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Die Einbahnstraße beginnt erst im nördlichen Teil der Wittelsbacherstraße.

Verkehrsplanung

Einzelhändler wehren sich gegen Einbahnstraße

Starnberg – Wegen der Einbahnstraßenregelung in der Wittelsbacherstraße klagen Einzelhändler über massive Einbußen. Sie schließen sich zusammen und eine Klage nicht aus.

Acht Starnberger Einzelhändler, jede Menge Wut. Hans Linse hat eingeladen. An dem Tisch des Inhabers von Schuhhaus Linse saßen gestern Vertreter aus den Branchen Ausstattung, Elektronik, Marketing oder Textil. Alle haben sie Geschäfte an und in der Nähe der Wittelsbacherstraße. Alle hadern sie mit einer Verkehrsentscheidung: der Einbahnstraßenregelung. Diese gilt im nördlichen Teil der Straße Richtung Tutzinger Hof. Seit vergangenem Frühjahr gibt es dadurch weniger Verkehr in der Einkaufsstraße. 

Einzelhändler beklagt 30 Prozent Umsatzrückgang

„Seitdem konnte ich monatlich schauen, wie es weniger wird“, berichtet Linse und spricht von 150 000 Euro Umsatzrückgang. Dabei seien die erste Monate des vergangenen Jahres super gelaufen. Selbiges berichtet auch Detlef Heinrich, der mit seinem Taschengeschäft 30 Prozent Rückgang beklagt. Wer vom Tutzinger Hof in die Wittelsbacherstraße möchte, muss den Umweg über die Kaiser-Wilhelm-Straße fahren. Die Einzelhändler berichten: Viele Stammkunden nähmen den Umweg nicht in Kauf, Neukunden würden so nicht angelockt. „Der Lauf fehlt total. Ab und zu kommt drei, vier Stunden lang kein Mensch“, sagt Maria Koch, Inhaberin eines Textilgeschäfts. 

Eigentlich sollte die Einbahnstraßenregelung nur während der Bauarbeiten am Georgenbach bis Ende April gelten. Doch für Bürgermeisterin Eva John hat sich die Regelung bewährt. Vor allem von Fußgängern und Radfahrern gebe es positive Rückmeldungen (wir berichteten). Die Einzelhändler fühlen sich nicht gehört und übergangen. „Wer denkt denn ans uns?“, fragt Marion Rankel, die ein Geschäft für Bademode und Dessous leitet. „Für mich ist es existenzbedrohend.“ Die Einzelhändler fürchten wegen der generellen Verkehrsführung um die Attraktivität der Innenstadt. 

Einzelhändler wollen Unterschriftenaktion starten - und eventuell klagen

„Indem man die Zufahrten in die Stadt kappt, macht man die Innenstadt kaputt“, sagt Roland Richter, Betreiber einer Marketingagentur, und warnt: „Wir verlieren an Einzelhandel-Qualität. Die Leute werden noch mehr nach Weilheim und München gehen.“ Linse sagt über ein Aussterben des Einzelhandels: „Das dauert nicht mehr so lange. Wenn meine Umsätze weiter so einbrechen, vermiete ich mein Geschäft.“ Ein Standortwechsel ist für die Einzelhändler keine Option. Auch nicht für Bettina Strate und ihr Modegeschäft. „Ich habe viel investiert und gerade umgebaut“, sagt sie und schüttelt den Kopf. 

Mit einer Unterschriftenaktion wollen die Einzelhändler Bürger und Geschäftsleute ins Boot holen. „Die Leute sollen in die betroffenen Geschäfte gehen und mit den Inhabern reden“, hofft Richter. Die Einzelhändler behalten sich auch eine gemeinsame Klage vor. „Wir haben nicht viel Luft. So eine Entscheidung ist der letzte Stich“, sagt Rankel. „Will man denn eine Geisterstadt haben?“ 

Modegeschäft Münch schließt - ein Opfer der Verkehrsplanung?

Vom Merkur mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt Bürgermeisterin Eva John: „Ich habe mit vielen Einzelhändlern Kontakt. Es gibt unterschiedliche Sichtweisen.“ Ein Geschäft im nördlichen Teil der Straße etwa sehe viel Potenzial in der Einbahnstraßenregelung und wolle sich vergrößern. Außerdem: „Alles auf die Einbahnstraße zu schieben, ist sehr pauschal. Es gibt immernoch eine Erreichbarkeit. Wir reden nur von einem Teil und einer Richtung der Straße.“ Die Möglichkeit zum Austausch biete sie Unternehmern bei einem Treffen alle zwei Monate an. „Da wurde es vorgestellt. Die, die sich aufregen, haben daran nicht teilgenommen.“ Sie hofft auf einen Austausch bei der Öffentlichkeitsbeteiligung im Juni. 

Die Aufregung „kann ich ein kleines bisschen verstehen. Aber man muss auch an andere Interessen denken“, sagt John im Hinblick auf die Ziele des Verkehrsentwicklungsplanes. Demnach soll der Durchgangsverkehr aus der Innenstadt verlagert werden. Alleine durch die geplante Verkehrsführung „wird kein Einzelhandel aussterben“. Ein negatives Beispiel sehen die Händler am Modegeschäft Münch. Das wird Ende der Woche seine Schließung bekannt geben – und ist nach Meinung der Einzelhändler unter anderem wegen des Verkehrskonzepts gescheitert. „Wenn so ein Unternehmen wegstirbt, kann das nicht normal sein“, glaubt Strate.

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