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Ein fast unbezahlbarer Blick: Günstig wohnen wird im Fünfseenland immer schwieriger.

Hier werden Wahnsinnssummen angelegt

Das Immobilien-Milliarden-Spiel im Landkreis Starnberg

Landkreis Starnberg - Der Gutachterausschuss des Landratsamtes hat gestern seinen Jahresbericht 2015 vorgestellt. Erstmals seit Erhebung der Daten wurden im Landkreis Immobilien für knapp eine Milliarde Euro ver- und gekauft. Tendenz: weiter steigend.

Auf die Frage, wo das noch hinführen soll, hat auch ein so erfahrener Immobilienexperte wie Dieter Sinning keine befriedigende Antwort parat. „Ich dachte schon vor einigen Jahren, das Ende der Fahnenstange sei erreicht“, sagt der Kreisbaurat und Vorsitzende des Gutachterausschusses, der sämtliche Immobilienverträge in den Bericht aufnimmt. „Aber in zwei Jahren werden wir uns wieder wundern.“

Dann wird der nächste Immobilienmarktbericht erscheinen – und dann dürften die ohnehin schon hohen Preise für Grundstücke, Häuser und Wohnungen noch weiter angestiegen sein. „Es ist einfach zu wenig auf dem Markt, um den Bedarf zu decken“, sagt Sinning – und meint dabei nicht bloß die absoluten Traumvillen und -grundstücke mit direktem Seezugang. Denn in den vergangenen beiden Jahren sind auch nur noch 627 Eigentumswohnungen verkauft worden, 21 weniger als in den zwei Jahren davor. Folge eins dieser Entwicklung: „Die Preise gehen in allen Bereichen nach oben.“ Folge zwei: „Für junge Familien ist das nicht mehr zu finanzieren.“ Hier sind spannende Fakten aus dem Immobilienmarktbericht:

Der Umsatz: Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis 1513 Grundstücke, Häuser und Wohnungen für zusammen 925,7 Millionen Euro verkauft. Das ist so viel Geld wie noch nie in einem Jahr seit Beginn der Auswertung 1999. Die Zahl der Immobilienverträge ist damit im Vergleich zum Vorjahr um nur 7,1 Prozent, der Umsatz aber um 20 Prozent gestiegen.

125 Luxusvillen für Mindestens 1,1 Millionen Euro

Die Haustypen: Der zügellose Preisanstieg führt zu einer Verschiebung der Grenzen in allen Bereichen. Jede Kategorie ist heute 100 000 bis 200 000 Euro teurer als in den Vorjahren. Nur ein Beispiel: Bei den Doppelhaushälften wurde in den Jahren 2010/11 die Millionengrenze nur zweimal überschritten, in den Jahren 2014/15 aber bereits in 40 Fällen.

Die Millionen-Objekte: Die Zahl der verkauften freistehenden Einfamilienhäuser ist in den Jahren 2014/15 zwar insgesamt um 23 auf 386 gesunken. Gleichzeitig wurden aber 152 Luxusvillen für mindestens 1,1 Millionen Euro verkauft – 45 Edel-Domizile mehr als zuvor. „Es gibt viele Leute, die noch immer hier ihren Koffer voll Geld ausgeben wollen“, sagt Kreisbaurat Sinning.

Die Käufer: Ein Exot im wörtlichen Sinn ist der Kronprinz von Thailand, der für geschätzte zehn Millionen Euro die alte Villa Stolberg in Tutzing gekauft hat. Er ist aber auch ein Exot, was die Käufer generell anbelangt. Denn in gerade mal zwei Prozent aller beurkundeten Verträge kam der Käufer aus dem Ausland. Mehr als die Hälfte wohnte dagegen auch schon vorher im Landkreis.

Ein Haus in Tutzing: Durchschnittlich 1,8 Millionen Euro

So teuer sind Einfamilienhäuser: Der Durchschnittspreis (unabhängig von Baujahr und Größe) betrug in Andechs 595 000 Euro, in Berg 1,675 Millionen Euro, in Feldafing 1,78 Millionen Euro, in Gauting 1,08 Millionen Euro, in Gilching 710 000 Euro, in Herrsching 1,12 Millionen Euro, in Inning 1,36 Millionen Euro, in Krailling 1,18 Millionen Euro, in Pöcking 1,5 Millionen Euro, in Seefeld 1,08 Millionen Euro, in Starnberg 1,38 Millionen Euro, in Tutzing den Rekordwert von 1,8 Millionen Euro, in Weßling 690 000 Euro und in Wörthsee 1,03 Millionen Euro.

Das kosten Doppelhaushälften: In den unteren Preisklassen bis 600 000 Euro hat sich die Zahl der abgeschlossenen Kaufverträge fast halbiert. Die im Schnitt teuersten Doppelhaushälften wechselten in Starnberg (950 000 Euro), Feldafing (860 000 Euro) und Gauting (800 000 Euro) den Besitzer. Es folgten Herrsching (765 000 Euro), Berg und Pöcking (jeweils 740 000 Euro).

Eigentumswohnungen: Bis zu 9600 Euro pro Quadratmeter

Das sind die Preise für Wohnungen: Die meisten Appartements wurden wie schon in den Vorjahren in Starnberg, Herrsching und Gilching verkauft. Bei den Neubauten reichte die Preisspanne von 3600 Euro pro Quadratmeter in Gilching bis 9600 Euro pro Quadratmeter in Berg für die Traumwohnung mit mehr als 130 Quadratmeter Wohnfläche.

So teuer sind Grundstücke: Die Bodenrichtwerte werden alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Immobilienmarktbericht erhoben, werden also erst nächstes Jahr neu berechnet. Dennoch gibt es auch jetzt aktuelle Werte. Demnach wurden in Starnberg für 16 unbebaute Grundstücke insgesamt 8 Millionen Euro bezahlt (also im Schnitt 500 000 Euro pro Grundstück), in Gauting für 13 Grundstücke 6,69 Millionen Euro.

Die Prognose: Die Preise werden weiter steigen. Auch weil es zu wenig Bauland gibt. Hoffnung macht Sinning keine: „So viel Bauland kann keine Kommune auf den Markt werfen, um die Preise zu beeinflussen.“ Überhaupt seien die meisten Gemeinden am Anschlag. Lediglich in Gilching sieht er noch größeres Entwicklungspotenzial.

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