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Ein Paradies für den süßen Gaumen: Stadtführerin Friederike Eickelschulte präsentiert den Schmankerl-Spaziergängern Pralinen von Elly Seidl.

Schmankerl-Spaziergang

So erlesen schmeckt Starnberg

Starnberg - Durch Starnberg spazieren, Stadtgeschichte erleben und Gaumenfreuden genießen, kurz: Mit der Gabel auf historischen Spuren. Der Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land hat die Kulinarische Stadtführung wiederbelebt.

2012 war dieses Angebot erstmals im Programm des Verbandes aufgetaucht, nach der zweiten Saison aber wieder eingeschlafen. Jetzt hat sich Stadtführerin Friederike Eickelschulte um die Fortsetzung bemüht. Sie hat diae kulinarischen Partner geworben. Und sie hat dem aus dem Schlaf erweckten Dornröschen einen neuen, wie sie meint sympathischeren Namen gegeben: Schmankerl-Spaziergang. Am Wochenende war Premiere. Wir waren dabei.

Starnberg ist ein besonderes und, nicht nur, aber auch, ein teures Pflaster. Das haben zwei Teilnehmer der Stadtführung erfahren müssen, noch bevor sie die ersten Schritte auf der Runde gesetzt hatten. Gegen den Durst hatten sie sich rasch noch mit zwei kleinen Flaschen Mineralwasser versorgt. Dafür mussten sie zusammen fünf Euro auf den Tresen eines Kiosks legen, berichten sie mit vorwurfsvollem Unterton der Stadtführerin. Friederike Eickelschulte bleibt gelassen: „Das ist normal, wir sind in Starnberg. Sie hätten es auch noch teurer haben können.“ Und sie verteilt an die beiden Wassertrinker ebenso wie an alle anderen Teilnehmer biologisch abbaubare und mit dem Stadtwappen verzierte Gabeln. Los geht’s.

Apropos Pflaster: Die Stadtführungen starten an der Stele des Tourismusverbandes gleich neben dem Dampfersteg. „Wenn Sie vor gut 150 Jahren hier gestanden wären, hätten sie nasse Füße bekommen“, klärt die kundige Führerin ihre Gruppe auf, dass damals für die Verlängerung der 1854 in Betrieb genommenen Eisenbahnstrecke München-Starnberg nach Tutzing und Weilheim dem See Land abgetrotzt wurde. Die Gleise mussten auf die Seeseite des Bahnhofes verlegt werden. Zugleich wurde Raum geschaffen zur Gestaltung der Seepromenade. Weil das Bahnhofsgebäude aber nicht gedreht werden konnte, erklärt es sich, dass sich die überdachte Wartehalle immer noch auf der zur Stadt ausgerichteten Gebäudeseite befindet. Dort hielt in den ersten Jahren die Eisenbahn, um dann beim heutigen Rondell vor dem Hotel Bayerischer Hof zur Rückfahrt nach München zu wenden.

Kaum dass die Gruppe das Bahnhofsareal verlassen hat, steht sie schon vor dem ersten kulinarischen Zwischenstopp, der Starnberger Filiale der im Würmtal ansässigen Pralinen- und Schokoladen-Manufaktur Elly Seidl. Friederike Eickelschulte erzählt die Firmengeschichte. Mit dem verführerischen Geschmack zart schmelzender Schokolade unter dem Gaumen marschiert die Gruppe weiter zur Stadtpfarrkirche.

Werner Schmid, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes, ist mit der Zusammensetzung der Besuchergruppe zufrieden. Der Verband möchte mit dem Schmankerl-Spaziergang nicht nur den touristischen Gast ansprechen, sondern auch die heimische Klientel. Das Konzept ist aufgegangen: Neben den Mitarbeitern einer Versicherungsagentur aus Hannover, die ihren Betriebsausflug nach München mit der Stadtführung in Starnberg starten, ist auch eine etwa gleichgroße Gruppe Kreisstädter dabei. Die jungen Leute haben den Spaziergang geschenkt bekommen. Und die Schenkende, die Frau Mama, ist auch mit von der Partie. Schmid: „Unsere kulinarischen Partner sollen dafür, dass sie bei uns mitmachen, auch einen Mehrwert bekommen. Und der stellt sich ein, wenn Teilnehmer der Führungen als Kunden in die Läden unserer Partner zurückkehren.“

