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Die Zeltlager in Tutzing (Foto), Pöcking und Berg werden jetzt aufgelöst.

Ein Jahr Flüchtlingsstrom

Ein Jahr Asyl: Haben wir es geschafft?

Landkreis - Vor genau einem Jahr wurden die Grenzen für all die Flüchtlinge geöffnet, die in Ungarn unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden. Mehrere tausend kamen binnen kürzester Zeit in den Landkreis Starnberg. Anlass für eine Zwischenbilanz.

Noch Mitte des Jahres 2015 ahnten wohl nur die wenigsten, was da auf die Gemeinden und den Landkreis zukommen würde. Dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Tausende Flüchtlinge kamen binnen weniger Tage mit Zügen am Münchner Hauptbahnhof an. Sie brauchten ein Dach über dem Kopf, ein Bett, mussten verpflegt werden.

Das forderte auch von den Bewohnern des Landkreises Starnberg erhebliche Anstrengungen und viele Kompromisse. Zu Spitzenzeiten kamen bis zu 53 Flüchtlinge pro Woche in den Landkreis und mussten untergebracht werden. Die Zeltstädte in Berg, Tutzing und Pöcking wurden aus dem Boden gestampft, wenig später die Turnhalle des Gymnasiums in Gilching zur zentralen Erstaufnahmeeinrichtung umgenutzt.

So plötzlich, wie die Flüchtlingswelle im Landkreis aufbrandete, so schnell ebbte sie ab Februar auch wieder ab. Die umstrittenen Verträge mit der Türkei griffen, auf einmal kamen so gut wie keine neuen Flüchtlinge. Eine Atempause im Rennen um den Bau neuer Unterkünfte, die schnell zeigte, dass die eigentliche Arbeit gerade erst begonnen hatte. Denn nun gilt es, die Asylsuchenden im Landkreis zu integrieren, den anerkannten Flüchtlingen Arbeit und Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

"Jedes Jahr geht das sicherlich nicht"

„2015 war für uns ein Ausnahmejahr, wir haben mit den Unterbringungen zur Notaufnahme in Inning und Gilching etwa 2000 Asylbewerber bei uns im Landkreis aufgenommen. Das konnten wir mit Hilfe der Gemeinden und unserer engagierten Bevölkerung stemmen, jedes Jahr geht das aber sicherlich nicht. Deswegen sind wir auch froh, dass momentan keine weiteren Asylbewerber mehr zugewiesen werden und wir uns um die Folgeaufgaben kümmern können“, meint der stellvertretende Landrat Georg Scheitz rückblickend.

Er lobt noch einmal ausdrücklich die große Bereitschaft aller Gemeinden, den Landkreis bei der Suche nach geeigneten Grundstücken zu unterstützen. Problematisch ist für Scheitz, der derzeit Landrat Karl Roth vertritt, vor allem die lange Laufzeit des Asylverfahrens. Das ist auch eine der Ursachen für „problematische Fälle“ in den Asylunterkünften, die unter anderem die Nachtruhe und damit diejenigen stören, „die weiterkommen wollen und für die Arbeit oder den Schulbesuch auf Schlaf angewiesen sind. Deswegen finde ich es wichtig, dass wir fördern und fordern.“

Derartige Erfahrungen hat Manfred Walter, Bürgermeister von Gilching, gemacht. „Wir haben überhaupt keine Probleme“, sagt er. Das liege auch daran, dass die Zahl der Asylsuchenden in seiner Gemeinde sehr gering sei. „Wir haben weniger als 100 Flüchtlinge bei über 19 000 Einwohnern“, so Walter. Ihm sei klar, dass in Zukunft mehr Asylbewerber nach Gilching kommen: „Wir sind vorbereitet.“

"Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau"

Rückblickend zufrieden ist auch Dr. Brigitte Kössinger, die Bürgermeisterin von Gauting. „Wir haben das in den letzten Monaten gut hinbekommen: Keine Zelte, keine Turnhallen, dafür menschenwürdige Unterkünfte.“ Das größte Problem für die Zukunft – da stimmt Kössinger mit allen befragten Bürgermeistern und Scheitz überein – sei die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. „Wir sind finanziell nicht auf Rosen gebettet und der Verband Wohnen stößt personell an seine Grenzen“, sagt sie. Aber irgendwo müssten die anerkannten Flüchtlinge hin. „Da ist es gut, dass wir sie als so genannte Fehlbeleger in den Unterkünften des Landkreises lassen können“, sagt Kössinger und lobt die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt in Starnberg.

Die Bürgermeisterin der Kreisstadt, Eva John, sieht vor allem die Begleitung der anerkannten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt als „Dauerthema“. Die Stadt gehe mit gutem Beispiel voran: Bereits drei Flüchtlinge seien als Hausmeister oder am Betriebshof eingestellt worden. Zudem werde die Stadt verstärkt in den geförderten Wohnungsbau einsteigen.

Entscheidenden Anteil daran, dass der Landkreis im vergangenen Jahr die Aufgaben meistern konnte, haben die zahllosen Helferkreise in der Region. Rund 1500 Menschen seien hier regelmäßig und ehrenamtlich tätig, sagt Sabine Mach von der Koordinierungsstelle für ehrenamtliches Engagement (KoBE). In Tutzing gebe es beispielsweise fast zwei Helfer pro Asylsuchendem.

Besonders lobenswert sei, dass die Helfer über einen so langen Zeitraum bei der Stange bleiben und sich die Zusammenarbeit mit Landkreis und den Gemeinden „lösungsorientiert und konstruktiv“ gestalten würde, so Mach. Das erste Jahr nach dem großen Flüchtlingsansturm ist überstanden, die Arbeit allerdings, sie geht noch lange weiter.

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