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Unschöner Anblick: Der Starnberger Adolf Weiß kann von seinem Balkon aus beobachten, was wann und wie am Projekt „Max Zimmermann 6“ gearbeitet wird.

Baustellenlärm

Frühstück mit Bagger und Bohrer

Starnberg - Bohrlärm, Dieselruß und krachende Bagger – das Bauvorhaben „Max Zimmermann 6“ in Starnbergs Mitte erzürnt die Anwohner.

Im Mahagoni-Sekretär stehen Bücher über die Kunstgeschichte Europas und Schiller, im Büro Familienfotos und Übersetzungsbücher: Italienisch, Portugiesisch, Englisch und Spanisch. In der Küche duftet es nach Cappu-ccino – das Ehepaar Weiß fühlt sich wohl in seiner 86-Quadratmeter-Wohnung mitten in Starnberg. Vom Balkon aus sehen sie die Kirche St. Joseph, das Starnberger Schloss und die Windräder am See – Idylle pur. 

Seit einigen Monaten ist es jedoch vorbei mit der Ruhe. Direkt vor den Wohnzimmerfenstern klafft ein Riesenloch in der Wohnsiedlung. Das Unternehmen Ehret + Klein baut: In zentraler Starnberger Lage entwickelt man ein neues Wohnprojekt, „das gehobenen Ansprüchen genügt“, heißt es auf der Homepage. „Sieben Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern und ruhigen Balkonen ins Grüne erwarten die neuen Eigentümer.“ Große Bagger, Bohrer und Lkw stören die Ruhe der Anwohner. „Das ist unerträglich. Der Lärm ist nicht mehr auszuhalten“, erzählt Adolf Weiß (77). Der gelernte Lithograf ist inzwischen im Ruhestand und hat akribisch festgehalten, wann die vorgegebenen Zeiten, 7 bis 20 Uhr, nicht eingehalten wurden. „Erst heute Morgen sind die ersten Lkw wieder um 6.30 Uhr im Einsatz gewesen, und wenn die den Rückwärtsgang einlegen und es pfeift, ist es vorbei mit der Ruhe“, erzählt der Rentner. Es sei ein Graus, was in Starnberg baulich derzeit alles genehmigt werde, schimpft Gattin Sabine Weiß, der die Entwicklung ein Dorn im Auge ist: „Fragen Sie mal die Leute in der Kaiser-Wilhelm-Straße oder schauen in der Von-der-Tann-Straße, da steht die nächste Bautafel.“ 

Tatsächlich hat es laut Investor Tage gegeben, an denen ohne Erlaubnis am Projekt „Max Zimmermann 6“ gearbeitet wurde. Wie Unternehmenssprecherin Anke Witzel bestätigt, seien beim Aushub unvorhersehbare Bedingungen vorgefunden worden. Im Klartext: Das Grundwasser stand höher als vermutet. Daher habe man eine Spezialfirma aus den Niederlanden beauftragen müssen, Betonbohrpfähle einzusetzen. „Da war dementsprechend eine Betonmischmaschine im Einsatz und es kam zu einer massiven Belastung für die Anwohner“, so Ehret+Klein-Sprecherin Witzel. Ihr sei aber wichtig zu kommunizieren, dass diese Schwerstarbeiten beendet und keine weiteren Belastungen diesbezüglich mehr zu erwarten seien. Die Voraussetzungen für die geplante Tiefgarage mit 17 Stellplätzen seien nun gegeben, mit einer Fertigstellung des Projekts könne bis Ende 2016 gerechnet werden, die Wohnungen seien größtenteils verkauft. 

Das Ehepaar Weiß will diesen Ausführungen so recht nicht trauen. Bis Mitte August müssten sich Anwohner noch auf Lärmbelästigungen einstellen, habe ihnen der Projektleiter vor Ort gesagt. Außerdem sprach der eher von einer Fertigstellung bis Mitte 2017. Das Problem des Lärms außerhalb der erlaubten Zeiten habe man auch schon mit der Polizei besprochen. Bei der Starnberger Inspektion bestätigte ein Sprecher gestern, dass die Problematik bekannt, derzeit aber nicht akut oder besonders prekär sei. Mit Beschwerden von Anwohnern über Baulärm habe man immer mal wieder zu tun. Das Ehepaar Weiß denkt an die Flucht. „Wenn Ferien sind und meine Frau nicht mehr in der Schule arbeiten muss, werden wir wohl ein paar Tage abhauen, damit wir endlich unsere Ruhe haben“, sagt Adolf Weiß.

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