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Die Zeit ist reif für einen Neuanfang: Die Wirtsleute Maria und Thomas Bernhard setzen in ihrem Restaurant „Raabe am See“ auf einen innovativen Nachfolger. Interessenten gibt es bereits. 

Gastronomie

Die Bernhards hören auf

Steinebach - Seit 25 Jahren sind Maria und Thomas Bernhard die Seele des Raabe am See. Nun wollen sie das Lokal verpachten. 

Zarte Nebelschwaden ziehen über den Wörthsee, Boote glänzen in der Morgensonne. Im Restaurant „Raabe am See“ bereitet sich das Personal auf einen schönen Tag vor. Obwohl noch früh am Morgen, herrscht geschäftiges Treiben. Nur Schilder an der Tür erinnern den Besucher: Ab nächste Woche ist hier Schluss. Die Wirtsleute, Thomas und Maria Bernhard, hören auf. Damit endet auch eine Ära.

Thomas und Maria Bernhard, 50 und 48 Jahre alt, führen das herrlich am See gelegene Restaurant seit 25 Jahren und in vierter Generation. „Mein Urgroßvater hat es vor 100 Jahren gegründet, später übernahm der Schwiegersohn, dann machten meine Eltern weiter, und schließlich ich“, erzählt Thomas Bernhard. 1991 ersetzte er den alten Holzbau durch einen gläsernen und lichten Neubau. „Nun ist es an der Zeit, zu renovieren, was Neues zu machen. In den vielen Gesprächen und Überlegungen zu diesem Thema ist dann die Entscheidung in uns gereift“, erinnert er sich und gibt zu, dass dies auch für ihn und seine Frau eine große Nummer ist, ein großer Schritt. Aber die Beiden scheinen in den besten Jahren für eine Veränderung – und sie wollen Raum schaffen für einen Neubeginn für ihr Lokal. „Mit unserer Struktur kann man das in diesen Zeiten nicht mehr betreiben“, glaubt Thomas Bernhard. Steigende Auflagen und immer schwieriger werdende Rahmenbedingungen machten vor allem den kleinen Familienbetrieben das Leben schwer – „es scheint fast, als sei das so gewollt“. Beispiel Mindestlohn: „Das Problem ist nicht das Geld. Sondern die Dokumentationsansprüche, die damit verbunden sind. Wir müssen alles aufschreiben – das ist bei vollem Haus schwierig.“ Dazu kommt, dass die Mitarbeiter nicht länger als zehn Stunden arbeiten dürfen. „Dabei würden sie an dem ein oder anderen Sommertag gerne länger bleiben, weil sie dann mehr verdienen könnten.“

Ein Beispiel von vielen und längst nicht der einzige Grund, weshalb die Bernhards aufhören. „Das ist ein Saisongeschäft – vor allem im Sommer hat es uns viel abverlangt“, sagt Maria Bernhard. Die zwei Töchter, 20 und 12 Jahre alt, hätten dies über Jahre hinweg zu spüren bekommen. „Alle fuhren immer weg, nur wir waren immer hier.“ Das mag auch der Grund sein, weshalb die Töchter, bisher jedenfalls, noch keinerlei Affinität zur Gastronomie entwickelt hätten. „Eine Investition aber würde uns für weitere zehn, 15 Jahre binden – und da haben wir dann angefangen nachzudenken“, sagt Thomas Bernhard. Er hofft, dass sich ein Nachfolger und Partner findet, der an gleicher Stelle mit einem neuen, zukunftsfähigen Konzept weitermacht. Interessenten gibt es bereits. „Wir versichern, dass unser Restaurant nach einer viermonatigen Umbaupause im Frühjahr wieder eröffnet wird“, verspricht er.

Sehr gemischt fallen die Reaktionen auf die Entscheidung aus. „Menschen, die uns gut kennen und wissen, wie eingebunden wir immer waren, haben uns beglückwünscht“, sagt Maria Bernhard. Andere seien schon sehr enttäuscht gewesen, „und das macht mir schon auch etwas aus“, sagt Thomas Bernhard. Dabei sieht er in der Entscheidung auch eine Chance auf einen Neubeginn für die Gastronomie in Steinebach: „Jetzt ist Platz für etwas Neues, etwas Erfrischendes, Erquickendes.“

Wie es für Thomas und Maria Bernhard beruflich weitergeht, steht noch in den Sternen. „Wir werden sicher nicht faul sein“, kündigt Thomas Bernhard an. Während seiner Zeit als Wirt saß er bereits im Gemeinderat, und auch sonst treiben das Paar einige Ideen um, von denen noch keine spruchreif ist. Ganz sicher aber ist: „Familie rückt für uns nun erst mal in den Vordergrund“, stellt Thomas Bernhard fest, der sich in Zukunft auch mehr um seine Mutter Hildegard kümmern möchte. Diese war ja selbst lange Wirtin im „Raabe am See“, und ist auch an diesem Vormittag im Restaurant zugegen. Zu der Entscheidung ihres Sohnes wählt sie die gleichen Worte wie er: „Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Abschiedsessen

Am kommenden Kirchweihmontag, 17. Oktober, wird Abschied gefeiert im „Raabe am See“: Die Bernhards laden zu einem Büfett zugunsten des BR-Wohltätigkeitsprojekts „Sternstunden“ ein. Eine Anmeldung ist erforderlich unter  (0 81 53) 72 05.

Hanna von Prittwitz

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