1995 wurde mit dem Wiederaufbau der Seehof-Ruine begonnen.

20 Jahre Wiedereröffnung Seehof Herrsching

Bei einer Mark aufwärts ging es los

Herrsching - Geht man durch den Seehof in Herrsching, erinnern sonderbare Relikte an eine über 100 Jahre alte Geschichte. Der Tradition verpflichtet fühlen sich auch Gerda und Peter Reichert, die vor 20 Jahren die einstige Ruine wiederbelebt haben.

„Ja, es war eine Ruine“, räumt Peter Reichert ein. Dennoch haben er und seine Familie, die Schwiegereltern kommen aus dem Hofbräuhaus, sofort erkannt, dass sich aus dem brachliegenden und heruntergekommenen Anwesen ein „wunderbares Haus“ mit überregionaler Bedeutung machen lasse. „Der alte Seehof mit Wirtschaft und Hotel hatte ursprünglich zwölf Zimmer und ein 35 Jahre altes Etagenbad. Zuletzt wohnte in den Zimmern aber nur noch das Personal“, weiß Reichert.

Dabei hatte der Seehof auch schon bessere Zeiten gesehen. Wurde doch schon Ende des 19. Jahrhunderts mit „Dampfschiffstation und nahe gelegenen Seebädern“ geworben, bei Übernachtungspreisen von „einer Mark aufwärts“. „Für uns galt es nun, das Haus um ein Stockwerk zu erweitern, gleichzeitig aber den früheren Charme des Hauses nicht zu zerstören. Die Architektur ist weitgehend erhalten geblieben“, betont Reichert. Unter anderem auch deshalb, weil viele Fragmente aus dem vorigen Jahrhundert geschickt integriert wurden. Selbst der Kachelofen aus dem ehemaligen Fischerstüberl wurde anhand einer alten Postkarte nachgebaut. „Das Original selbst wurde leider vor unserer Zeit entwendet und später dann in Einzelstücke zerteilt auf dem Dießener Töpfermarkt verkauft.“

Dass es sich in diesen Räumen nicht nur gut speisen, sondern auch fröhlich musizieren lässt, hat sich längst herumgesprochen. „Zu unserem regelmäßig stattfindenden Wirtshausbrettl kommen mittlerweile Volksmusikanten aus ganz Bayern, Österreich und Tirol“, freut sich der passionierte Trompeter. Und selbst die Hotelgäste würden nicht meckern, wenn es mal mit der Musik etwas später wird. „Ganz im Gegenteil. Sie kommen dazu und genießen es einfach nur.“ Musikalisch hoch her gehen wird es auch am 8. Oktober. Dann nämlich findet die Präsentation der neuen CD der Seehof-Musi statt.

Und noch eine Besonderheit zeichnet die Lokalität am Dampfersteg aus. Anders als an bayerischen Stammtischen normalerweise üblich, sind im Seehof auch Fremde willkommen. „Wenn’s lustig san und was zu erzählen haben, darf an unserem Stammtisch jeder Gast Platz nehmen.“ Apropos Stammtisch – da sitzen zum Teil noch die Söhne von den Bedienungen, die schon vor 80 Jahren im Seehof für den Service verantwortlich waren, erzählt Reichert. Aus den zwölf Übernachtungsmöglichkeiten sind 43 modern ausgestattete Zimmer mit Seeblick geworden. Außerdem haben die Reicherts das angrenzende Hotel Promenade mit weiteren 20 Zimmern dazu gepachtet. Im Sommer sorgen insgesamt 60 Servicekräfte für einen reibungslosen Ablauf in Restaurant mit Biergarten und Hotel.

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