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Ein Anruf bei der Bürgermeisterin genügte und Restaurantbetreiber Max Hippius ließ sofort eine Holzbrücke bauen, über die Rollstuhlfahrer Dirk Marsen ab sofort wieder barrierefrei zum Baden kommt. 

Neue Brücke am Augustiner 

Barrierefrei zum See

Wörthsee – Nach der Wiedereröffnung des Augustiners war Dirk Marsen von seinem Badespaß abgeschnitten.

Was der eine mühelos überwindet, ist für den anderen unüberwindbar. Das Hindernis ist ein in Betonsteine eingefasster Kiesweg, der den auf den Rollstuhl angewiesenen Dirk Marsen bis vor ein paar Tagen vom Schwimmen im See abhielt. Im Juni öffnete der aufwändig umgebaute Augustiner am Wörthsee für die Gäste seine Türen. Die großzügigen Sitzflächen vor dem Restaurant und die Palmen auf der Wiese vermitteln tropisches Flair, der mit weißem Kiesel ausgefüllte Weg führt von der Terrasse direkt in den türkis schimmernden See. 

Pächter gab ohne Wenn und Aber Brückenbau in Auftrag

Wunderschön, findet Bärbel Marsen, aber vor kurzem versperrte genau diese Idylle ihrem gehbehinderten Mann den Zugang zum Schwimmen. Bis zu seinem Schlaganfall 2007 war der heute 74-Jährige ein begeisterter Sportler und es verging kaum ein Tag, an dem er nicht lief, radelte oder schwamm. Davon geblieben ist ihm nach dem Schlaganfall nur noch das Schwimmen und das am liebsten im nahegelegenen Wörthsee. Damit er ohne Hilfe hinein- und auch wieder hinauskommt, gab der Männergesangsverein Wörthsee 2011 ein Benefizkonzert für einen gehbehindertengerechten Zugang ins Wasser. Jenen verwirklichte Schreinermeister Martin Polz aus Walchstadt mit einem zwölf Meter langen Handlauf ins Wasser, den der halbseitig gelähmte Sportler fortan wann immer es geht nutzt. 

Aufgrund des Umbaus wurde die Wiese und somit der Zugang zum Handlauf ab August 2015 geschlossen und erst heuer im Juni wieder freigegeben. Alles gut, wäre da nicht dieser Kiesweg, der den Gehbehinderten vom Schwimmvergnügen trennt. Anfang Juli sprach die 74-Jährige das Problem bei Bürgermeisterin Christl Muggenthal an, die sofort Kontakt mit Restaurantbetreiber Max Hippius aufnahm. Der Pächter hat die Gaststätte fertig ausgebaut übernommen, gibt ohne Wenn und Aber bei einem Schreiner eine Holzbrücke in Auftrag. Diese ermöglicht dem Wörthseer ab sofort wieder den Zugang zum See, denn die einzig andere Option für ihn wäre das Grundstück der Pfennigparade, das aber nur Vereinsmitglieder benutzen dürfen. Einfach gestaltet sich für Marsen die sportliche Aktivität noch immer nicht, wie der vor Ort Termin zeigt, an dem er sein Gefährt mühsam um die Badegäste lenkt. 

Problem: Viele Badegäste legen sich direkt vor die Holzbrücke

Ein Herr macht es sich auf einem Klappstuhl mit einem Buch im Bereich des Übergangs bequem. Er ist im Weg. Statt aufzustehen grummelt er: „Was soll denn das?“ Helfen? Fehlanzeige. „Viele wissen ja nicht, wozu diese Holzbrücke gut ist und legen sich davor“, zeigt die Ehefrau Verständnis für jeden, der sein Tuch hier ausbreitet. Aber was dieser Sonnenanbeter da inszeniert, ist auch für die Umstehenden unverständlich. „Das erleben wir immer wieder“, sagt Marsen. Mehr nicht. So nach dem Motto: Aufregen ändert ja nichts. Er freut sich über den wiedergewonnenen Badesee.

Von Michèle Kirner

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