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Gerhard Schmidt von den 60er Löwen Gilching.
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Andreas Kapeller von den Guichinger Löwen.
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Wolfgang Karl vom Löwen-Fanclub Pöcking.

Chaos bei den Münchner Löwen

„Der Fisch stinkt immer vom Kopf“

Landkreis - Was sagen die Vertreter von Fanclubs im Landkreis Starnberg zur derzeitigen Situation des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München? Wir haben uns an der Basis umgehört.

Als Löwenfan muss man leidensfähig sein. Seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, stellen die Fußballer des TSV 1860 München ihre Anhänger auf eine harte Probe. Nicht nur die miserable sportliche Situation, sondern vor allem die immerwährende Planlosigkeit in der Führungsetage der Sechziger stürzt die treuen Fans ins Tal der Tränen.

Den Höhepunkt erreichte das Chaos an der Grünwalder Straße in den vergangenen Tagen, als Trainer Kosta Runjaic entlassen und Geschäftsführer und Sportdirektor Thomas Eichin entmachtet wurde, Investor Hasan Ismaik einen Presseboykott und ein Hausverbot für Journalisten verhängte sowie die Verwaltungsräte Karl-Christian Bay und Christian Waggershauser zurückgetreten sind.

Wir wollten wissen, wie die Basis das ganze Wirrwarr sieht und haben uns bei Fanclubs im Landkreis umgehört:

Andreas Kapeller (Guichinger Löwen)

„Wir sind zwar leidensfähig, aber das macht einfach keinen Spaß mehr“, sagt Andreas Kapeller, Vorsitzender der „Guichinger Löwen“. Seit dem Abstieg in die 2. Bundesliga vor zwölf Jahren „sind wir doch nur noch Mittelmaß in der zweiten Liga, und in den letzten Jahren ging es immer gegen den Abstieg“. Das hinterlasse auch Spuren bei der Anhängerschaft. „Wir gehen nicht mehr so oft ins Stadion, vielleicht zwei- bis dreimal im Jahr. Ansonsten treffen wir uns im Sportheim und schauen uns die Spiele am Fernseher an“, sagt Kapeller. Früher hätten fast alle Mitglieder eine Jahreskarte gehabt. Zum Presse-Boykott sagt der 44-Jährige: „Das ist schlimmer als Kindergarten. Das geht überhaupt nicht.“ Als Hauptproblem sieht er die mangelnde Konstanz im Verein: „Da reden viel zu viele mit, die keine Ahnung vom Fußball haben. In den letzten zwölf Jahren haben wir 18 Trainer gehabt, das sagt doch alles.“ Schlimmer als die brenzlige Tabellensituation der Mannschaft (derzeit Rang 14, nur ein Punkt vom Abstiegsplatz entfernt) empfindet er, „dass das Team nicht kämpft. Ich habe vor der Saison gedacht, heuer geht was, aber es wird immer schlimmer“.

Wolfgang Karl (60-Fanclub Pöcking)

„Der Fisch stinkt doch immer vom Kopf.“ Für Wolfgang Karl, Chef des rund 30 Mitglieder starken Löwen-Fanclubs Pöcking, ist das Präsidium schuld an der Misere. „Wenn man sich nie einig ist, dann funktioniert das nicht“, sagt der Elektriker, der mittlerweile auch keine Dauerkarte mehr hat. Zumindest sollte man sich seiner Meinung nach mit Beratern umgeben, die sich im Fußballgeschäft wirklich auskennen. Insgeheim wünscht er sich Verhältnisse wie unter dem 2010 verstorbenen Ex-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser zurück. „Früher hat nur einer angeschafft, da hat es funktioniert.“ Unter Wildmosers Herrschaft war Karl auch noch Vereins-Delegierter. „Der Karl-Heinz hat immer geschaut, dass er seine Delegierten beisammen hat, um seine Ziele im Verein durchsetzen zu können.“ Allerdings hält er Wildmosers Entscheidung, gemeinsam mit dem FC Bayern die Allianz Arena zu bauen, „für seinen größten Fehler“. Investor Hasan Ismaik nimmt der 51-jährige Pöckinger in Schutz. „Ohne ihn gäbe es uns doch gar nicht mehr, der hat doch schon 70 Millionen in den Verein gesteckt. Wo die allerdings hingekommen sind, weiß ich auch nicht. Da waren halt noch viele Altlasten abzuarbeiten.“ Jedoch habe der Jordanier „kein glückliches Händchen mit Personalentscheidungen“. Einen Vorschlag, wer neuer Trainer bei den Löwen werden könnte, hat Karl auch nicht. „Wer ist denn auf dem Markt? Wir brauchen auf jeden Fall einen Arschtreter. Nur: Wenn es Lothar Matthäus werden sollte, dann gebe ich meinen Mitgliedsausweis ab.“

Gerhard Schmidt (60er Löwen Gilching)

Eine ganz andere Meinung zu Hasan Ismaik hat Gerhard Schmidt. Der Vorsitzende der 60er Löwen Gilching (32 Mitglieder), der seit „40 Jahren glühender Löwenfan und seit 25 Jahren TSV-Mitglied“ ist, wäre 2011 „lieber in die höchste Amateurklasse gegangen, als sich von einem Investor abhängig zu machen. Der Ismaik kann doch regieren wie er will, aber Geld regiert halt nunmal die Welt“. Keiner im Verein könne ihm „Paroli bieten und die Grenzen aufzeigen“. Aber auch Präsident Peter Cassalette kommt bei Schmidt schlecht weg: „Der taugt gar nichts. Die Vereinsspitze macht seit Jahren alles verkehrt. Ich verstehe nicht, warum seit Wildmoser/Lorant immer welche drankommen, die von Fußball keine Ahnung haben“. Für den 61-jährigen Rentner ist „der Komödienstadl gar nichts gegen den TSV 1860“.

Und auch auf die Mannschaft ist Schmidt schlecht zu sprechen. „Zurzeit schäme ich mich, Löwenfan zu sein, so wie die Spieler sich präsentieren“, gibt er zu. Aber seine Jahreskarte und seine Mitgliedschaft will er dennoch behalten. Denn egal, wie schwer die Zeiten auch sind, für Gerhard Schmidt heißt es schließlich wie für jeden anderen Blauen: „Einmal Löwe, immer Löwe.“

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