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Eine Frau fuchtelt mit den Armen, um lästige Mücken zu verscheuchen.

Wie schlimm ist die befürchtete Plage?

Mücke, schleich dich – ein Selbstversuch am Wörthsee

Wörthsee - Wie schlimm ist die befürchtete Mückenplage in diesem Sommer wirklich? Und was hilft gegen die Insekten? Unsere Reporter haben am Donnerstagabend einen Selbstversuch gemacht. Am Wörthsee.

19 Uhr, Badeplatz Rossschwemme: Die Liegewiese ist gut halb voll, ein paar Jugendliche genießen die letzten Sonnenstrahlen, Surfer sind auch noch auf dem Wasser. Am Kiosk kaufen Badegäste ein Eis, bevor der Tag am See vorbei ist – und zwar bei Josefine Tregner und ihren Kolleginnen. Die verwenden an diesem Tag bislang keinen Mückenschutz: „Wenn’s sonnig oder windig ist, gibt’s so gut wie gar keine Mücken“, sagt Josefine Tregner. Die Mücken, das ist ihre Erfahrung, kommen immer erst mit der Dämmerung. In der Regel ist das die „gemeine Stechmücke“, erklärt Ernst-Gerhard Burmeister von der Zoologischen Staatssammlung München. Sie wird nach Sonnenuntergang aktiv. Wenn Josefine Tregner nun doch gestochen wird, hat sie einen Trick: „Einen heißen Löffel kurz auf den Stich halten, dann juckt’s nicht mehr.“

19.30 Uhr, Campingplatz Schlagenhofen: Oskar Schindler, ein Dauercamper, sitzt vor seinem Wohnwagen. Die Sonne steht bereits tief, und sobald man den Campingplatz betritt, wird man von Mücken überfallen – bei Rentner Schindler jedoch herrscht Ruhe. Er hat ein Räucherstäbchen angezündet: „Wir nehmen die, oder diese grünen Spiralen aus Italien. Das stinkt zwar, aber helfen tut’s“, sagt er. Das bestätigt Biologe Joachim Grammer aus Dachau. Vor allem süßliche Gerüche ziehen Mücken an – Düfte wie Zitrone oder Lavendel dagegen mögen sie nicht. Und wie ist es mit Schweißgeruch? „Das kann die Mücken anziehen, das ist aber verschieden“, sagt der Experte. Den einen mögen sie, den anderen können die Blutsauger nicht riechen. Oskar Schindler sagt: „Hier am Wörthsee ist es heuer mit den Mücken nicht schlimmer als sonst.“ Und richtig heftig werde es hier erst nach Sonnenuntergang.

Die Stationen der Mücken-Tour unserer Reporter.

20 Uhr, Adria Grill: Nur ein paar Meter weiter, im Garten des Restaurants „Adria Grill“, diskutieren die Gäste fleißig über das Halbfinale, das gleich beginnt – von Mücken keine Spur. Wirt Petar Mustapic dachte, dieses Jahr würde es schlimm werden. „An anderen Stellen gibt es viele“, sagt er. „Hier Gott sei Dank nicht.“

21.15 Uhr, Jakl-Hof, Steinebach: Beim Public Viewing im Jakl-Hof ist die Hölle los, alle schauen gespannt das Spiel an. Hinter der Bar schenken die Wirtsleute Bier aus, auf dem Grill brutzeln Bratwürste. Der See ist etwa 150 Meter entfernt, Mücken gibt es hier keine. Kellnerin Agnes Fuchs sagt: „Auf der anderen Seeseite ist es viel schlimmer, da gibt’s mehr Wald und Bäche.“

Genau das ist oft das Problem: „Das Wasser an Flüssen und Seeufern ist nach den vielen Regenfällen angestiegen“, erklärt Zoologe Burmeister. Zurück bleiben Pfützen im Wald, auf Feldern und Wiesen. Ein Paradies für Mückennachwuchs.

21.40 Uhr, Mato’s Fischbar, Steinebach: Die Sonne ist jetzt untergegangen. Sobald man aus dem Auto steigt, steht man mitten im Mückenschwarm. Am Uferweg schwirren ganze Insektenwolken auf und ab. Nur ein paar Mutige gehen noch mit ihren Hunden Gassi, ziehen ihre Tiere aber schnell weiter. Die Mücken sind überall – wenn man die Autotür nur kurz öffnet, fliegen sie hinein.

