All that Jazz@Starnberg

Teufelsgeiger Adam Baldych

Starnberg - Vier geniale junge Musiker eroberten am Freitagabend die Herzen der Starnberger Jazzfans: der Geiger Adam Baldych und sein Imaginary Quartett. 

Es war das dritte Konzert der Veranstaltungsreihe „All that Jazz@Starnberg“ 2016 von Manfred Frei in der Schlossberghalle, und erneut war es ein Erlebnis. Der 30-jährige Pole Adam Baldych galt schon in seiner Jugend als musikalisches Wunderkind. Erst als Teenager wandte er sich der Geige zu – dem Königsinstrument, was seinen Schwierigkeitsgrad angeht. Preisgekrönt ist der junge Pole heute, lebt in Amerika, unterhält aber intensive Beziehungen zu seinem Heimatland und dessen musikalischer Tradition. Er hatte mit Pawel Tomaszewski (Piano), Michal Kapczuk (Kontrabass), und Pawel Dobrowolski (Schlagzeug) drei polnische Musiker an seiner Seite, die zu den wohl besten Jazzern ihres Landes zählen dürften. Wie herrlich ist das für den Zuhörer, wenn das technische Können aller Beteiligten so selbstverständlich ist, das musikalisch alles möglich, alles richtig ist. 

Nun transportiert gerade die Geige oft den Weltschmerz, kein Instrument kann so herzzerreißend schluchzen – und auch so einfältig. Wie geht das zusammen mit einer innovativen Jazzband, einem versierten Schlagzeuger, einem kongenialen Bassisten, einem ausgelassenem Pianisten? Baldych lässt einfach vergessen, was die Geige über die musikalischen Jahrhunderte gewesen ist. Seine Geige schluchzt nicht, sie singt mit fester Stimme, und über einen vibratoarmen Ton macht Baldych aus ihr einen selbstbewussten Partner – selbst wenn ringsum die Rhythmussektion explodiert, allen die Klavierkaskaden um die Ohren fliegen. Er kann sich völlig zurücknehmen und zuhören, um im nächsten Moment wie der entfesselte Teufelsgeiger loszustürmen. 

Baldychs Kompositionen – nichts anderes spielen die vier an diesem Abend – geben vor allem dem Piano Raum, oft gehen Baldych und Tomaszewski konzentriert ins Gespräch, pflegen ein besonderes Verhältnis. Die Musik ist voller Lyrik und traumschön, aber auch kraftvoll und enorm dynamisch. Aus perlenden Melodien und zartem Pianissimo entwickeln sich Werke voller Wucht und Groove, Ausdauernd musizieren sich die vier auf der Bühne durch die komplexen Kompositionen. Baldych zupft, streichelt und schlägt die Saiten, der Bogen verliert Haar um Haar, das Publikum lauscht beeindruckt. 

Viel gesprochen wird an diesem Abend nicht. Am Ende aber fordern die ergriffenen Zuhörer eine Zugabe, viele stellen sich beseelt lächelnd für die CDs und ein Autogramm an. Bravo.

Hanna von Prittwitz

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