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Katastrophenschutz

Hamsterkäufe: Für den Fall der Fälle

Landkreis Starnberg - Die Bundesregierung rät, sich wieder Vorräte im Keller anzulegen. Hat das im Landkreis überhaupt Sinn?

Morgen soll das Bundeskabinett das neue „Konzept zivile Verteidigung“ beschließen. Bereits vorab waren Details aus dem Papier bekannt geworden (wir berichteten). Einer der Kernpunkte dabei: Die Bürger sollen wieder Vorräte anlegen. Ist das nur Panikmache oder gibt es wirklich konkrete Gefahren, für die man sich wappnen sollte?

Bereits vor drei Jahren warnte der Gautinger Unternehmer Gerhard Spannbauer vor dem Zusammenbruch des Euro und den damit verbundenen Folgen (wir berichteten). Für den Fall der Fälle betreibt er einen Internet-Versandhandel, in dem man sich von Panzerkeksen bis zur Outdoorwäscheleine mit allem eindecken kann, was man für ein Überleben nach der Apokalypse brauchen kann. Nun: Den Euro gibt es immer noch, die Geschäfte sind voll. Aber die von Spannbauer offerierten Überlebensrationen sind ja nahezu unbegrenzt haltbar...

Besser man hat, als man hätte

Aber mal ganz im Ernst: Müssen wir uns wirklich den Keller mit Wasser und Nahrungsmittel vollstapeln? „Das kann man nicht so leicht abtun“, sagt Kreisbrandrat Markus Reichart. Früher sei man von kriegerischen Handlungen ausgegangen, als man ermahnte, immer eine eiserne Reserve bereit zu haben. Das sei heute natürlich nicht unbedingt der Fall. „Aber angesichts der Schadenslagen der vergangenen Jahre muss man sich schon fragen, ob eine maßvolle Bevorratung nicht sinnvoll ist“, sagt Reichart und spricht aus Erfahrung. Erst wenige Wochen ist es her, da war er selbst im niederbayrischen Simbach im Einsatz. Dort hatten sintflutartige Regenfälle dafür gesorgt, dass sich eine Schlammlawine durch den gesamten Ort wälzte. Daraufhin kam die Wasserversorgung zum Erliegen. Natürlich stand das THW aus Starnberg bereit und brachte eine mobile Wasseraufbereitungsanlage nach Simbach. „Aber das braucht seine Zeit“, so Reichart. Die Anlage müsse vor Ort gebracht und aufgebaut werden, dann desinfiziert und das Wasser untersucht werden. Da sei gut beraten, wer ein paar Flaschen Trinkwasser zu Hause auf Vorrat liegen habe. Ein weiteres Beispiel: 2005 gab es einen Stromausfall in Nordrhein-Westfalen, der bis zu fünf Tagen dauerte – Schuld war Schnee.

Nicht hamstern, sondern bedacht einkaufen

„Da wird es dann schwierig, wenn man keine Vorräte hat“, so Reichart. Denn die Supermärkte sind dicht, irgendwann sind die Hochbehälter der Wasserversorgung leer, an den Tankstellen gibt es kein Benzin. „Ich habe auch einen kleinen Vorrat zu Hause. Nicht für die zehn Tage, die jetzt im neuen Bundeskonzept stehen, aber für ein oder zwei Tage“, so Reichart.

Er rät davon ab, jetzt sofort mit Hamsterkäufen die Supermärkte zu plündern. Aber immer mal wieder beim Einkaufen etwas für die eiserne Reserve kaufen, das sei keine schlechte Idee. Mal ein paar Flaschen Wasser, ein andermal ein paar Konserven. Zudem kann man ja einfach mal nachschauen, ob genug Brennholz und Öl für die Petroleumlampe im Haus sind, würden auch nicht schaden. Für den Fall der Fälle, der hoffentlich nicht eintritt.

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