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Besuch beim „Büberl“: Heinz Biersack (l.) wusste seine Zuhörer mit Geschichte und Geschichten zu fesseln. 

Feldafings Geschichte

Reich erst durch Napoleon

Feldafing - 900 Jahre sind lang - und wechselvoll: Die Geschichte Feldafings beinhaltet mehr, als man denkt. Napoleon spielte eine Rolle. 

Prominent liegt Feldafing mit seinen Villen am See – und Prominenz ging dort seit Jahrhunderten ein und aus. Kaiserin Sisi residierte jährlich im Hotel Kaiserin Elisabeth, Katharina Pringsheim, die spätere Ehefrau von Schriftsteller Thomas Mann, erblickte in der „Perle am See“ das Licht der Welt, und der Komponist Richard Wagner war regelmäßig zu Gast. Urkundlich das erste Mal erwähnt wurde die Kommune vor 900 Jahren. Anlass genug für eine Feier, in dessen Rahmen die Kolpingsfamilie zu einer Führung durch Sehenswürdigkeiten mit Heinz Biersack lud.

Gegen die Wolkenfront mit Regenschirmen gewappnet, verfolgten rund 50 Interessierte in einem Spaziergang aufmerksam Historisches und Histörchen aus dem „alten Feldafing“. Arm sei das Bauern- und Fischerdorf bis Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen, eröffnete Heinz Biersack den Rundgang. Erst Napoleon und die Verwaltungsreform brachten den Wandel, was zur beeindruckenden Anzahl an pompösen Villen führte und die Fischerei im Ort vollständig „ausrottete“.

Der erste Baumeister Feldafings, Johann Biersack, ist ein Vorfahre des Ortskundigen und hinterließ in zahlreichen Gebäuden seine Handschrift, viele davon heute denkmalgeschützt. Wie etwa das Golf-Hotel Kaiserin Elisabeth, die Villa Seeblick und die Villa Pschorr, die aktuell für 3,1 Millionen Euro auf dem Markt ist und wo besagter Komponist ein und aus ging. Das Landhaus am Kirchenweg, in dem Katja Mann geboren wurde, wich in den 1970er Jahren dem bis heute umstrittenen Appartementhaus. An dieser Stelle sollte 1976 ein Ringverkehr entstehen, lehrte Biersack den Anwesenden bei diesem Gedanken das Gruseln.

Überhaupt hatten es die 1970er Jahre in sich, bedenkt man, dass in der Zeit die alte Kirche abgerissen werden sollte. „Die Bagger waren schon im Anmarsch, aber der damalige Bürgermeister stellte das Gebäude im letzten Moment unter Denkmalschutz.“ Viele Taufen und Hochzeiten wurden dort gefeiert, Bürger auf ihrem letzten Weg verabschiedet – und es ist denkbar, dass in den Gemäuern viele im Zweiten Weltkrieg dem Herrgott ihr Leid klagten. Von den Kriegsleiden zeugt auch der Stolperstein vor der Villa Bonn, der an die 1942 getötete deutsch-jüdische Schriftstellerin Emma Bonn erinnert. Am Ort hatten die Nationalsozialisten eine Eliteschule eingerichtet – und nach Kriegsende erhielten im Ort 5000 „Displaced Persons“ eine vorübergehende Bleibe.

Die Bäckerei Jakob aus dem Jahr 1683 ist ihrer Berufung stets treu geblieben und verkauft bis heute „die besten Semmeln Feldafings“, raunte ein Zuschauer. Biersack führte die Gruppe ins Hotels Kaiserin Elisabeth und zur Skulptur der jungen Sisi im Park, passierte die Kapelle mit Blick auf Golfplatz und See und verharrte eine Weile vor der Baugrube der abgerissenen Villa Keller. Die Führung endete am Bernheimer-Platz, wo das „Büberl“ auf dem Brunnen einen zappelnden Fisch umklammert – und an Zeiten erinnert, als Feldafing sozusagen noch vom „Fisch aus dem See“ lebte.

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