An dieser Stelle wollte Bettina Simmerl (hier zusammen mit Hausmeister Stefan Scheifele) die Uferbepflanzung entfernen und entlang des Steges eine befestige Aufschüttung für Rollstuhlfahrer errichten. Foto: Stefan Schuhbauer-von jena

Wartaweil Herrsching

„Ein Faustschlag ins Gesicht aller Helfer“

Das Schullandheim Wartaweil wollte einen wenige Meter breiten Streifen des Ammerseeufers aufschütten, damit behinderte Menschen einen direkten Zugang zum See bekommen. Trotz vieler positiver Stimmen hat das Landratsamt Landsberg das Vorhaben nun abgelehnt. Die Empörung ist groß.

Es geht um 2,50 Meter Ammersee-Ufer. Länger soll das Stück nicht sein, das das Schullandheim Wartaweil gerne nutzen würde. 2,50 Meter Ufer, das bislang von Pflanzen – Anlieger sagen auch: Gestrüpp – zugewuchert ist. 2,50 Meter Ufer, an denen behinderte Menschen, die zum Beispiel an den Rollstuhl gefesselt sind, barrierefrei zum Wasser gelangen könnten, wenn diese Pflanzen (oder: dieses Gestrüpp) dort nicht wären.

Aber diese 2,50 Meter Ammersee-Ufer sind dem zuständigen Landratsamt in Landsberg so wichtig und schützenswert, dass es den Plan der Wartaweiler Bildungs- und Begegnungsstätte rundweg abgelehnt hat.

Bettina Simmerl, die Leiterin des Schullandheims, ist grenzenlos enttäuscht, Herrschings Bürgermeister Christian Schilling richtig wütend. „Diese Entscheidung ist ein Faustschlag ins Gesicht aller, die sich für Inklusion und Barrierefreiheit in Bayern einsetzen“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Die Geschichte beginnt vor etwa drei Jahren mit Gesprächen zwischen der Regierung von Oberbayern und dem Verein „Ammersee – Ostufer für Mensch und Natur e.V.“.

„Es ging um die Frage, was man tun kann, damit das Ostufer nicht weiter zuwächst und dafür das Kiesufer wieder mehr in den Vordergrund tritt“, berichtet die stellvertretende Vereinsvorsitzende Verena Reithmann. Eine mögliche Sofortmaßnahme: Entlang des bereits bestehenden Steges am Schullandheim werden auf maximal 2,50 Meter Breite die Pflanzen entfernt. Dafür wird der Bereich soweit aufgeschüttet und befestigt, dass die behinderten Menschen ihn nutzen und auch mit dem Rollstuhl direkt an und ins Wasser gelangen können. Bettina Simmerl und ihre Mitstreiter waren – natürlich – Feuer und Flamme. „Auf dem Steg sind unsere Kinder nur auf dem Wasser, so könnten sie direkt ans Wasser“, erklärt sie.

Nebenaspekt: An dieser Stelle hätte das Schullandheim auch einen perfekten Einstieg gehabt, von dem aus körper- oder mehrfachbehinderte Menschen in eigens konstruierte Segelboote gehievt werden können. Der alte Steg, von dem aus das bislang möglich war, ist durch Wind und Wellen zerstört.

Von der Unteren Naturschutzbehörde habe es grünes Licht gegeben, auch ein Gutachter hatte nichts zu beanstanden, berichtet Verena Reithmann vom Verein. Für das Schullandheim der Startschuss, einen offiziellen „Antrag auf wasserrechtliche Genehmigung“ beim Landratsamt in Landsberg einzureichen. Die Vorfreude erfuhr dort jedoch ein jähes Ende.

„Jeder Seeeinbau, auch ein befestiger Seezugang, trägt in der Summierung zur Belastung des ökologischen Gleichgewichts des Ammersees und seiner Uferlandschaft bei“, heißt es im Schreiben der Behörde, das dem Starnberger Merkur vorliegt. Unter anderem ist von „größtmöglicher Rücksichtnahme auf Natur und Landschaft“ die Rede. Das hätten die Verfechter des Plans vielleicht noch verstanden. Dass das Landratsamt in dem Vorhaben allerdings einen Präzedenzfall für den gesamten Ammersee sieht, ist nur schwer zu verdauen.

„Das Schullandheim Wartaweil, bzw. der Landesverband Bayern für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V., kann nicht das alleinige Recht für sich beanspruchen, am Ammersee zum Wohl der Allgemeinheit Inklusion zu betreiben“, schreibt die Berhörde wörtlich.

Die Resignation in Wartaweil ist seitdem groß. „Wenn man sieht, wie viel Freude die Kinder bei uns im Urlaub haben... Wir wollten doch keine Riesen-Baumaßnahme“, sagt Bettina Simmerl so, als ob alles nur ein großes Missverständnis sei. Während sie keine Kraft mehr hat, um in den Kampf gegen das Landratsamt zu ziehen, hat Verena Reithmann vom Verein Ostufer noch nicht ganz aufgegeben. „Ich kann die Sache so noch nicht stehen lassen“, sagt sie und kündigt weitere Gespräche mit Landsberg an.

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