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Kommandantentag

Unsere Feuerwehren sind am Anschlag

Landkreis – Die Anzahl der Feuerwehreinsätze im Jahr 2015 ist drastisch angestiegen. Orkan Niklas war nur ein Grund dafür – die Flüchtlingskrise ein anderer. Deswegen reagieren die Ehrenamtlichen scharf, wenn man ihnen noch mehr Arbeit aufdrücken will.

Geht es um die Belastung von Ehrenamtlichen, von Freiwilligen also, versteht Markus Reichart keinen Spaß. Der Versuch einer Polizeiinspektion im Landkreis, die Feuerwehr allein für die Absicherung von Veranstaltungen heranzuziehen, verbucht der Kreisbrandrat unter „Vorschriften, die die Welt nicht braucht“. Bei der Kommandantentagung am Freitag in Frieding machte er unmissverständlich klar, dass sich das die rund 1800 aktiven Feuerwehrler nicht werden bieten lassen. Sie haben sowieso schon genug zu tun: 2015 stiegen die Einsatzzahlen um über 50 Prozent an.

Der Versuch der einen Dienststelle, die Reichart nicht namentlich nannte, lehnen die Feuerwehren ab, und auch das Landratsamt spielt nicht mit. „Die werden bezahlt dafür“, betonte Reichart in Bezug auf die Polizei, die Verkehrsregelung bei Veranstaltungen zu übernehmen habe. „Die Feuerwehr hilft, ganz klar“, aber nur, wenn es nötig ist. Bei allen anderen Bestrebungen „werden wir uns auf die Hinterfüße stellen“.

Viel zu tun für die Feuerwehr: 14 Einsätze pro Tag

Auch in einem anderen Bereich, der die Wehren 2015 viel Zeit kostete, war bei den Ehrenamtlichen irgendwann die Grenze des Machbaren erreicht. Durch die Flüchtlingswelle musste der Kreis mehrfach einen Notfallplan für die Unterbringung von Asylbewerbern auslösen, und die Wehren und Rettungsdienste mussten für die Umsetzung sorgen. Dass die Ehrenamtlichen halfen, war selbstverständlich, doch „auf Dauer wäre das nicht gegangen“, sagte Reichart. 114 Einsätze beim Aufbau der Unterkünfte stehen zu Buche, darunter aber auch 31 First Responder, also medizinische Notfälle. Nach dem Aufbau des Zeltlagers in Pöcking wurde die Beteiligung der Feuerwehren reduziert, denn: „Private Firmen können da eingebunden werden, und das sollten sie auch werden.“

Die „normale“ Arbeit für die Feuerwehren im Kreis nahm 2015 auch ohne diese Faktoren bisher nicht gekannte Ausmaße an. Insgesamt 5056 Einsätze gab es, etwa 1800 mehr als 2014. Rechnerisch gab es im Landkreis damit 14 Einsätze pro Tag. Die 1800 Aktiven leisteten rund 36 500 Einsatzstunden, weitere 54 938 Stunden waren Aus- und Fortbildungen. Würde man jede Stunde, die ein Ehrenamtlicher leistet, mit 20 Euro ansetzen, ergäbe dies 1,83 Millionen Euro.

"Wie sollten wir es sonst schaffen, wenn wir nicht zusammenhalten?"

Angesichts dieser Zahlen wurde Landrat Karl Roth etwas still. „Wie sollten wir es sonst schaffen, wenn wir nicht zusammenhalten?“, fragte er und dankte allen ausdrücklich. In der Flüchtlingsfrage wollte er keine Entwarnung geben: „Keiner weiß, wie esweitergeht.“ Dann zückte er den Ausdruck einer E-Mail, die er am 27. Mai erhalten hat. Jenem Tag, an dem die Feuerwehr einen Regionalzug nach einem Bahnunfall bei Niederpöcking räumen musste. Die E-Mail stammte von einem Reisenden aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der sich im Zug befunden hatte und der für den professionellen Einsatz der Ehrenamtlichen dankte, die Einsatzkräfte lobte und sie als „unverzichtbar für die Gesellschaft“ bezeichnete. Roth las sie nur zu gerne vor, denn: Können und Einsatz der Ehrenamtlichen trügen auch zum Image des Kreises bei.

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