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Neue Linien: Zur Einführung der neuen Stadtlinien präsentierten Stadt, MVV und Unternehmen im Dezember Busse und Fahrpläne. In einem anonymen Schreiben werden gegen die Firma nun Vorwürfe erhoben, die das Unternehmen als Rachefeldzug betrachtet.

Angebliche Missstände

Busfahrer sorgt mit Brief für Wirbel

Starnberg – In einem öffentlichen, aber anonymen Brief kritisiert ein Busfahrer Missstände im Starnberger Busverkehr – MVV und das Landratsamt reagieren. Das Unternehmen spricht von einem „Rachefeldzug“.

Busfahren in Starnberg ist emotional. Kunden beschweren sich über das Verhalten von Busfahrern, die hadern selbst – etwa mit dem Verkehr. Nun gibt es einen Vorfall mit potenziell deutlich mehr Tragweite. Ein Busfahrer, der anonym bleiben möchte, erhebt in einem Brief an Landratsamt, Medien, MVV und Polizei schwere Vorwürfe. Der Tenor: Niemand kontrolliere die Einhaltung der Lenkpausen oder die Sicherheit. Unterzeichnet haben den Brief „die Busfahrer der Linien 901, 902 und 903“. Der Schreiber gibt vor, Fahrer des Busunternehmens Waibel zu sein, das diese Linien in Starnberg fährt. „Wir überziehen die Lenkzeit teilweise sehr deutlich“, schreibt er. 

Betriebsleiter dementiert nicht: Drei Viertel der Fahrer in letzten neun Monaten gewechselt

An das Schreiben sind Kopien von Fahrtenschreibern angefügt, die Pausen der Fahrer dokumentieren. Verkehrsbedingt sei es gar nicht möglich, die gesetzlich vorgeschrieben Pausenzeiten einzuhalten. „Das ist nicht richtig“, entgegnet Betriebsleiter Horst Argesheimer. Waibel habe dem MVV auf Anforderung eine Stellungnahme geschickt. Darin dementiert das Unternehmen die Zustände. „Es ist ein Rachefeldzug“, erklärt Argesheimer. Man habe bereits jemanden in Verdacht. „Es gibt keinen Fahrer dieser Linien, der eine Beschwerde geschrieben hat.“ Argesheimer verneint auch die weiteren Vorwürfe, die der Schreiber anprangert. 

„Der Anteil der Fahrer, die schlecht oder gar nicht deutsch sprechen, ist in der Firma sehr hoch“, heißt es. Im Notfall seien daher sprachliche Probleme zu befürchten. „Das schließe ich aus“, sagt Argesheimer. Ausländische Fahrer müssten vor einer Einstellung einen Deutsch-Test nachweisen. „Sechs haben ihn mit mehr oder weniger Elan gemacht.“ Dem Schreiben beigefügt sind mutmaßliche Dienstpläne – die böten wenig Zeit für Erholung. Zu erkennen ist: Einer der 17 Mitarbeiter fuhr im gesamten Juli sechs Tage pro Woche. Die im Schreiben genannte Fluktuationsquote von 75 Prozent in neun Monaten verneint Argesheimer nicht. „Vier haben selbst gekündigt, der ein oder andere ist nach München gegangen“, erklärt der Betriebsleiter, „das ist doch legitim.“ 

MVV erwägt Strafen: "Das kann ins Geld gehen"

Die Busunternehmen leiden unter Fahrermangel. Seit Monaten sucht er zwei Auszubildende, die Akquise neuer Fahrer laufe „ganz schlecht“. So schlecht, dass sogar Mitarbeiter ohne Führerschein fahren? Geprüft werde es nicht, heißt es in dem Schreiben. „Zwei Mal im Jahr kontrollieren wir den Führerschein“, sagt Argesheimer hingegen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, spricht der MVV Vertragsstrafen aus, wie dessen Sprecherin Beate Brennauer ankündigt. 100 bis 200 Euro pro Tag gebe der Vertrag her. „Das kann ins Geld gehen.“ Bei Beschwerden über das Unternehmen gebe es „immer wieder mal Kleinigkeiten“. Bis 2023 läuft der Vertrag zwischen Landratsamt und Waibel. Eine vorzeitige Trennung steht nicht im Raum, betont Verkehrsmanagerin Susanne Münster. „Dafür müsste es eine sehr, sehr nachhaltige Schlechtleistung sein.“ Sie glaubt nicht, dass der Preisdruck zu Missständen führt. „Das wirtschaftlichste Angebot wird genommen“, sagt Münster über die Linien-Vergabe, „aber es wird geprüft, dass es kein Dumping-Angebot ist.“ Bei vier Qualitätskontrollen auf den drei Linien hätte es heuer keine größeren Vorfälle gegeben.

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