Nach Füller-Skandal im Bundestag

Womit unterschreiben unsere Politiker?

Landkreis – Nach dem Füller-Skandal im Bundestag fragen wir: Womit unterschreiben unsere Politiker in den Rathäusern und Abgeordnetenbüros der Region? 

Im Bundestag herrscht derzeit dicke Luft. Hintergrund: Einige Abgeordnete gönnten sich und ihren Mitarbeitern teure Luxus-Schreibgeräte auf Staatskosten. 500 Euro für einen Federhalter, finanziert vom Steuerzahler – der Ärger war absehbar. Doch wie halten es die Amts- und Mandatsträger aus dem Landkreis Starnberg? Womit unterschreiben sie? Der Merkur fragte nach.

Die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig schwört auf einen Füllfederhalter. Und ist da durchaus sehr anspruchsvoll. „Ich schreibe immer noch mit dem selben Modell wie damals in der Schule“, sagt sie und lacht. Seit Jahrzehnten geht sie nicht ohne ihren Lamy aus dem Haus. Groß war die Freude, als vor Jahren dann doch ein Ersatz hermusste und der Füller immer noch hergestellt wurde. Bezahlt hat sie ihn aus eigener Tasche. Und wenn man schon auf das Schulgefühl schwört: „Blaue Tintenpatronen sind Pflicht“, witzelt Eiling-Hütig.

Im Gilchinger Rathaus setzt der Bürgermeister auf Gel-Tintenroller

Eher pragmatisch geht da ihr Parteifreund, der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan, an die Sache heran. Er hat auch mal einen Füller geschenkt bekommen, den er sehr schätzt. Im Alltag sei ihm das aber dann doch zu umständlich, sagt Radwan. Da greife er sich den Stift, der gerade in der Nähe liege. Nur bei Grußkarten sucht er schon nach einem Tintenroller, damit es schöner aussieht. „Aber mehr als drei Euro hat keiner der Stifte gekostet“, sagt er.

Sein Bundestagskollege Klaus Barthel (SPD) gab sich derweil reichlich zugeknöpft. Er ließ durch sein Büro mitteilen, er habe sich die Unterlagen zum Füllerskandal kommen lassen, werde aber keine Stellungnahme dazu abgeben. Warum auch immer.

Im Gegensatz zum Mobiliar geht es in Sachen Stifte im Rathaus Gilching ausgesprochen bodenständig zu. Bürgermeister Manfred Walter meinte mit leichtem Schulterzucken, er unterschreibe mit denselben Stiften wie alle seine Mitarbeiter: „Wir bestellen en gros Gel-Tintenroller. Die erfüllen ihre Aufgabe trotz geringer Kosten hervorragend“, meinte er auf Anfrage des Starnberger Merkur.

Bürgermeisterin John hält ihren Füllfederhalter in Ehren

Hoffentlich bekommt er wenigstens einen grünen Roller. Denn, wie Starnbergs Bürgermeisterin Eva John erklärt, muss – streng nach Vorschrift – jeder Bürgermeister eigentlich mit grün unterschreiben. Das sei – wie nahezu alles in Deutschland – eigentlich genau geregelt. Die Abteilungsleiter unterzeichnen demnach mit einem roten Stift, der Behördenchef – im konkreten Beispiel also der Bürgermeister – setzt anschließend in grün seinen Namen drunter. Warum, das wissen wohl nur die Bürokraten. Und deswegen hält sich heute auch kaum noch jemand dran. Auch nicht Eva John: „In der Regel greife ich mir den Stift, der gerade herumliegt. Meistens ist das ein Kugelschreiber, den man irgenwo anders eingesteckt hat“, bekennt sie.

Nur bei für sie und die Stadt Starnberg wirklich wichtigen Papieren greift sie zum Füllfederhalter. „Den haben mir meine Kollegen zum Abschied geschenkt, als ich das Landratsamt verlassen habe“, berichtet die ehemalige Kreiskämmerin. Das Stück halte sie in Ehren und benutze es nur selten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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