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Die ehemalige Filiale der Deutschen Bank in der Maximilianstraße steht leer. 
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Das Ex-"Phone Rescue" wartet auf Rettung.
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Der ehemalige "Schuhtingstar" an der Hauptstraße.
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Das ehemalige Trachtengeschäft an der Hauptstraße. 
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Der Laden neben dem Seereisenplaner an der Hauptstraße. 
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Das "Centrum" steht schon seit Jahren leer.

Einzelhandel

Stirbt der Einzelhandel in Starnberg?

Starnberg - Der Starnberger Einzelhandel droht zu siechen. Angesichts der wachsenden Zahl leerer Schaufenster mahnt Cityinitiative-Vorsitzender Gerald Funk einen verbraucherfreundlicheren Branchenmix an.

Der Deutsche Städte- und Gemeindetag hatte kurz vor dem Jahreswechsel Alarm geschlagen. Der boomende Online-Handel werde zu einer Verödung der Innenstädte beitragen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg, fürchtet, bis 2020 werden bis zu 50 000 Läden in Gefahr seien. 

Ihm pflichtet sein Kollege vom Handelsverband Deutschland, Stefan Genth, bei, der vor einer nachlassenden Nachfrage in den Innenstädten warnt. Auch er glaubt, bis in vier Jahren könnten 50 000 Einzelhandels-Standorte vom Markt verschwunden sein. Über diese Größenordnung will Gerald Funk nicht spekulieren. Der Vorsitzende der Cityinitiative Starnberg sieht aber auch die besondere Herausforderung für den klassischen Einzelhändler. „Es gibt eine Verlagerung, einen Strukturwandel“, sagt Funk und stellt fest: „Der Handel unterliegt einem stetigen Wandel.“ 

Der wachsenden Konkurrenz Online-Shopping werde der Einzelhandel Paroli bieten können, wenn er sich auf seine ureigenen Tugenden und Fähigkeiten besinne: Dienstleistung und perfekter Kundendienst. Das könne der Online-Handel nicht leisten. Über das Internet erworbene Kleinartikel seien häufig mit unverhältnismäßig hohen Zustellgebühren verbunden. „Und wenn etwas nicht passt, defekt ist oder einen anderen Makel hat, ist ein Umtausch oder eine Nachbesserung umständlich“, sagt Funk, „das können wir als stationäre Händler schneller und kulanter lösen.“ 

Funk betreibt im Stadtmarkt Starnberg das Fachgeschäft Cucinella für „Kochen, Grillen und Genießen“. Er sagt: „Wir müssen uns an den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden orientieren.“ Und an diesem Punkt hapere es in Starnberg, meint der Cityinitiative-Chef: „Unser Einzelhandel krankt an der mangelhaften Vielfalt im Angebot.“

Eklatant sei dieser Mangel in der Bekleidungsbranche. Es fehle bezahlbare Kleidung, bezahlbar für Leute mit nicht so prall gefülltem Geldbeutel, egal ob jung oder alt. Deshalb verliere Starnberg viel Kaufkraft an München, aber auch an benachbarte Mittelzentren, zum Beispiel Weilheim. Starnbergs Einzelhandel laufe daher auch Gefahr, die Grundversorgung aus der Hand zu geben, warnt Funk: „Wenn der Kunde 15 bis 20 Kilometer oder weiter fährt, um sich zu besorgen, was er in Starnberg nicht bekommt, und wenn er sich dann dort auch mit Butter, Brot und Milch eindeckt, dann stimmt etwas nicht in Starnberg.“ 

Damit schließt sich der Kreis: Der Branchenmix gehört aufgemöbelt. Dazu bedarf es der entsprechenden Ladenflächen. „Nicht jedes Ladenlokal ist für alles geeignet“, sagt Funk. Lage und Größe müssten stimmen – und der Preis. Ein Kernproblem für Starnberger Einzelhändler. „Ein Geschäft zu eröffnen, nur um Geld mitzubringen, macht keinen Sinn“, sagt Funk. Auch in Richtung Vermieter gewerblicher Flächen erwähnt Funk, dass im Einzelhandel keine Renditen wie in der Industrie erwirtschaftet würden. Die finanzielle Manövriermasse sei in vielen Fällen sehr begrenzt. 

Am 1. Dezember beginne für viele Einzelhandelsbranchen das Geschäft des Jahres. Bis zum Jahresende müsse das kompensiert werden, was in schwachen Monaten auf der Strecke geblieben sei. Funk: „Wenn dann der Umsatz mal um fünf Prozent zurückgeht, kann das im Einzelfall existenzbedrohend sein.“ Die Herausforderungen für den Einzelhandel in Starnberg sind klar definiert. „Wir schaffen das“, davon geht Funk aus, denn er ist sich sicher: „Wer vor Ort seinen Job gut macht, kann mit einem stationären Angebot am Markt bestehen, auch gegen das Internet.“

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