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„Der Weg zum Diakon ist der richtige für ihn“: Christine Bücherl unterstützt ihren Mann, der künftig für die Pfarreiengemeinschaft Seefeld tätig sein wird.

Porträt

Der weltliche Geistliche

Seefeld - Thomas Bücherl lebt für Kapital und Kirche. Der promovierte Apotheker arbeitet als Führungskraft in einem Pharmakonzern und wird nun zum Diakon geweiht.

Dr. Thomas Bücherl sitzt vor seinem Haus in der Sonne. Der 50-Jährige strahlt etwas aus, das sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Ruhe vielleicht, Geborgenheit und diese unaufdringliche und doch aufmerksame Art, in der er auf sein Gegenüber eingeht. Die christlichen Werte begleiten ihn seit seiner Kindheit. Nach dem Abitur stand er vor der Frage: Theologiestudium oder Naturwissenschaften. Schreckte ihn das Zölibat ab? Er schüttelt den Kopf. Ausschlaggebend war der Verzicht auf Partnerin und Familie nicht. „Es war einfach noch zu früh, um eine so weitreichende Entscheidung zu fällen“, sagt der angehende Diakon, der für die Pfarreiengemeinschaft Seefeld nebenberuflich sein Amt ausüben wird. 

Seit seinem Studium ist Dr. Thomas Bücherl in der Pharmaindustrie tatig, mittlerweile als Führungskraft in einem Pharmakonzern. Er ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und empfängt am Samstag in Augsburg die Diakonenweihe. Was auf den ersten Blick wie ein großer Widerspruch wirkt, ist beim genaueren Hinschauen ein ganz natürlicher Werdegang. „Ein einzelnes Schlüsselerlebnis gibt es nicht“, sagt der Hechendorfer nach kurzem Nachdenken. Und es war die richtige Entscheidung. „Als Diakon bin ich ausschließlich für die Menschen da.“ Für alle, die am Rande der Gesellschaft stehen: Kranke, Obdachlose, Alleinerziehende, die Kinder und Arbeit bewältigen müssen. Aber auch für Arbeitskollegen, darunter Führungskräfte, die mit dem Druck der Verantwortung nicht klarkommen. Sie alle verlor der promovierte Apotheker nie aus den Augen. 

Die Diakonenweihe eines Mannes in seiner Oberpfälzer Heimat war für ihn richtungsweisend. Der Wunsch ließ ihn seither nicht mehr los. In einem Fernkurs studierte er Theologie und begann danach die vierjährige Ausbildung. Teil davon sind auch jährliche Exerzitien, geistliche Übungen wie mehrtägiges Schweigen. „Das kann ich jedem nur empfehlen.“ Schweigen und zu sich kommen in einer Welt, in der die Außendarstellung so wichtig scheint. Das Schlüsselerlebnis ist vielmehr eine Berufung, sagt er. 

Das weiß auch seine Frau Christine. „Der Weg zum Diakon ist der richtige Weg für ihn“, unterstützt die 49-Jährige ihren Mann. Ist Helfen eine Form der Erfüllung? „Ich helfe nicht zur Selbstverwirklichung“, betont Bücherl und sieht sich als „Seelsorger im Dienste Jesus Christus“. Mit seiner Ausbildung zum Ständigen Diakon umfasst sein Aufgabenfeld fortan unter anderem Taufen, Eheschließungen oder auch Beerdigungen. Sein Hauptbestreben ist es aber, die frohe Botschaft dorthin bringen, „wo sie heutzutage keinen Platz mehr zu haben scheint, im Berufsalltag, in unserer erfolgsorientierten, schnelllebigen Welt. Gerade dort sind wir als Diakone mit Zivilberuf gefragt.“ Hand in Hand mit Helferorganisationen, Nachbarschaftshilfen oder auch der Caritas. 

Es ist später Nachmittag. Bücherl muss los. Auf ihn warten die Weiheexerzitien – und bald hat Seefeld einen Diakon, der mit weltlich-christlichem Blick auch die Not derer erkennt, die in der heutigen Zeit leicht übersehen werden.

Von Michèle Kirner

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