Der Traum von eigenen Boot ist im Fünfseenland ungebrochen. Allerdings sorgt das an schönen Wochenenden für viel Verkehr und viel Ärger. Foto: Andrea Jaksch

Freizeit auf dem Wasser

Langsam wird es eng auf den Seen

Starnberg - Knapp 8000 Boote sind für die Gewässer im Fünfseenland mittlerweile zugelassen. Da kann es schon mal eng werden. Und es gibt reichlich Probleme, die gelöst werden müssen.

Ein ganz normales langes Sommerwochenende im Fünfseenland: Nicht nur an den Stränden stapeln sich die Sonnenanbeter, auch auf dem See geht es zu wie im Kaufhaus fünf Minuten nach Start des Sommerschlussverkaufs. Yachten, Schlauchboote, Segler, Elektro-Boote, Kajaks und Stehpaddler steuern kreuz und quer über den See, zwischendrin zieht die MS Seeshaupt stoisch ihre Runden.

Die Wasserschutzpolizei kommt kaum hinterher. Pausenlos hält sich irgendjemand nicht an die Regeln (wir berichteten). Wird es irgendwann zu voll auf den Gewässern im Fünfseenland? Und wie viele Boote sind dort mittlerweile eigentlich zugelassen?

Wer es genau wissen will, der muss bei gleich zwei verschiedenen Landratsämtern nachfragen. Das in Landsberg ist zuständig für den Ammersee, die Starnberger kümmern sich um die restlichen vier Seen. Und bereits eine kurze Nachfrage erklärt, warum es an schönen Tagen so unfassbar voll auf den Seen ist: Insgesamt sind 7856 Boote im Fünfseenland zugelassen.

Steigende Zahl an Elektrobooten

Davon entfallen allein 2856 auf den Ammersee. Anna Diehm, Pressesprecherin des Landratsamtes in Landsberg, geht ins Detail: „Davon entfallen 1845 auf Segelboote, es gibt 432 Elektroboote und 150 Sportmotorboote. Der Rest sind Miet-, Arbeits- und Berufsfischerboote.“ Einzig die Zahl der Motorboote ist stabil: Hier hat der Freistaat Bayern eine Obergrenze festgelegt, an der nicht zu rütteln ist. Die Konsequenz: Im Schnitt muss man vier bis fünf Jahre warten, um eine der freiwerdenden Lizenzen für ein Motorboot zu bekommen. Auf dem Starnberger See ist das noch schlimmer. 250 Motorboote sind aus Gründen des Umweltschutzes hier erlaubt. Auf der Warteliste finden sich mittlerweile 800 Namen. Bleibt nur der Wechsel zum Elektro-Boot.

Die haben in den vergangenen Jahren dramatische Fortschritte gemacht, sind schneller, komfortabler und unter Umständen sehr, sehr teuer geworden. Eine echte Alternative für alle mit dickem Scheckbuch, die nicht jahrelang auf eine Motorboot-Erlaubnis warten wollen.

Die Zahlen belegen den Trend: Waren es im Juli 2013 noch 993 Elektroboote, die über den Starnberger See schipperten, sind es heuer schon 1198 – Tendenz weiter steigend. Pläne, auch die Zahl der Elektroboote auf dem See zu begrenzen, gibt es derweil nicht, bestätigten die Landratsämter in Landsberg und Starnberg übereinstimmend. Zumindest seien ihnen entsprechende Planungen der Landesregierung nicht bekannt. Es wird also voll auf den Seen. Und damit wird ein weiteres Problem immer deutlicher: „Wer auf den Binnengewässern in Bayern mit dem Boot unterwegs sein will, braucht keinerlei Sachkundenachweis oder Führerschein“, sagt Tobias Hofrichter von der Wasserschutzpolizei in Dießen. Einzige Ausnahme sei der Bodensee.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jeder loslaufen und sich ein Elektro-Boot kaufen kann. Und anschließend – wenn er es beim Landratsamt angemeldet hat – seine Runden auf den Seen drehen darf. So ist auch oftmals Unwissen dabei, wenn sich die Bootsfahrer auf den Seen nicht an die geltenden Regeln halten. Gerade auf dem Starnberger See ist ein starker Anstieg an Ordnungswidrigkeiten festzustellen. Waren es 2015 insgesamt 42 Verfahren, die eingeleitet wurden, hat man heuer bereits Mitte August 47 Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Die reichen – wie am vergangenen Wochenende – vom unerlaubten Einsatz des Flautenschiebers bis zu waghalsigen Fahrten direkt am Badestrand vorbei. Diese Ordnungswidrigkeiten werden von der Wasserschutzpolizei an das zuständige Landratsamt gemeldet und dort geahndet.

Bußgelder für Verstöße variieren

Einen Bußgeldkatalog wie beim Autofahren gibt es dabei nicht, statt dessen liegt die Höhe der Strafe im Ermessen der Behörden. Die Bayerische Schifffahrtsverordnung sieht Strafen von bis zu 5000 Euro vor. In der Starnberger Realität betragen die Bußgelder allerdings zwischen 15 und 150 Euro, so Barbara Beck vom Landratsamt. 

Einen Freibrief für Rüpel-Kapitäne stellt das nicht dar, macht Wasserschutzpolizist Hofrichter klar: „Auch wenn man keine Lizenz braucht, so darf doch kein Zweifel daran bestehen, dass eine grundsätzliche geistige und physische Eignung zum Steuern eines Bootes besteht.“

Ansonsten sieht Hofrichter die Lage auf dem Ammersee aber deutlich entspannter als auf dem Starnberger See. „Bei uns ist es im Vergleich zu den Vorjahren sogar eher etwas ruhiger geworden, ist die Zahl der Ordnungswidrigkeiten etwas geringer“, sagte er. Das liege wahrscheinlich auch daran, dass „auf dem Starnberger See auch sehr viele Bootsfahrer von außerhalb, aus München und sonstwoher“ unterwegs seien, während der Ammersee immer noch ein Geheimtipp für die Einheimischen sei.

Auch die beiden Landratsämter sehen nach Aussage ihrer Sprecherinnen die Entwicklung des Bootsverkehrs auf den Seen noch ziemlich entspannt: „Derzeit ist noch keine dramatische Entwicklung festzustellen. Wir werden das aber selbstverständlich weiter genau beobachten“, so Barbara Beck aus Starnberg.

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