Prüfende Blicke auf die Trophäen bei der Pflichthegeschau: Markus Ortner von der Jägerschaft, Holger Albertzarth (Untere Jagdbehörde), Hartwig Görtler als Vorsitzender der Jägerschaft und Vize-Landrat Georg Scheitz (v.l.). Foto: Andrea Jaksch

Mehr gerissene Rehe, mehr erlegte Schweine

Jeden dritten Tag wird ein Reh im Landkreis von einem Hund gerissen, fast jeden Tag eines überfahren – für die Jäger ist das ein zunehmendes Problem. Wildschweine sind es derweil weniger, da die Jäger auf der Hut sind: Pro Tag wurden voriges Jahr im Schnitt zwei erlegt.

Von Hunden gerissenes Wild, Verbissgutachten, Wildschweine, Tierschutz und Trophäen, die am Samstag die Wände der Gaststätte Geisenbrunn schmückten – das waren die Themen der Pflichthegeschau. Dicht aneinandergedrängt säumten die Geweihe aller geschossenen männlichen Tiere die Wände. Es sind aber keine Trophäen im sprichwörtlichen Sinn: „An den Geweihen kann man die Gesundheit und das Alter ablesen“, verdeutlichte Hartwig Görtler. Heute beschäftigte den Vorsitzenden der Kreisgruppe im Bayerischen Jagdverband Starnberg allerdings ein ganz anderes Thema: das gerissene Wild – 117 Tiere an der Zahl. Hinzu kommt noch eine Dunkelziffer, die vermutlich hoch ist, da längst nicht alle gerissenen Rehe gefunden oder gemeldet werden. „Sie sind qualvoll verendet“, fügte er hinzu. Geöffnete Augen des getöteten Wilds deuten an, dass es vor seinem Tod Angst und Schmerzen durchmachen musste. Außerdem könne man davon ausgehen, dass unter den 343 „Verkehrstoten“ des Wildbestandes einige auf der Flucht in den Verkehr getrieben wurden.

„Das Problem sind unangeleinte Hunde.“ Ein Hund ist, so Görtler, ein Raubtier und wird vom Wild auch als solches wahrgenommen. Mehr als einmal habe er Tierbesitzer darauf angesprochen, berichtete Görtler – und mehr als einmal reagierte die Angesprochenen aggressiv. „Das sind nur wenige Hundebesitzer“, betonte er und appellierte, die „schwarzen Schafe“ auf das Problem aufmerksam zu machen. Eine von den Gemeinden auferlegter Leinenzwang, wobei Verstöße geahndet werden, wäre außerdem hilfreich, schlug er vor. Auf das Konto eines angeblichen Wolfs – es ist vermutlich ein verwilderter Husky, der sich momentan in Machtlfing herumtreibt – gehen allein acht gerissene Tiere.

30 Prozent mehr Wildschweine erlegt

Traditionell verlas der Vorsitzende die geschossenen Tiere: 745 Füchse, 88 Gänse oder 729 Wildschweine – knapp 200 oder 30 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Allerdings sage die Zahl alleine nichts aus, denn die Population des sich schnell vermehrenden Schwarzwildes lasse sich nicht zählen. Daher wären die Schäden ein wichtiger Vergleichswert. „Die werden aber nicht alle gemeldet.“ Die Zahl zeige aber, dass die Jäger im Landkreis mit der noch neuen Wildart gut zurecht kommen und die Population im Griff hätten.

Beim Wild hat man die Verbisszahlen als Vergleichswert, also die abgebissenen Knospen, Blätter oder Zweige. Diese trug Forstdirektor Markus Schmorell vor. Lange schon arbeiten die Jäger mit Landwirten, Förstern, Kommunen und dem Landratsamt zusammen und bestimmen aufgrund verschiedener Indikatoren unter anderem die Abschussquoten. In guter Zusammenarbeit, lobten Gilchings Vizebürgermeister Martin Fink und Vizelandrat Georg Scheitz.

Eine Bitte hatte Hartwig Görtler noch an die Jäger: Sie sollten den Trichinen-Gehalt des Fleisches im Landratsamt messen zu lassen – höheres Aufkommen wirkt sich auf die Kosten pro Probe aus. „Das könnte die Kosten sogar halbieren.“ Und der Appell an die Bevölkerung: „Mit dem Mountainbike oder Pferden jetzt durch die hohen Wiesen zu fahren oder zu reiten, gefährdet das Niederwild.“ Der Jäger sieht sich eben als Anwalt der Tiere – und hat den Tierschutz im Blick, auch wenn das vielleicht für manche nicht auf den ersten Moment ersichtlich ist.

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