Weßlinger Umfahrung

Sorge um Wild und Autofahrer

Weßling - Am Montag wird die Umfahrung eröffnet. Tierschützer sehen das mit Sorge. 

Ab kommenden Montag soll der Verkehr auf der Weßlinger Umfahrung rollen (wir berichteten). Tierschützer sehen die Eröffnung der Trasse mit großer Sorge, Für Amphibien, Fledermäuse und Hirschkäfer wurde zwar gesorgt, doch was wird aus dem Wild? Das Staatliche Bauamt in Weilheim hat die Installation von Reflektoren genehmigt.

„Das mit dem Wild ist ein Problem“, sagt Christian Probst vom Staatlichen Bauamt in Weilheim. Ihm ist das Thema bekannt. „Wir sind mehrfach darauf angesprochen worden, etwas zu unternehmen, und uns nicht nur um Amphibien zu kümmern.“ Tatsächlich waren die Ingenieure hier eifrig: Entlang der 23,3 Kilometer langen Trassen errichteten sie auf etwa zwei Kilometer Länge ein Leitsystem mit 42 Durchlässen. Für Fledermäuse schufen sie Ersatzquartiere, Hirschkäfer und Zauneidechsen siedelten sie um. Mit dem Wild ist das nicht so einfach. „Der Bau von Wildschutzzäunen ist im Planfeststellungsverfahren kein Thema“, erklärt Probst. „Die Aufstellung ist auch schwierig: Wie lang mache ich den Zaun, wo fängt er an? An den Durchlässen entwickelt sich oft eine Konzentration, und dort scheppert es dann besonders.“ Jagdpächter setzen ohnehin eher auf Reflektoren. „Dazu gibt es keine Studien, die das belegen würden. Aber wir haben die Genehmigung erteilt für diese blauen Reflektoren“, sagte Probst gestern. 120 bis 150 von ihnen werden vermutlich schon in den nächsten Tagen vom Jagdpächter dort angebracht. Kostenpunkt: etwa 1000 Euro. „Bürgermeister Michael Muther hat gesagt, dass die Gemeinde diese Kosten übernimmt.“ Ein Tempolimit steht nicht zur Diskussion: „Es gilt von Beginn an Tempo 100“, sagt Probst. Auch das wurde von Tierschützern kritisiert. „Wir bauen die Staatsstraße so, dass man 100 fahren kann. Ohne Veranlassung gibt es kein Tempolimit.“

Nach Eröffnung der Unterbrunner Umfahrung ist es dort laut Probst anfangs zu einigen Wildunfällen gekommen. „Aber die Tiere sind lernfähig. Sie suchen sich andere Wege. Oftmals werden sie auch mit einer Leitbepflanzung umdirigiert.“ Auf der neuen Weßlinger Umfahrung werden neben den blauen Reflektoren an den Leitpfosten nur zwei Verkehrsschilder auf Wildwechsel hinweisen. „In der Dämmerung empfiehlt es sich grundsätzlich vorsichtiger und auf Sicht zu fahren“, sagt Probst.

Im Übrigen ist der Ingenieur froh, wenn die Umfahrung Montag eröffnet und damit die Baustelle abgeschlossen wird. „Die Maßnahme ist sehr gut gelaufen, aber sie ist auch intensiv von vielen Beteiligten begleitet worden“, sagt Probst. Dort, wo einst Wald- und Grünflächen waren, sollen bis 2025 täglich 12 500 Fahrzeuge fahren. Den Weg durch Weßlings Ortsmitte werden lauf Prognosen immer noch 8000 Autofahrer wählen – heute sind es täglich 15 000. 5,8 Hektar landwirtschaftliche Fläche und drei Hektar Wald hat der Bau der Umfahrung verbraucht – dem stehen 4,7 Hektar Ausgleichsflächen gegenüber. Diese beinhalten neben der Aufforstung von 3,8 Hektar Laubmischwald die Anlage von vier Laichgewässern mit einer ein Hektar großen Pufferzone aus extensivem Grünland.

hvp

Rubriklistenbild: © dpa

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