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ÖPNV

Ein Finger sorgt für Aufruhr

Starnberg - Von wegen Lappalie: Der Fall des Busfahrers, der in Starnberg einen Fahrgast unflätig beschimpft und ihm den Stinkefinger gezeigt hatte, sorgte für eifrigen Telefonverkehr zwischen Stadt, Landkreis und MVV.

Die Sache schlägt hohe Wellen: Am Montagabend wollte Jack Schiltz aus Starnberg am Kirchplatz in den Bus der Linie 950 einsteigen. Der Bus habe aber rund 20 Meter von der Haltestelle entfernt angehalten, berichtete er im Anschluss. Als er nach langem Klopfen dann schließlich doch in den Bus gelassen wurde, habe ihn der Fahrer wüst beschimpft, ihm immer wieder den Stinkefinger gezeigt (wir berichteten).

Als wäre das allein noch nicht irritierend genug, hatte der Chef des Busfahrers im Gespräch mit dem Starnberger Merkur den Fahrgast für die Eskalation verantwortlich gemacht. Sinngemäß hatte er gesagt, der Mann habe den Fahrer unflätig beschimpft. Zudem trage die Stadt Starnberg eine Mitverantwortung. Denn aufgrund der schwierigen Verkehrssituation seien die Fahrer „die Prügelknaben für die Gesamtbevölkerung“, wenn sich die Busse dauernd verspäten würden.

Das sagt die Stadt Starnberg

Ist da etwas dran? Wir fragten nach. Zuerst bei der Stadt Starnberg. Dort zeigte sich Pressesprecherin Lena Choi erschüttert über die Ausfälligkeiten des Busfahrers. Das werde mit dem Landkreis und dem Münchener Verkehrsverbund (MVV) noch eingehend diskutiert, meinte sie. Die neuen Stadtbuslinien seien noch in der Einführungsphase. Deswegen würden die zuständigen Mitarbeiter im Rathaus natürlich permanent prüfen, wo es noch Verbesserungsbedarf gebe. Stelle man fest, dass es auf einer Linie dauerhaft zu Verspätungen komme, dann suche man das Gespräch mit dem Landkreis, um entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Ein erhöhtes Aufkommen an Beschwerden über unhöfliche Fahrer sei ihr nicht bekannt.

Das sagt der Landkreis

Die Buslinien selbst werden vom Landkreis geplant. Auch dessen Pressesprecher Stefan Diebl hatte bereits von den Vorkommnissen in Starnberg gelesen. „Ich war irritiert, wie das Unternehmen reagiert hat“, meinte er am Mittwoch. „Wenn das wirklich so war, können wir das nicht hinnehmen“, setzte er hinzu. Es gebe bereits Gespräche mit dem MVV. Beim Landkreis werde laufend geprüft, ob die Fahrplanzeiten im Öffentlichen Personennahverkehr eingehalten werden. Derzeit sei es allerdings so, dass „in Starnberg auch an allen Ecken und Enden gebaut wird.“ Das sorgt natürlich des Öfteren dafür, dass sich in der Stadt der ewigen Blechlawine wirklich gar kein Rad mehr dreht. Deswegen den Fahrplan anzupassen, wäre aber nur bedingt sinnvoll. Denn die ersten Baustellen sind bereits wieder beendet.

Das sagt der MVV

„Die Linie 950 läuft seit 2009 ohne Probleme“, sagte MVV-Pressesprecherin Beate Brennauer gestern. Wenn es aufgrund von Baustellen zu Verzögerungen komme, setze man sich jederzeit gern mit dem beauftragten Unternehmen und dem Landkreis zusammen. „Im konkreten Fall ist das Unternehmen aber nie auf uns zugekommen.“

Im Fall der Fahrgastbeschimpfung werde man das Unternehmen jetzt anhören. Bestätige sich die Darstellung von Jack Schiltz, dann „werden wir die festgelegten Vertragsstrafen aussprechen“. Einem dem Merkur vorliegenden internen Papier zufolge kostet es beispielsweise 200 Euro, wenn der Fahrer während der Fahrt telefoniert. Beschimpfungen schlagen mit 100 Euro zu Buche.

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