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Schlossen sich vor einem Jahr zusammen: Johannes von Perger (r.) und Michael Smolka.

Nach Insolvenz

Renaissance einer Saftmarke

Breitbrunn - „Es geht immer ein Stückchen weiter“, sagt Johannes von Perger, der trotz vieler Probleme nun wieder für den Saft desselben Namens steht. Nach Rückschlägen versucht er sich, während noch mehrere Insolvenzverfahren laufen, seit März am geschäftlichen Neuaufbau.

Johannes von Perger fühlt sich an seine ersten Schritte ins Geschäftsleben 1986 erinnert. „Es geht immer ein Stückchen weiter“, sagt der Unternehmer, der trotz vieler Probleme nun wieder für den Saft desselben Namens steht. Nach Rückschlägen versucht er sich, während noch mehrere Insolvenzverfahren laufen, seit März am geschäftlichen Neuaufbau mit einer Firma Freiherr von Perger GmbH – ganz langsam, nur mit seiner Frau Paula und ein paar treuen alten Mitarbeitern, die ihm als Aushilfskräfte zur Seite stehen, wenn viel Arbeit ist. Das war der Fall, als nun Obstannahme war.

Nach all den dicken Schwierigkeiten ist auch dies ein Stück Rückkehr zur früheren Normalität. Von Perger hofft auf viele Bürger, die Äpfel und Birnen anliefern, vom vergangenen Wochenende an immer samstags von 9 bis 14 Uhr und montags von 9 bis 18 Uhr. Früher kamen an einem einzigen Tag bis zu 250 Personen aus größerem Umfeld, etwa Weilheim oder dem Landkreis Landsberg. Diese Zeiten sind vorbei, aber bis zu 30 Leute täglich könnten es werden, meint von Perger.

Es klingt ein wenig Stolz durch, wenn er sagt: „Wir machen wieder die Lohnverarbeitung – und wir sind die einzige Kelterei, die die Säfte in Flaschen füllt.“ Eine alte Packpresse gibt es noch im Gebäude, die er nutzen kann. Er produziert Säfte und verkauft sie sogar wieder unter dem Namen „Perger“. Die Renaissance der Saftmarke hat ihm Michael Smolka ermöglicht. Der Wirt des bekannten Gasthofs am Maisinger See hat die Marke, wie berichtet, vom Insolvenzverwalter gekauft und sie von Perger zur Verfügung gestellt.

Sie gehört in die Region, sagt Smolka. Von Perger schwärmt von einer „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“. Smolka helfe ihm, wo er kann. Weniger gut geklappt hat es mit anderen Partnern, nämlich der von jungen Unternehmern gegründeten Ammersee Getränke GmbH, die die alten Pachtverträge übernommen hat und so nun über ansehnliche Obstbauflächen verfügt. Man geht wieder getrennte Wege – mit der Folge, dass es nun ein Konkurrenzverhältnis der beiden Safthersteller gibt. Sein Obst kauft von Perger jetzt zu. Als seine Leidenschaft bezeichnet er allerdings nach wie vor den Obstanbau, dem er sich langfristig wieder mehr widmen zu können hofft („Ich stehe seit 30 Jahren für ökologischen Landbau“).

Über die negativen Entwicklungen der vergangenen Jahre will von Perger am liebsten nicht reden. „Man sieht, wer Freund ist und wer nicht“, kommentiert er lakonisch. Smolka sieht die Schuld für all die Probleme keineswegs bei ihm allein. „Wir sind kapitalmäßig gefallen“, folgert von Perger, „aber menschlich gewachsen.“

Etikett

Ein Wappen ergänzt den Markennamen Perger. Von einer dreidimensionalen zu einer zweidimensionalen Version umgearbeitet hat es Johannes von Perger selbst, der Erfahrungen als technischer Zeichner hat. Früher sei viel mehr auf den Etiketten gewesen, erinnert er sich, heute halte man es eher „minimalistisch“.

Die neuen Perger-Säfte werden derzeit in etwa 20 Läden und gastronomischen Betrieben, wie von Perger sagt – im Landkreis Starnberg und angrenzenden Regionen, auch im Münchner Süden. Längerfristig hofft er, es auf 40 bis 50 Geschäfte bringen zu können. Es scheint ein mühsames Geschäft zu sein, aber bei einigen Betrieben scheint er mit offenen Armen aufgenommen worden zu sein. Auch bei den Kunden ist er nicht vergessen. „Es ist phänomenal“, sagt er: „Man stellt die Ware in die Geschäfte, und sie fängt an zu laufen.“ Ein Laden habe sogar eine andere bekannte Saftmarke „ausgelistet“, „weil sich Perger besser verkauft“.

Der Verkauf des Perger-Hofs im Zuge des Insolvenzverfahrens könnte auch dessen Verfügbarkeit für den Betrieb in Frage stellen. Es scheint aber, wie von Perger andeutet, einen potenziellen Investor zu geben, der das Saftgeschäft weiter unterstützen will

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