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Festivalleiter Matthias Helwig und seine Gäste: 300 Menschen fuhren am Mittwochabend mit der MS Starnberg in den lauen Sommerabend hinaus auf den See, 

Fünf-Seen-Filmfestival

Dampferfahrt mit kleinem Wölkchen

Starnberg - Seit Wochen war die Dampferfahrt des Fünf-Seen-Fimfestivals ausverkauft. Rund 400 Menschen genossen die Fahrt in die Abenddämmerung - und wählten den besten Kurzfilm aus.

Es gibt fast nichts Schöneres, als im Abendlicht über den Starnberger See zu gleiten, am mit Villen bestückten Seeufer entlang, die majestätische Alpenkette im Blick. Rund 400 Gäste genossen das Spektakel am Mittwochabend, und als die Sonne endlich fertig war mit ihrem besonders schönen Untergang, wandte sich das Publikum auch wieder dem Thema Film zu. Erstmals fand an Bord die Verleihung des Dokumentarfilmpreises statt, und zwar an Stefan Ludwigs „Der zornige Buddha“. Und für „Samira“ von Charlotte A, Rolfes gab es das Goldene Glühwürmchen. Der Film „100 Stunden Lesbos“ erhielt den Short Plus Award. 

Die FSFF-Dampferfahrt läutet auch immer den Endspurt des Festivals ein. Unter den Besuchern sind viele Sponsoren, Offizielle und Filmschaffende, aber durchaus auch Festival-Fans, die überall an Bord in Grüppchen über die Filme sprechen, die sie gesehen haben. Viele kommen aus dem Landkreis, mindestens genau so viele aus München und den Nachbarlandkreisen. Ein älteres Ehepaar aus Seeshaupt hat alle drei Kurzfilmnächte verfolgt: „Um halb elf war die Hälfte noch nicht um“, sagen sie, wundern sich über das Durchhaltevermögen der vielen Fans und geraten ins Schwärmen wegen der guten Film-Ideen. Insgesamt 24 Streifen musste die Jury bewerten, die besten drei flimmerten an Deck und im Bauch der MS Starnberg über die Leinwände. 

Gute Laune hatte auch Klaus Götzl vom Tourismusverband. „Wer hätte das gedacht, dass es sich so entwickeln würde mit dieser Dampferfahrt“, freute er sich. Bei der ersten Fahrt 2010 habe man sich noch ein bisschen besorgt gefragt, ob Helwig das stemmen kann. Und heute? Ausverkauft. Kult. Moderatorin war wie gewohnt eine sehr lustige Daniela Arnu von B 2. Sie ist eigentlich die beste Moderatorin des Festivals, und sie entlockte Matthias Helwig auf dem Dampfer auch ein paar ernste Töne. Jedenfalls umschrieb er sein zehntes Festival für sich nicht nur als schön, sondern in Teilen auch als schwierig und enttäuschend – das wollte Arnu dann doch genauer wissen. Bei wachsendem Zuschauerandrang steigen offensichtlich auch die Reibungsverluste zwischen Organisation und fordernden Gästen.

„Manche unserer Besucher sind sehr egoistisch, das ist schwierig“, stellte Helwig fest, und das Publikum verstummte ein bisschen betreten. Enttäuschend findet er außerdem, dass Komödien oft ausverkauft sind, aber im serbischen Film nebenan nur ein paar Leute sitzen. „Mein Bestreben ist, auch die Filme anzubieten, die schwieriger sind.“ Auf der einen Seite Kino im großen Stil wie bei einem Festival und Helwigs Anspruch – das klingt echt nach einem Spagat für diesen überzeugten Filmfreak. Das war dann aber auch das einzige kleine Wölkchen am Sternenhimmel, und es verzog sich auch sofort wieder. Darf ja auch mal gesagt werden.

Die Geschichte des zornigen Buddhas

Zu den Gewinnerfilmen des Abends: Der Regisseur des Sieger-Dokumentarfilms, Stefan Ludwig, konnte sein Glück fast nicht glauben. 2011 hatte er in Ungarn mit den Dreharbeiten zu „Der zornige Buddha“ begonnen, und bei der Preisverleihung auf dem Dampfer gab er zu, „dass es viele Momente gab, in denen ich gedacht habe: das wird nie ein Film“. Er begleitete in einer Langzeitstudie den aus einer Roma-Familie stammenden Lehrer János Orsós, der eine buddhistische Schule für Kinder aus den Ghettos gründet. 300 Stunden Material brachte Ludwig am Ende in den Schneideraum, insgesamt sei der Film ein langer Prozess gewesen, „in dem ich auch Demut und Gelassenheit gelernt habe“. Als Preis nahm er 3000 Euro von der Kreissparkasse entgegen. Zu sehen ist der Film ab 23. September in Österreich, ob es einen deutschen Filmstart geben wird, ist offen. 

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury der Dokumentation „Ama San“ über japanische Fischerinnen aus. 

Gewinner des Kurzfilmfestivals und damit des Goldenen Glühwürmchens ist „Samira“ von Charlotte A. Rolfes. Er zeigt in 17 Minuten, in welche extremen Situationen die Flüchtlingskrise jeden einzelnen bringen kann. Kuratorin Barbara Winkler vom Verein Weitwinkel übergab dafür 500 Euro. 

Mitfavorit war auch „(Out of Fra)me“ von Sophie Linnenbaum. Darin geht es um einen Typen, Paul, der im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen fällt. Auch der Zuschauer kann ihn nicht sehen. Überhaupt ist der Film originell von Anfang bis Ende. 

Der dritte Kurzfilm war „Der Wert der Arbeit“ von Matthias Koßmehl über den Straßenkehrer Bodo, der eines Tages etwas ganz Besonderes entdeckt und beschließt, aus der Versenkung aufzutauchen. Der Short Plus Award für längere Kurzfilme ging an „100 Stunden Lesbos“ von Manuela Federl. Er zeigt die Situation der Gestrandeten auf Lesbos/Griechenland. (hvp)

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