Nach der kleinen Kalorienbombe zum Auftakt wartet gegenüber vom Portal der Stadtpfarrkirche St. Maria ein gesunder Trank auf die Spaziergänger. Renate Ginhold, Inhaberin des Café Luna, schenkt ihnen einen aus Rote Beete, Karotten und Ingwer gepressten Saft ein. Genau die richtige Stärkung für den weiteren Weg, der hinauf auf den Schlossberg führt.

Dort wartet das Kontrastprogramm zur nüchternen, in der Zeit des Nationalsozialismus gebauten St.-Maria-Kirche: die frühere Pfarrkirche St. Josef, die auf dem Standort des zum Schloss gehörenden Tanzhauses errichtet wurde. Das kleine Gotteshaus entspricht zwar auch nicht dem bayerischen Barock, sondern kommt mit leicht verspielten Rokoko-Elementen optisch etwas ruhiger daher. Durch den im Renaissance-Stil angelegten Schlossgarten führt der Spaziergang zum Schloss selbst, weiter am Landrichterhaus vorbei zum Tutzinger-Hof-Platz.

Metzger Stefan Kandler hat eine reich gefüllte Schale mit seinen Wurst- und Schinkenspezialitäten vorbereitet, zu der er frisches Baguette reicht. Wegen Betriebsferien des benachbarten Feinkost-Geschäfts Sembritzki muss die Gruppe auf Käsehappen verzichten, soll aber später mit einem Überraschungsschmankerl entschädigt werden.

Über den Tutzinger-Hof-Platz mit dem Wirtshaus und dem Maibaum führt die Runde weiter durch die Maximilianstraße. Am Ende der Starnberger Flaniermeile wartet auf der Terrasse von Delikatessen Schindler der laut Programm abschließende kulinarische Höhepunkt. Zum süffigen und gut gekühlten portugiesischen Weißwein lassen sich die Gäste Häppchen von Lachs, Forelle und Renke, Quiche Lorraine, italienische Vorspeisen und Quinoa-Salat munden.

Friederike Eickelschulte wäre es wohl nicht gelungen, die Gruppe noch einmal auf die Beine zu bringen, wenn sie nicht noch eine verlockende Überraschung im Köcher gehabt hätte. So macht man sich auf zum noch nicht ganz fertiggestellten Bürgerpark bei der neuen Schiffswerft. Dort hat sich die Starnberger Eiswerkstatt eingerichtet, die mit Variationen wie Apfel-Heu, Banane-Kirsche, Zitrone-Basilikum und Birne-Minze – natürlich serviert in der vor Ort gebackenen Zimt-Waffel – den Schmankerl-Schlusspunkt setzt.

Die Spaziergänger sind satt, pappensatt. Der Betriebsausflug storniert seinen bereits in einem Starnberger Wirtshaus gebuchten Tisch. Es geht nichts mehr hinein. Nur noch eine frischgezapfte Halbe Bier im nahen Biergarten. Friederike Eickelschulte und Werner Schmid sind zufrieden. Die Premiere ist geglückt. Mit drei Stunden und 20 Minuten Dauer ist das Limit zwar deutlich überschritten. Aber die Überziehung hat sich gelohnt und ist Beleg dafür, dass sich die Kundschaft wohl gefühlt hat.

Schmankerl-Spaziergang:

Weitere Termine am 7. Oktober, 4. November und 9. Dezember. Die Führung ist auf 15 Personen beschränkt. Sie kostet 25 Euro pro Person. Treffpunkt ist an der Stele am Dampfersteg. Beginn: 15 Uhr. Dauer: mindestens zwei Stunden. Anmeldung: bis drei Tage vorher beim Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land, Hauptstraße 1, Starnberg, z (0 81 51) 9 06 00. Sonderführungen für geschlossene Gruppen an beliebigen Tagen sind möglich.

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