Augenschein

(K)eine Frage der Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit vermisste ein Bauwerber, der in der Gemeinde Seefeld einen Aussiedlerhof nach seinen Wünschen umgestalten möchte. Das Verwaltungsgericht gab ihm einen Korb.

"Wo ist da die Gerechtigkeit? 100 Meter weiter geht alles!“, machte Herbert Bichler seinem Unmut Luft. Der Bauwerber meinte damit den großzügigen Parkplatz für die Mitarbeiter von TQ System und den Kindergarten.

Ausgangspunkt war ein Augenscheintermin des Verwaltungsgerichts beim Aussiedlerhof an der Mühlstraße in Seefeld. Dabei handelt es sich um den seit 1989 leer stehenden Kuhstall, den der Bauherr mit zwei Wohnungen ausbauen möchte. Diesen Punkt nickten sowohl Gemeinde als auch Landratsamt ab. Nur die beiden im Vorbescheid eingezeichneten Quergiebel befanden die Räte zwar einhellig als gut, stießen aber beim Landratsamt auf Widerstand. Als Begründung bezogen sich die zuständigen Sachbearbeiter auf Paragraf 35, der sich mit den privilegierten Bauten im Außenbereich befasst.

Der Passus gibt einerseits vor, dass die Höfe, wie sie einst entstanden, auch erhalten bleiben dürfen, erklärte Rebecca Zettl vom Landratsamt. Voraussetzung jedoch sei, dass die äußere Form nicht verändert wird und somit der ländliche Charakter erhalten bleibt. Bei den geplanten Giebeln, die jeweils vor und hinter dem Gebäude in einem Dreieck aus dem Dach hervorspringen sollen, gleichzeitig die Balkone überdachen und ein Sichtfenster ins Grüne sind, sei das eben nicht der Fall. Mit der Rechtsauffassung stand das Landratsamt nicht alleine da, denn auch Verwaltungsrichter Johann Oswald sah das so – und erklärte den Klägern, dass sie sogar noch Glück gehabt hätten. „Wir sehen nicht, dass die Bausubstanz beim Ausbau erhalten bleiben kann.“ Mit anderen Worten: Wäre der Bau der beiden Wohnungen grundsätzlich beim Verwaltungsgericht gelandet, müsste der ehemalige Kuhstall weiterhin als Speicher sein Dasein fristen.

Auf die umliegende Bebauung, das stellte sich auf Rückfrage des Anwalts heraus, konnte man sich auch nicht berufen. Stichwort: Außenbereich. Parkplätze und Kindergarten in der direkten Nachbarschaft des Hofes entstanden im Rahmen des Bebauungsplanes, betonte Zettl. Und der beginnt nun mal erst eine Querstraße weiter. Auf die Frage, ob denn als Kompromiss wenigstens ein Giebel möglich wäre, schüttelten beide Anwesenden vom Landratsamt den Kopf. „Eine Dachgaube ja, aber keinen Quergiebel.“ Nach kurzer Beratung von Hofbesitzer, Anwalt und Architektin zog der Bauherr seine Klage zurück. Aber das Gefühl der Ungerechtigkeit blieb bei Bichler.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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