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Einfach machen: Maike und Andreas Schneider wollen gemeinsam mit Noëmi, Nouriel und Levi auf Weltreise gehen. Verwandte und Freunde reagierten auf die Entscheidung zum Teil schockiert, andere bewundern sie für ihren Mut, sich selbst Freiräume zu schaffen.

Weltreise mit kleinen Kindern

„Wir wollen den Stamm stärken“

Hechendorf - Auf Weltreise gehen – das machen viele. Die Schneiders in Hechendorf sind allerdings zu fünft. Mitte September wollen sich Maike und Andreas Schneider auf den Weg machen. Mit ihren Kindern Levi (6), Nouriel (4) und Noëmi (1). Für die Kinder ein großes Abenteuer. Für die Eltern aber geht’s um mehr.

An diesem schönen Sommervormittag im Garten schaut es noch gar nicht so nach Aufbruch aus im Haus der Schneiders. Hund Nick liegt in der Wiese, Levi zeigt stolz seine Steinchensammlung herum. Maike Schneider, 44 Jahre alt, hat Noëmi auf dem Schoß. „Das Krasse ist, dass Du ausgerechnet in dieser Phase keine Zeit hast“, sagt sie.

Keine Zeit für die Familie, für die Kinder, für den Partner, das Leben überhaupt. Und dann diese Sehnsucht. Maike Schneider wollte schon als 16-jährige um die Welt reisen, war als Reiseleiterin sieben Jahre im Ausland unterwegs, später mit ihrem Mann Andreas (47) und den zwei großen Kindern längere Zeit in Asien und auf den Kanaren. Die vier haben also ihre Rucksack-Erfahrungen gemacht. Dass daraus die Entscheidung wuchs, mit der ganzen Mannschaft für ein Jahr lang auszusteigen, in die Welt aufzubrechen – das war ein Prozess.

„Wir wollten schon früher fahren, aber da hat sich Noëmi angekündigt“, erzählt Maike. Ansonsten haben die beiden dem Zufall wenig überlassen. Sie machen überhaupt einen ziemlich vernünftigen Eindruck. Hier sitzen keine naiven Spinner im Garten. „Als klar war, dass wir das machen, haben wir einen Masterplan aufgestellt“, erzählt Maike. Sie entrümpelten ihr Haus. Andreas verkaufte sein Werkzeug und Bücher, Spielsachen, Klamotten und Sportausrüstung – vieles verschenkten sie auch. Sie kauften sich keine Klamotten mehr, schraubten an den Fixkosten. Das alles hat Maike Schneider als Erleichterung empfunden.

Ein Leben mit weniger „schafft Leichtigkeit und Klarheit“. Allein über den Verkauf vieler Dinge kamen mehrere tausend Euro zusammen für die Reisekasse. Andreas Schneider, Informatiker bei Audi, sprach mit seinem Chef. „Der war nicht begeistert. Aber ich konnte dadurch im Vorfeld schon Verantwortung abgeben, das habe ich schon gemerkt, dass tut mir gut.“

Vorbereitung läuft schon lange

Maike, selbstständige Personalberaterin, nahm keine Aufträge mehr an. „Wenn man dort Erfolg hat, geht man eigentlich nicht mehr raus“, gibt sie zu. Aber sie ist sich sicher: „Ich komme da auch wieder rein.“ Auch der sechsjährige Levi kann nochmal durchschnaufen, ein bisschen länger Kind sein. „Er ist zurückgestellt und kommt erst nächstes Jahr in die Schule. Wir glauben, dass das passt“, sagt Maike.

Bei Familie und Freunden löst der Plan der Schneiders gemischte Reaktionen aus. „Mein Vater versteht nicht, warum wir das machen“, erzählt Andreas. Und Maikes Mutter hat Angst um ihre Lieben. „Ich habe auch Angst. Was macht man damit? Gut anschauen und durchgehen“, sagt Maike und findet: „Es ist völlig normal, Angst zu haben.“ Und sie ist längst kein Grund, um von der Entscheidung abzuweichen. Die große Skepsis bei Freunden, verhaltene bis ruppige Reaktionen – „das kann aber schon verunsichern“, räumt Maike ein. Mittlerweile sind die Versicherungen gekündigt und die Telefonverträge. Mühsam war es bei der GEZ: „Das hat ein Jahr gedauert, das war am schwierigsten“, sagt Andreas.

Für Amerika brauchen auch die Kinder Erwachsenen-Pässe, für Hund Nick organisierten Schneiders eine Bleibe in Augsburg. Die hübsche Doppelhaushälte haben sie auf Vordermann gebracht. Sie soll möbliert vermietet werden. Das ist nicht so einfach, wie gedacht. Aber das Ticket zur ersten Station, Bangkok, wird erst gebucht, wenn es einen Mieter für die 200 Quadratmeter gibt.

Die To-do-Liste der Schneiders war also ganz schön lang. So ein Aufwand. Und wofür? „Wir wollen einfach nur als Familie sein, das ist so ein großer Wunsch“, sagt Maike Schneider. Den Stamm stärken, „uns fünf miteinander“. Sie wollen sich treiben lassen, und wenn es irgendwo schön ist, einfach bleiben. Eine Reiseroute gibt es nicht, nur so ungefähr: Asien mit Thailand, Laos, Vietnam, dann die Philippinen, Australien und Neuseeland, Teile der Südsee, Südamerika. Ein Zelt haben die Schneiders nicht dabei, „das ist zu viel Gepäck“, erklärt Andreas.

Doppelhaushälfte zu vermieten

Stattdessen setzen sie auf ihr großes Netz an Familien und Freunden weltweit, bei denen sie auch mal länger bleiben können. Als Budget haben sie 120 Euro täglich eingeplant für alle fünf. „Viele denken, so was können nur Leute machen, die viel Geld haben. Das ist aber nicht so“, findet Maike Schneider. Sie wollen wenn möglich selber kochen, viel Obst essen. „Wir sind meistens in warmen Gebieten unterwegs, da braucht man insgesamt nicht viel, auch an Klamotten“, sagt Maike Schneider. Das sympathische Paar will mit seiner Reise auch inspirieren – aus diesem Grund gibt es einen Blog, auf dem die Schneiders über die Vorbereitungen und die Reise informieren, erzählen, wie es ihnen ergeht. „Viele haben da doch diese Sehnsucht, trauen sich aber nicht. Vielleicht können wir Impulse geben“, sagt Maike Schneider. „Das ist auch ein Appell. Denn worum geht es im Leben überhaupt?“

Die Doppelhaushälfte ist noch zu mieten, Interessenten werden gebeten, sich unter z (0163) 2 57 25 70 zu melden. Der Blog findet sich unter travelwithmojo.com.

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