen. Der Angeklagte bestritt jedoch, „aus Ärger“ den anderen Wagen weggeräumt zu haben. 

Vater des Herrschingers saß mit im Gerichtssaal

Eine Zeugin, die den Vorgang beobachtet und die Polizei verständigt hatte, bestätigte, dass alles „sehr, sehr langsam“ abgelaufen war. Die Jugendgerichtshelferin sprach von jugendtypischem Verhalten nach dem Motto: „Machen wir mal eben, passiert schon nichts.“ Richter Jehle erkannte gewisse „gute Motive“ bei der Aktion an – die Hilfe für den zugeparkten Freund nämlich. Dass eine Sachbeschädigung vorlag, ließ sich allenfalls als „fahrlässige Tat“ nachweisen, nicht jedoch als Vorsatz, weil der Herrschinger angenommen habe, dass nichts kaputt war, so Jehle. 

Am unerlaubten Entfernen vom Unfallort war indes nicht zu rütteln: Gemäß Jugendstrafrecht wurde der Lehrling zu Waldarbeiten an einem „Öko-Wochenende“ verurteilt sowie zu einer Geldauflage von 100 Euro. Dem Papa werde er den durch die Versicherung geregelten Fremdschaden am BMW ersetzen, versprach der junge Mann – sein Vater saß mit im Gerichtssaal.

Von Thomas Lochte

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