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Bahnhof und Promenade machen heute alles andere als eine gute Figur.

Seeanbindung

Beerdigung auf Raten

Starnberg  Die Verlegung der Bahngleise am Bahnhof See in Starnberg würde rund 105 Millionen Euro kosten. Da mussten selbst gestandene Stadträte kräftig schlucken.

Die Debatte um die Kosten der Seeanbindung, sie hätte nach 30 Sekunden beendet sein können. „Schon bei einem umsetzungswilligen Stadtrat wäre es eine Herausforderung, die Mitglieder zur Zustimmung zu bewegen. Beim unwilligen Starnberger Stadtrat ist es schlichtweg Zeitverschwendung“, sagte Tim Weidner (SPD) im Projektausschuss Bahnhof See.

Vorher hatte Bauplaner Konrad Daxenberger zusammengefasst, mit welchen Kosten die Starnberger rechnen müssen, wenn sie ihren Plan von der schöneren Seeanbindung tatsächlich in die Realität umsetzen wollen. Er war beauftragt worden zu prüfen, inwiefern die Zahlen, die die nicht zu Ende gebrachte Vorplanung aus dem Jahr 2012 ergeben hatten, der Realität entsprechen.

Wir erinnern uns: Der Plan sieht vor, die Gleise am Bahnhof See zu verlegen. Ein Stück weg vom See in Richtung Innenstadt. Dadurch soll der Platz für eine Seepromenade in Starnberg gewonnen werden, die diesen Namen auch verdient. Zudem sollten die Gleise um rund 90 Zentimeter tiefer gelegt werden, damit man auch von Starnberg aus den Starnberger See zu sehen bekommt. Damit das klappen kann, müsste der Regionalbahnhalt vom Bahnhof See an den Bahnhof Nord verlegt, letzterer entsprechend ausgebaut werden. Zu guter Letzt sollte dann natürlich auch der Bahnhof See barrierefrei als reiner S-Bahn-Halt ausgebaut werden. Das klingt aufwändig und ist es auch.

105 Millionen Euro

„Die vorliegende Planung sieht, obschon nicht abgeschlossen, gut aus“, befand Prüfer Daxenberger und präsentierte die Rechnung für die Seeanbindung. Würde man heute anfangen zu bauen, dann würde die Ver- und Tieferlegung der Gleise mit 47 Millionen Euro zu Buche schlagen, 20 Millionen Euro müssten für die Umgestaltung der Seepromenade eingerechnet werden, 5,2 Millionen Euro für den Umbau des Bahnhofs Nord zum Regionalbahnhof – 72,5 Millionen. Das Problem: Heute kann keiner losbauen, weil es keinerlei genehmigte Planungen gibt. Nach Daxenbergers Schätzung seien die Planungen und Abstimmungen mit der Bahn frühestens im Jahr 2024 soweit, dass man bauen könnte. Eine Inbetriebnahme vor dem Jahr 2028 sei kaum zu schaffen. Legt man nun eine jährliche Preissteigerung von 2,5 Prozent zu Grunde und rechnet sicherheitshalber noch einmal 10 Millionen Euro für unkalkulierbare Risiken mit ein, dann kommt man laut Daxenberger auf Baukosten von 105 Millionen Euro, die ab dem Jahr 2024 aufgebracht werden müssen.

"Viele Bürger sind nicht mit Vorstellungskraft gesegnet"

Ein Betrag, der Dr. Jürgen Busse (UWG) ziemlich auf die Palme brachte: „Diese Zahlen sind geeignet, das Konzept erster Klasse zu beerdigen“, wütete er. Die Einnahmenseite fehle komplett – etwa Erlöse aus Grundstücksverkäufen, Fördermittel und Zuschüsse für den barrierefreien Ausbau. Es laufe darauf hinaus, „eine städtebaulich völlig unbefriedigende Billigvariante“ wie die von „Schöner zum See“ propagierte voranzutreiben.

Danach ging es um die Bürger. Dr. Klaus Rieskamp (BLS) bekundete: „Die Bürger wollen die Gleisverlegung nicht“, Annette von Czettritz indes war sich sicher: „Viele Bürger sind einfach nicht mit Vorstellungskraft gesegnet. Wenn es fertig ist, finden sie es schon schön.“

Josef Pfister (BMS) versuchte, den Sack gleich zuzumachen: „Wenn wir diese Zahlen schon früher gehabt hätten, würden wir hier nicht sitzen“, meinte er. Die Stadt könne diese Summe nicht stemmen. Punkt. Da brauche es auch kein Finanzierungskonzept, das durch die Stadt erarbeitet werden müsse.

Ganz so schnell wollten die Ausschussmitglieder das Projekt Seeanbindung dann aber doch nicht zu den Akten legen. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Entscheidung ohnehin beim Stadtrat liegt. Der Antrag, auf das Finanzierungskonzept gleich zu verzichten, fand bei Stimmengleichheit keine Mehrheit. Auch Starnbergs Erste Bürgermeisterin Eva John hat sich für die Erstellung der Finanzplanung ausgesprochen.

Einigkeit herrschte indes dabei, die Kostenschätzung von 105 Millionen Euro als Berechnungsgrundlage anzunehmen.

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