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Nach dem Stich ist vor dem Stich: Experten empfehlen, der Mücke den Spaß am Saugen von vornherein zu verderben. Viele Schutzmaßnahmen sind allerdings Mythen, etwa die Wirkung von Citronella-Kerzen halten Biologen für mäßig. Apothekerin Christine Reichert (großes Foto) schwört auf ein Rezept aus dem Jahr 1583 – ohne Chemie.

Mückenplage

Viele Mythen, aber Natur tut immer gut

Landkreis Starnberg - Erst Regen, viele Pfützen, dann Wärme – die Mixtur spricht für eine neue Welle der Mückenplage in diesem Jahr vor allem am Starnberger See. Doch wie kann man sich der stechenden Plagegeister erwehren?

Ein unangenehm hoher Summton lässt bereits Ungutes erahnen. Mal geht dann der Kampf länger, mal erwischt es das wehrlose Opfer im Schlaf. Das Resultat ist meist das Gleiche: Die Mücke sticht zu. Dann geht es los: Was tun gegen den Juckreiz? Was hilft gegen die Schwellung? Die Arbeit geht aber schon bei der Vermeidung der Stiche los. Biergärten setzen auf Lavendel und Zitronenteelichter auf den Tischen (wir berichteten). Das funktioniert natürlich auch im heimischen Garten.

Für diesen hat Biologe Dr. Andreas Rose mit seiner Regensburger Firma biogents eine Mückenfalle entwickelt. Die finde auch Abnehmer am Starnberger See, wo nach Experten-Meinung heuer noch mehr Mücken zu erwarten sind. Vor einer Woche waren es viele, der Regen machte dem ein Ende – nun werden es aber wieder mehr. Die Idee der Mückenfalle: Ein Eimer mit Duftstoffen, die dem menschlichen Geruch ähnlich sind, soll die unliebsamen Stechmücken anlocken. „Um den Einsaugtrichter herum gibt es dann einen leichten Luftzug“, erklärt Rose.

So landen die Mücken im Eimer „und die Population wird innerhalb von ein paar Tagen auf ein erträgliches Maß gedrückt“. Mit seiner Firma prüft Rose auch die Wirksamkeit von Mückenschutzmitteln. Aus Erfahrung sagt er daher: „Citronella-Kerzen funktionieren leider nicht gut. Es hat seinen Grund, warum sie im Geschäft nicht mehr Mückenschreck heißen.“ Als wohl günstigste, weil obendrein energiesparende Methode, machen viele Menschen abends das Licht aus, um ja keine Stechmücken anzulocken. 

Licht lockt keine Mücke an

Unnötig, findet Biologe Rose. „Es ist nicht so, dass Stechmücken von Licht ganz besonders angelockt werden – sondern nur ihnen ähnliche Insekten. Daher funktionieren auch keine Lichterfallen.“ Für sehr wirksam hält Rose hingegen Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden. In Apotheken werden besonders häufig Autan oder Anti Brumm nachgefragt. „Die bilden aber keine Duftglocke“, mahnt er, „es muss also flächendeckend auf die Haut aufgetragen werden.“ Versuche hätten dabei ergeben, dass die Mücken auf der Haut landen und wieder wegfliegen – ohne zu stechen.

 „Es muss aber keine Chemie sein“, betont Christine Reichert. Sie leitet die St. Michaels Apotheke in Seeshaupt. Dort setzt sie auf ein Rosengeranien-Spray. „Ein Rezept von 1583“, erklärt Reichert, „es riecht unglaublich gut und funktioniert.“ Mittlerweile seien die Menschen auf der Suche nach Mückenschutz „sehr angetan von natürlichen Mitteln“. Doch von der klassischen Zwiebel, die sich manche Mückengeplagte nach einem Stich auf die Haut reiben, rät Reichert ab. „Das bringt gar nichts, das sollte man lassen.“ Zumindest erfüllt es einen Zweck, erläutert Biologe Rose: Kühlen. „Aber auf die Färbung oder Größe des Stichs hat es wissenschaftlich keinen Effekt.“ 

Ähnlichen Erfolg würden auch Blätter einer Spitzwegerich-Pflanze versprechen, die man zerkaut und auf die Haut legt. „Ich bin mir nicht sicher, ob das den Reiz auf Dauer abstellt“, sagt Rose. Zur Nachbehandlung findet Edeltraud Priller von der Starnberger See-Apotheke „alte Hausmittel nicht schlecht. Sie kühlen und desinfizieren.“ Wenn sich der Stich entzündet hat und auch Gele nicht mehr helfen, müsse man sowieso zum Arzt. 

Unter den Hausmitteln favorisiert Priller einen Alkoholumschlag. „Aber dazu braucht man Erfahrung, man sollte es nicht übertreiben – es trocknet die Haut aus.“ Auch hier gilt das Prinzip: Kühlen und Desinfizieren. Dazu eigne sich eine Alkoholverdünnung aus der Apotheke. Zum Fernhalten der Mücken „sind ätherische Öle gut, aber sie verflüchtigen sich schnell“. Welches Mittel geeignet ist, komme auf den Zweck an: „Für kurzen Schutz sind ätherische Öle gut, beim Sport werden natürliche Mittel nicht reichen.“ Und sollte man trotz aller Vorsorge doch von Mücken gestochen werden, hat Biologe Rose Aufmunterung parat: „Mit der Zeit gewöhnt man sich an die Stiche, ähnlich wie ein Imker.“

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