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Na sowas! Erst als Sabine Obermann an den Ammersee gezogen war, entdeckte sie durch ein Bild, dass ihr Urgroßvater vor langer Zeit auch schon mal hier war. Sein Gemälde ist der Beweis.

Auf den Spuren des Ur-Großvaters

Buch/Breitbrunn - Nach 70 Jahren haben sich ihre Wege. Die des Ur-Großvaters und die seiner Ur-Enkelin.

Und die Welt ist doch ein Dorf. Genauer genommen die Ortsteile Buch in der Gemeinde Inning und Breitbrunn in der Gemeinde Herrsching, aber auch ein bisschen Schlagenhofen in der Gemeinde Inning. Hier nämlich kreuzen sich nach gut 70 Jahren die Wege eines Malers und seiner Urenkelin, die 1994 in Buch ihre Heimat gefunden hat. Die Rede ist von Sabine Obermann, die eines Tages mit einem Gemälde des Urgroßvaters an der Stelle stand, auf der Julius Müller einst seine Staffelei aufgeschlagen hatte. Rein zufällig stießen Obermann und ihre Mutter Ingeborg Zorn beim Durchsehen der Gemälde auf diesen Flecken Erde beim Dampfersteg in Breitbrunn, also gerade Mal drei Kilometer von Obermanns Zuhause entfernt.

In Kohle und mit einem Hauch Farbe hatte der Inhaber eines Fotoateliers im Erzgebirge den mächtigen Holzsteg in Breitbrunn festgehalten, an dem Jahr für Jahr die Dampfer anlegen. Dazu das kleine, gelbe Häuschen und die Böschung zur Liegewiese. Der Bildhauer, ausgebildete Maler und Fotograf, so sollte sich herausstellen, hatte sich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges mit seiner Frau und den drei Töchtern in Breitbrunn erholt und bannte mit seinem fotografischen Auge die Magie der Landschaft rund um das Fünfseenland auf Leinwand. Heute gewähren seine Zeichnungen eine Zeitreise zurück in eine Ära, in der eigener Grund und Boden noch erschwinglich waren und Bauernhöfe die Straßenzüge säumten.

Praktisch unverändert geblieben ist die Perspektive zum Dampfersteg. Das Gemälde schmückt heute die Wohnung der Urenkelin. Freilich gab es früher dort noch keinen Kiosk, an dem im Sommer Getränke und im Winter Glühwein ausgeschenkt wird. Und die beiden Bänke, auf denen in Julius Müllers Abbildung ein paar Sommerfrischler die Ruhe des Sees auf sich wirken lassen, sind auch nicht mehr dort, wo sie Mitte des 20. Jahrhunderts standen. Das Häuschen mit der gelben Fassade, die Bootshütte und der Dampfersteg allerdings sind geblieben.

Ebenso unverändert ist die Liegewiese, auf der sich damals und heute zu jeder Jahreszeit Sonnenanbeter und Naturliebhaber niederlassen, einige Wagemutige sich gar im tiefsten Winter in die eisigen Fluten stürzen.

Nachdem Mutter und Tochter mehrer Gemälde vom Ammersee entdeckt hatten, übergaben sie ein Bild mit der Breitbrunner Kirche dem Kulturverein Herrsching. Bilder mit Straßenzügen von Schlagenhofen in Kreide oder Pastell hatte die Mutter verschenkt. Sie gab es einem Namensvetter des Künstlers, der es vertrauenvoll dem Verein Heimatgeschichte übergeben wollte.

Als 87-Jähriger reiste der Rentner aus und ging in den Westen. Seine neue Heimat suchte er nicht am Ammersee. Dafür sollte hier eines Tages seine Ur-Enkelin Fuß fassen. Geboren 1966 – im Jahr, in dem Julius Müller starb. mk

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