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Französische Raffinesse: „Halt mal den Daumen nach oben“, meinte Jean-Michel Féret zu seiner Frau Gabriele, während das Foto gemacht wurde. Und schmuggelte so seinen Ergebnistipp fürs Halbfinale auf das Bild. 

EM-Halbfibnale

Ein charmantes Schlitzohr setzt auf Les Bleues

Söcking/Martinsried – Bei Jean-Michel Féret sind nicht nur die Messer scharf. Auch seine Sprüche sitzen wie der Schnitt beim Filetieren: „Natürlich gewinnen die Franzosen das Halbfinale. Mit dem Fußball ist das ein bisschen wie mit dem Kochen: Die deutsche Küche ist immer besser geworden. Bald ist sie so gut wie die in Frankreich.“

Seit mehr als 20 Jahren lebt der Franzose nun schon in Deutschland. Aber bei Küche und Fußball schlägt sein Herz immer noch für die Grande Nation. Ehrensache. Seine Kinder – Victoria (13) und die Zwillinge Etienne und Leonard (11) – hat er dabei an seiner Seite. Auch sie jubeln für „Les Bleus“.

Seine Begeisterung für die französischen Kicker ist fast ansteckend. Auch weil sie mit mannigfaltigen kulinarischen Verlockungen garniert ist. Wenn die Deutschen heute gegen die Franzosen antreten, lockt er im Restaurant des Hotels „Seven and more“ in Martinsried, in dem er den Kochlöffel schwingt, nicht nur mit einem speziellen EM-Menü – gratinierter Ziegenkäse im Speckmantel, Rinderschmorbäckchen in Rotweinsauce an Selleriepüree und Schokotimbale mit Vanilleeis –, Féret zieht auch die Spendierhosen an. Vor dem Anpfiff des Gaumenschmauses gibt er einen Aperitiv aus, für jedes französische Tor ein Glas vom Roten oder Weißen, für jedes deutsche Tor ein Bier. „Schwierig wird es nur beim Elfmeterschießen“, meint er und lacht. Die Gäste sollten vorsorglich mal lieber ein Taxi für die Heimfahrt bestellen.

Wie in Frankreich üblich, wird dann die ganze Familie im Restaurant mithelfen und mitfeiern – auch die Schwiegereltern. Selbst hier setzt Jean-Michel Féret neben der französischen auf die Charme-Offensive: „Ich habe meinem Schwiegervater eine schöne Zigarre versprochen.“

Auch bei der Liebe ließ er nichts anbrennen

Seine Frau Gabriele nimmt es mit Humor. Sie wusste, worauf sie sich einlässt. Seit jenem Tag vor 20 Jahren, als sie ihrem Jean-Michel in der Münchner Nobel-Disko „Maximilians“ über den Weg lief. Beim zweiten Treffen war dem Franzosen klar: „Die ist es.“ Und als Chefkoch ließ er dann auch nichts anbrennen: Sechs Monate später läuteten die Hochzeitsglocken.

Gemeinsam betrieben die Férets anschließend mehr als zehn Jahre lang das Restaurant des Golfclubs in Hadorf, bevor es sie ins „Seven and more“ zog. Féret ist immer noch begeistert von dem schicken Hotel am Martinsrieder Wissenschaftscampus. Besonders vom Privatrestaurant im siebten Stock. Wer sich hier vom lustigen Franzosen bekochen lassen möchte, der muss sich um eine Zugangskarte bewerben. Nur 350 Personen nennen eine solche ihr eigen und können neben französischer Küche einen spektakulären Ausblick und eine goldene Bar genießen.

Doch zunächst wartet das EM-Halbfinale. Und da wird selbst Féret auf einmal ernst. Für ihn ist die Sache klar: „Bei den Deutschen fehlen Gomez, Khedira und Hummels, hinter Schweinsteiger steht ein dickes Fragezeichen. Bei uns sind alle fit und hochmotiviert.“ 2:1 werden Les Bleus siegen, sagt der Koch. Und hofft, dass ihm am Ende nicht doch noch die deutsche Nationalelf – ob verletzungsgeschwächt oder nicht – die Suppe versalzt.

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