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Entrüstet ist Jack Schiltz auch am Tag nach der Beschimpfung durch den Busfahrer immer noch. An dieser Stelle stieg er in den Bus der Linie 950.

Busfahrer wird ausfällig

Stinkefinger für den Fahrgast

Starnberg – Das Bus-Unternehmen macht die Verkehrssituation in Starnberg und den Stresspegel der Mitarbeiter dafür verantwortlich.

Jack Schiltz möchte am Montagabend am Kirchplatz in Starnberg in den Bus der Linie 950 einsteigen, um zu seinem Reha-Sport am Bahnhof Nord zu kommen. Der Bus hält aber „gut 20 Meter von der Haltestelle entfernt“ an, wie er sagt. „Ich stand als Einziger an der Haltestelle. Er hielt für mich an, aber nicht bei mir.“ Dabei habe ihn kein Fahrzeug daran gehindert. Der Fahrer habe per Freisprechanlage telefoniert, in anderer Sprache – also sei es wohl kein Dienstgespräch gewesen. „Er stand dort zwei Minuten lang. Ich musste an die Tür klopfen, dass er überhaupt aufmacht.“ Dann ging es laut dem 44-jährigen Starnberger so richtig los. 

Betriebsleiter: Bus kann 25 Meter vor und hinter Schild halten

„Was willst du“, habe ihn der Busfahrer gefragt. Als ihn Schiltz nach seinem Zustieg noch darauf hinwies, dass der Halt der Bushaltestelle weiter vorne sei, „war er sofort auf 180. Er wurde extrem ausfällig, bezeichnete mich als ´Schwuchtel´.“ Während der kurzen Fahrt über zwei Haltestellen „hat er mir immer wieder den Stinkefinger gezeigt und die ganze Zeit vor sich hingemeckert“. Mit stoischer Ruhe habe Schiltz in einer der vorderen Reihen gesessen, doch irgendwann reichte es ihm. 

Der Busfahrer zeigte eine eindeutige Geste.

Der 44-Jährige hat den Fahrer mit seinem Handy fotografiert, während dieser eine eindeutige Geste zeigt. Auf Nachfrage räumt das Busunternehmen Geldhauser, das diese Linie fährt, die Beleidigungen ein. „Unser Mitarbeiter wurde aber erst ausfällig, nachdem der Mann unflätig wurde“, betont Betriebsleiter Cornelius Kournettas. Ansonsten dementiert er nach Rücksprache mit dem Fahrer den Hergang. Er habe nämlich zulässig gehalten. „Der Haltestellenbereich ist 25 Meter vor und nach dem Schild.“ Der Bus hielt, zwei Kundinnen hätten das Fahrzeug verlassen. „Der Fahrgast hat nicht das Recht, dass der Bus zentimetergenau vor seine Füße fährt“, sagt Kournettas. 

Schwierige Verkehrssituation: "Starnberg sollte sich mal an die eigene Nase fassen"

Der Fahrer habe Schiltz außerdem als korpulent beschrieben, weshalb Kournettas schlussfolgert: „Das hat sicher auch was mit dem Körpergewicht zu tun gehabt.“ Warum sich aber sein Fahrer zu Beleidigungen hinreißen ließ? „Das Problem ist die Verkehrssituation“, sagt Kournettas. „Es gibt extrem viele Baustellen.“ Insgesamt sei „es eine ungute Situation“. Die Fahrer bekämen den ganzen Tag den Ärger der Kunden ab, wenn sie sich aufgrund der schwierigen Verkehrssituation unverschuldet verspäteten. „Sie sind die Prügelknaben für die Gesamtbevölkerung. Die Fahrgäste lassen den Frust über den ÖPNV an den Fahrern aus“, ärgert sich der Betriebsleiter. „Irgendwann ist der Kanal auch mal voll.“ 

Dabei „sollte sich die Stadt Starnberg mal an die eigene Nase fassen“. Schiltz hat den Vorfall auch in öffentlichen Netzwerken publik gemacht. In Kommentaren hagelt es dort weitere Beschwerden: Der Busfahrer ließe Schüler stehen, telefoniere öfters während der Fahrt. Betriebsleiter Kournettas entgegnet: „Es ist einer der Mitarbeiter, über den es beim MVV keine Beschwerde gibt.“ Über Konsequenzen für den Fahrer werde er sich erst noch Gedanken machen.

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