22 Uhr, Augustiner, Steinebach: Das große Wirtshaus trennt nur eine Wiese vom See, in dem sich jetzt schon der Mond spiegelt. Auch hier läuft das Fußballspiel auf der Terrasse. Mücken? An diesem Tag Fehlanzeige. „Es war schon mal schlimmer“, sagt Betriebsleiter Amos Weigert. „Ich hab mich auch noch nicht eingesprüht.“ Laura, Anna und Cosima, drei Schülerinnen aus Steinebach, beugen vor: Sie sprühen sich mit Mückenmittel ein. „Und einen Pulli anziehen, das ist ganz praktisch“, sagt Laura.

Die richtige Kleidung hilft, sagt auch Biologe Joachim Grammer. Möglichst viel Haut bedecken. „Aber man sitzt im Sommer abends ja nicht gerne mit langen Kleidern da.“ Er selbst greift deshalb lieber zu sogenannten Repellentien – also Autan und Co.

23 Uhr , auf dem Heimweg im Auto: Ssssss – ein paar Biester haben sich im Auto versteckt. Der erste Stich des Abends.

Fazit: Der Abend war mückentechnisch entspannt – nur am Campingplatz und bei Mato’s Fischbar nicht. Eine Plage? Nicht in Sicht. Zoologe Ernst-Gerhard Burmeister sieht das ähnlich. Er selbst wohnt an der Amper. „Bei uns ist es noch nicht so schlimm“, sagt er. Wer sich jetzt beschwert, sei selbst schuld – am Wasser lassen sich Mücken eben nicht vermeiden. Denen, die einen Abend am See verbringen wollen, empfiehlt der Zoologe ein Spray.

Test 1: ein ätherisches Öl

Reporterin Nina Probst. 

Braucht es unbedingt Chemie, um sich vor Mücken zu schützen? Experten raten zu ätherischen Ölen mit Zitronenduft, den mögen die Mücken nicht. Außerdem soll lange Kleidung helfen, möglichst nicht eng anliegend – ich wähle eine wallende Hose und eine leichte Jacke, in der es mir nicht zu warm wird. An einer besonders von Mücken befallenen Stelle am See teste ich das Öl aus dem Drogeriemarkt (1,50 Euro). Es ist leicht aufzutragen und riecht gut – besser als Autan. Aber halt. Das Öl sollte nicht direkt auf die Haut aufgetragen werden. Es muss vorher unbedingt verdünnt werden, dazu eignen sich Trägeröle wie Kokosöl oder Olivenöl. Dann ist es auch hautverträglich. Die Wirkung am Testabend: kein Stich. Na ja, einer. Aber erst auf der Heimfahrt im Auto – das Öl wirkte offenbar nicht mehr gegen das Mückenweibchen, das sich versteckt hatte. Woher ich das Geschlecht weiß? Nur die Weibchen stechen – denn sie brauchen nach der Befruchtung Proteine.

Test 2: ein chemisches Spray

Reporter Emil Nefzger.

Mücken nerven – surrt die erste am Ohr vorbei, war’s das mit der Gemütlichkeit. Deshalb greife ich zum Mückenspray, Marke Autan. Das ist der Testsieger von „Stiftung Warentest“, 100 Milliliter kosten 4,95 Euro. Ich finde es besser, mich ein einziges Mal kräftig einzusprühen – und dafür den ganzen Abend im T-Shirt draußen sein zu können. Ein langer Pulli? Das wäre mir zu warm. Früher roch das Spray ziemlich chemisch, heute eher wie kräftiges Männer-Deo. Ich achte darauf, dass das Spray nicht in die Augen oder in offene Wunden gelangt – das brennt. Obwohl ich schwitze, zieht das Autan schnell ein und klebt nicht. Ich verbringe an diesem Abend drei Stunden draußen, einen Stich bringe ich nicht mit heim.

Nina Probst und Emil Nefzger

Mit diesen Tricks versorgen Sie Wespenstiche in wenigen Sekunden: Schauen Sie sich das Video an.

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