Ausbildung

Viele freie Stellen, zu wenige Bewerber

Landkreis – Vor allem Bäcker, Maurer und Metzger werden von Betrieben im Landkreis Starnberg händeringend gesucht.

Da müssten die Schulabgänger eigentlich nur zugreifen: 174 freie Lehrstellen gibt es laut IHK vor dem Ausbildungsbeginn am morgigen Donnerstag, 1. September. So einfach ist es jedoch nicht. Die Attraktivität mancher Berufe hat in den Augen vieler junger Menschen gelitten, wie Experten feststellen. „Ein Job in der IT ist nicht so fordernd, wie einer auf der Baustelle, wo ich körperlich arbeiten muss“, erklärt Dirk Dieber die Sichtweise. Der Leiter der Starnberger Arbeitsagentur sieht ein weiteres Problem: „Es gibt einen Akademisierungswahn. Viele gehen auf Gedeih und Verderb aufs Gymnasium – ohne zu schauen, ob das Potenzial dafür vorhanden ist.“ 

Verzweifelte Suche: „Was soll ich mit einem machen, der nicht freiwillig kommt?“

Kreishandwerksmeister Anton Lidl

Viel sinnvoller sei oftmals ein mittlerer Bildungsabschluss mit anschließender Ausbildung. „Wenn man sich dann weiter entwickelt hat, kann man sich noch höher qualifizieren.“ Martin Eickelschulte, Vorsitzender im IHK-Regionalausschuss Starnberg, fordert: „In Schulen muss mehr für die Ausbildung geworben werden. Ein Studium ist nicht immer die beste Lösung.“ Und doch entscheiden sich viele junge Menschen für ein Studium. Darunter leiden handwerkliche Betriebe, wie Anton Lidl weiß. Der Kreishandwerksmeister sieht vor allem einen Mangel an Automechanikern, Bäckern, Köchen und Metzgern. „Da fehlt es gewaltig.“ 

Neben dem Bewerbermangel hat Lidl auch einen Qualitätsverlust bei den Interessierten bemerkt: „Die Guten träumen immer vom Büro.“ In seiner eigenen Bäckerei konnte Lidl heuer fünf Lehrlinge zur Prüfung schicken – gerne hätte er mehr. Bei der Anwerbung von Auszubildenden in die Werbeoffensive zu gehen, lehnt der Kreishandwerksmeister ab. „Was soll ich mit einem machen, der nicht freiwillig kommt?“ In manchen Betrieben gebe es etwa ein Auto, das dem Lehrling für drei Monate zur Verfügung gestellt werde. Zur Anwerbung hält Dieber von der Arbeitsagentur Sozialleistungen der Betriebe wie Fahrkostenzuschüsse für sinnvoll. Zudem helfe es, wenn die Unternehmen den Auszubildenden eine langfristige Perspektive aufzeigen könnten. 

Derzeit 32 Auszubildende aus Fluchtherkunftsländern: "Da ist Potenzial vorhanden"

Vor allem die Kommunikation mit den jungen Menschen hält Dieber für wichtig: „Ein Tag der Ausbildung ist eine gute Gelegenheit, den Schülern falsche Vorstellungen zu nehmen.“ Dass die Diskrepanz an offenen Stellen und Bewerbern durch Flüchtlinge geschlossen wird, hält Dieber langfristig für möglich. Derzeit gibt es im Landkreis 32 Auszubildende aus Fluchtherkunftsländern. „Da ist Potenzial vorhanden. Aber das wird sicher nicht so schnell gehen.“ In den kommenden drei Jahren würden Flüchtlinge das Problem nicht grundsätzlich lösen. Dieber: „Die wirtschaftliche Situation ist gut. Die Firmen brauchen weiter Azubis und müssen sehr stark suchen.“ In der Praxis sieht Kreishandwerksmeister Lidl zukünftig einen Wandel: „Wir werden 20 Prozent Vollausgebildete haben, die anderen sind sehr gut Angelernte.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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