Endzeitstimmung in Kempfenhausen: Um 11.02 Uhr gestern Vormittag verkündete die Schön Klinik ihre sofortige Schließung. Foto: Stefan schuhbauer-von Jena

Überraschende Wende

Schön-Klinik ist ab sofort geschlossen

Kempfenhausen - Zum Schluss ging’s Knall auf Fall: Die Schön Klinik in Kempfenhausen hat bereits gestern für immer geschlossen. Das abrupte Ende sorgt für massives Erstaunen. 30 Mitarbeiter haben bereits Aufhebungsverträge unterschrieben. An dem Gelände sollen Chinesen interessiert sein.

Die Fahnen sind schon weg, ein Teil der Mitarbeiter auch – Endzeitstimmung in der Münchner Straße 23-29 in Berg. Gestern Vormittag um 11.02 Uhr verkündete die Klinik ihr vorzeitiges Aus mit sofortiger Wirkung. „Wir können einen ordentlichen Betrieb mit Schicht-, Nacht- und Notdienst nicht mehr aufrechterhalten“, erklärte Sprecher Alexander Mohanty gegenüber der Starnberger Merkur. Die Patienten seien, wenn möglich, entlassen oder in umliegende Kliniken überwiesen worden. Ursprünglich war von einer Schließung zum Jahresende die Rede gewesen.

Von den zuletzt gut 200 Mitarbeitern hätten etwa 30 bereits Aufhebungsverträge unterschrieben, sagte Mohanty. Darüber hinaus habe die Hälfte der Belegschaft die Möglichkeit in Anspruch genommen, sich für Vorstellungsgespräche ohne Nachweis freistellen zu lassen. Zudem soll der Krankenstand seit Bekanntwerden der Schließung Mitte Oktober deutlich angestiegen sein.

Experten vermuten finanzielle und nicht personelle Gründe

Dass die Schließung nur mit der Personalsituation zusammenhängen soll, wird in der Branche jedoch mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen. „Ich vermute eher finanzielle Gründe“, sagt ein Chefarzt.

Finanzielle Gründe sind es auch, die generell zur Schließung führen. Trotz Investitionen von 50 Millionen Euro innerhalb von 15 Jahren sei es nicht gelungen, die Klinik auf Erfolgskurs zu bringen, hieß es im Oktober. „Wir mussten am Ende anerkennen, dass die immer enger werdenden Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb mit unserem Anspruch nicht zu vereinbaren waren“, hatte der Geschäftsführende Direktor der Klinikgruppe, Dieter Schön, seinerzeit gesagt (wir berichteten).

Die Klinik in Kempfenhausen hatte zuletzt 70 Betten. Wie viele davon dem Landkreis erhalten bleiben, ist offen – zumal das Fünfseenland über die zweithöchste Versorgungsdichte im ganzen Bundesgebiet verfügt. „Der Landkreis kann auf Betten verzichten, aber sicher nicht auf alle“, sagt der Ärztliche Direktor des Klinikums Starnberg, Professor Arnold Trupka.

Klinikum Starnberg will Bettenzahl erhöhen

Das Klinikum verhandelt bereits mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium, seine Bettenzahl von derzeit 300 zu erhöhen. Vor allem in den Bereichen Kardiologie, Onkologie und Gastroenterologie rechnet Trupka mit zusätzlichen Patienten. „Wir sind zwar relativ voll, aber dennoch darauf vorbereitet“, sagt er. Dem Klinikum komme dabei natürlich auch die Übernahme der Chirurgischen Klinik Seefeld Mitte nächsten Jahres zugute.

Vom plötzlichen Ende in Kempfenhausen wurde Trupka gestern übrigens kalt erwischt. Auch die Rettungsdienste wurden erst gestern informiert. „Das hat sich in den letzten Tagen so ergeben“, entschuldigt Schön-Sprecher Mohanty. „Die Schön Klinik ist immer für Überraschungen gut“, lautete der Kommentar von Bergs Bürgermeister Rupert Monn. Ein Schön-Manager hatte ihm noch am Donnerstag vor einer Woche versichert, dass der Betrieb bis 16. Dezember laufe. „Schlicht ein Widerspruch“, stellt Monn fest.

Chinesen interessieren sich für das Grundstück

Unklar ist nach wie vor, was mit dem Filetstück am See passieren wird. Auch bei Monn laufen Anfragen ein. Meist von Maklern, einer habe im Auftrag chinesischer Interessenten angerufen. Außer Wohnen oder Klinik kann sich Monn nicht viel dort vorstellen: „Wir werden als Gemeinde ein Auge darauf haben, welche Nachfolgenutzung geplant ist und bei Bedarf mit einer Bauleitplanung reagieren.“ Sprich: erst mal alle Planungen einfrieren.

Begehrlichkeiten wecken natürlich auch Teile der medizinischen Ausstattung. Im Gespräch ist offenbar, dass das Herzkatheterlabor samt Personal von der Schön Klinik ans Westufer des Starnberger Sees, ins Benedictus-Krankenhaus nach Tutzing, wechselt. „Es gibt Überlegungen im Bereich der Kardiologie, aber Details sind noch nicht spruchreif“, bestätigte die Benedictus-Pressereferentin Leonie Ottmer.

In Kempfenhausen geht es derweil darum, die Klinik abzuwickeln. Die Schlussinventur muss gemacht werden, ebenso die Archivierung. Bis Anfang 2017 werden lediglich die ambulanten Patienten der Radiologie Starnberger See (Professor Bernhard Mayr) und der Praxis Dr. Max Hubmann noch in der Klinik behandelt. Allen anderen weist seit gestern ein Transparent den Weg: „Der Klinikbetrieb ist eingestellt. Im Notfall wählen Sie bitte die 112.“

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