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St. Pius in Pöcking war beim Reqiuem für Dr. Karl Wamsler voll besetzt.

Reqiuem für Karl Wamsler

Pöcking trauert um einen "Weltbürger"

Pöcking - Dr. Karl Wamsler ist tot – hunderte Menschen nahmen am Mitwoch beim Requiem in St. Pius in Pöcking Abschied vom „Mann der drei Welten“.

Man musste sich nur kurz in der vollbesetzten Kirche umschauen, um zu sehen, was für ein Mann Dr. Karl Wamsler gewesen war. Einer der großen Industriekapitäne Deutschlands, ein Feingeist und Genießer, aber auch ein Pöckinger, der zeitlebens enge Beziehungen zu den Bewohnern des kleinen Ortes pflegte. Der Ehrenbürger war am 18. Juni im Alter von 88 Jahren verstorben.

Und so saßen dann auch auf den Kirchenbänken Vertreter aus Politik, Adel und Industrie, die in schweren Limousinen vorgefahren waren, neben ganz normalen Pöckingern, die um ihren Freund, Nachbarn und Vereinskameraden trauerten.

Wobei Pfarrer Helmut Friedl in seiner Predigt deutlich machte: „Der Tod ist nicht das Ende.“ Er bezog sich dabei auf die Emmausjünger, die im Lukas-Evangelium vorkommen. „Jesus will alle, die um Karl Wamsler trauern, trösten. Er wird uns auch weiterhin durch unser Leben begleiten“, sagte Friedl. Der Bezug auf Ostern sei genau das Richtige für diesen Tag. „Deswegen feiern wir mit Pauken, Trompeten und Gloria, dass Karl Wamsler endlich wieder vereint mit seiner geliebten Frau Honoré Gott schauen darf, wie er wirklich ist.“

Wamsler habe ein „prallgefülltes Leben als Menschenfreund“ geführt, gern gelebt und gefeiert, sagte Pfarrer Friedl weiter. Er habe es geliebt, wenn Haus und Garten voller Menschen waren. Deswegen seien auch im Anschluss an das Requiem alle Anwesenden – vom Ministranten bis zum Großindustriellen – in den Garten des Anwesen Wamslers direkt neben der Kirche eingeladen: „Das hätte ihm gefallen.“

Abschied vom Ehrenbürger Wamsler

Pöckings Bürgermeister Rainer Schnitzler zitierte aus den Lebenserinnerungen des „Weltbürgers Karl Wamsler“. Er hatte einen Satz gefunden, der den Verstorbenen besonders treffend charakterisiert: „Am meisten Freude macht, wenn man anderen Freude schenkt.“ Und das habe Wamsler immer wieder unter Beweis gestellt. Zahllose Vereine in Pöcking kamen in den Genuss seiner Zuwendungen, die „Stiftung für Pöcking“ ging maßgeblich auf seine Initiative zurück.

Abschied vom Unternehmer Dr. Karl Wamsler

Dr. Günter von Au, ehedem Vorstandsvorsitzender der Südchemie und heute Vizepräsident des Verwaltungsrates der Clariant AG, bezeichnete Dr. Karl Wamsler in seinem Nachruf als „bewundernswerten Unternehmer und Freund“. Für ihn sei seine Familie immer der Mittelpunkt seines Lebens gewesen: „Karl war unglaublich stolz auf seine fünf Töchter und die zwölf Enkel.“ Dabei hätte er auch allen Grund gehabt, auf seine beruflichen Erfolge stolz zu sein. Studium in Chicago, mit 35 Jahren bereits Vorstandsmitglied bei der Südchemie, wenig später und für lange Zeit deren Vorstandsvorsitzender. Rege und engagiert für das Unternehmen sei Wamsler einer gewesen, „der die Globalisierung immer als Chance gesehen hat“. Noch im hohen Alter habe er die Fusion mit der Clariant AG vorangetrieben.

Wamsler sei aber auch ein Weltenbummler gewesen, der – Ironie des Schicksals – die Liebe seines Lebens, seine amerikanische Ehefrau Honoré, ausgerichtet auf der Wiesn kennengelernt habe. Ein Freund der Oper in Salzburg, ein Mann, der bekannt für seinen feinsinnigen und verschmitzten Humor bekannt gewesen sei.

Von Au betonte aber auch das große Engagement, das Wamsler eben nicht nur in Pöcking bewiesen habe. Er sei ein langjähriger Förderer der Technischen Universität München gewesen. Pfarrer Helmut Friedl hatte dies sogar in seiner Predigt erwähnt: „Karl Wamsler hat vielen Studenten durch seine Hilfe den Weg ins Berufsleben geebnet.“ Stand Friedl mit seiner Predigt für den gläubigen Katholiken Wamsler, der regelmäßig sonntags in St. Pius den Gottesdienst besuchte, und Dr. Günter von Au für den erfolgreichen Unternehmer und Mäzen Karl Wamsler, so war es an Gräfin Lidvine von Preysing, in ihrem Nachruf auf den Privatmann Karl Wamsler einzugehen.

Abschied vom Freund Karl

Auf den Familienvater, glücklichen Ehemann und verlässlichen Freund. „Wir fühlen uns beraubt“, sagte sie in ihrer sehr persönlichen und anrührenden Ansprache. Karl Wamsler sei nicht mehr da. „Und wir brauchen viel von Karls Großzügigkeit, um ihn gehen zu lassen.“ Gräfin von Preysing, eine enge Freundin der Familie, hatte bereits 2004 auf der Trauerfeier von Honoré Wamsler gesprochen, die „viel zu früh gegangen ist“.

Es waren glückliche Tage, die die Wamslers gemeinsam mit ihren Freunden verlebten. So organisiert, wie Wamsler im Geschäftsleben war, sei er auch dabei gewesen, Urlaube und Ausflüge zu planen. Ob Charity-Feste, Tanzabende in New York oder Besuche bei den Salzburger Festspielen – immer habe Wamsler alles akribisch vorbereitet, um dann in vollen Zügen zu genießen. „Karl hat nie etwas so nebenher getan“, erinnerte sich Gräfin Lidvine von Preysing. Ihr Freund sei umfassend gebildet gewesen, ein „glücklicher Mensch, der Freude daran hatte, Menschen glücklich zu machen.“

Nun sei er nicht mehr da. Aber bei aller Trauer habe der Gedanke auch etwas tröstliches: „Jetzt gerade ist er mit seiner Honoré im Himmel und macht, was sie am liebsten gemacht haben: Tanzen.“

Musikalisch umrahmt wurde die Trauerfeier von Mozarts berühmtem Requiem in d-Moll, dem Ave Maria von Johann Sebastian Bach und der Sonate C-Dur von Arcangelo Corelli. Es spielte die Capella musicale unter der Leitung von Harald Marschinger. Dr. Karl Wamsler selbst war bereits am Vormittag auf Gut Diedorf zur Ruhe gebettet worden. Direkt neben seiner geliebten Frau Honoré und nur im engsten Familienkreis.

Nach dem Requiem allerdings wurde es noch einmal voll in Haus und Garten des Anwesens der Familie Wamsler in Pöcking. Die Besucher der Trauerfeier, die Pöckinger, sie alle kamen zusammen und gedachten bei einem Glas des Verstorbenen. Und jeder hatte seine Geschichte über ihn zu erzählen.

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