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Das Hochwasser am Herrschinger Fendlbach hat die Familien von Rafael S. und Nachbarin Catharina G. ins Chaos gestürzt. 

Hochwasser in Herrsching

Die Ferien fallen heuer aus

Herrsching - Eigentlich wollten die Mieter der Doppelhaushälften am Rauscher Fußweg in Herrsching verreisen. Da kam das Wasser. 

„Das ging richtig schnell, so schnell.“ Rafael S. (46) aus Herrsching erinnert sich noch genau an den reißenden Strom, der Anfang der Woche alle Ferienträume zerplatzen ließ. „Die Kinder waren schon in der Schule, da ist der Bach übergelaufen und hat uns das Wasser innerhalb einer Stunde in die Häuser gedrückt“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Mit Biertischen, Plastiksäcken und allem möglichen Material habe man versucht, die stürzende Flut einzubremsen. Vergebens – plötzlich stand das Wasser brusthoch im Keller, die Lichtschächte sahen aus wie Aquarien.

Die Feuerwehr rückte an – aus Herrsching, Breitbrunn, Gilching – ja sogar Kameraden aus Weilheim waren in der Ammersee-Gemeinde im Einsatz. „Die haben uns gesagt, wir sollen bloß nicht in den Keller gehen“ berichtet Catharina G. (37), direkte Nachbarin der Familie S. Beide haben jeweils zwei Kinder. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand im Keller eingesperrt gewesen und die Tür nicht mehr aufgegangen wäre.

Der Schaden ist immens, die genaue Höhe noch überhaupt nicht zu beziffern. „Wir sind noch dabei, das Chaos zu beseitigen, stehen in Verbindung mit Versicherungen, Handwerkern und und und“, sagt Kunsthistorikerin Catharina G. Gott sei Dank hat sie die wertvolleren Dinge auf dem Dachboden, aber Waschmaschine und Trockner sind Müll. Die Gemeinde hilft den betroffenen Familien. Bürgermeister Christian Schiller: „Wir tun, was wir können.“ In den Einfahrten liegen kaputte Holzschränke, Spiel- und Werkzeug, Ordner, Alben, Erinnerungsstücke – Sandsäcke sind noch am Bachufer und vor den Garagen aufgestapelt, die Gärten sind ein Trockenlager. „Wir haben uns mehrere Wäschespinnen zulegen müssen, damit wir die Sachen draußen aufhängen können.“

Die Sonne beruhige derzeit die Gemüter. Dunkle Wolken treiben den Familien die Sorgenfalten auf die Stirn. „Wir haben schon immer einen Blick nach Westen“, sagt Rafael S., der im gleichen Atemzug aber betont wissen will, wie eng die Nachbarschaft in dieser schwierigen Zeit zusammenhält. „Das ist wirklich stark. Jeder hilft jedem.“ Und auch Bürgermeister Christian Schiller macht sich regelmäßig vor Ort ein Bild der aktuellen Lage, denn es müssen Maßnahmen getroffen werden, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

Die Kinder der Familien S. und G. vom Rauscher Fußweg in Herrsching haben sich heuer schon auf den Urlaub gefreut. „Wir wären eigentlich an die Ostsee gefahren, aber das haben wir storniert, schließlich gibt es jetzt wichtigere Dinge“, erzählt Rafael S. Seine Nachbarin wollte mit Mann und Mädchen ein paar erholsame Tage bei Oma in Stuttgart verbringen. Geht nicht. Statt mit Oma wird demnächst häufiger mit Versicherungen, Handwerkern und Gemeinde telefoniert. „Es hat uns wirklich wie aus dem Nichts ziemlich hart getroffen, das hier ist ein absoluter Ausnahmezustand“, sagt Catharina G. Aber es helfe nichts: „Wir müssen da jetzt durch.“

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