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Solche Bilder sind diesen Sommer keine Seltenheit: Segelschüler im Regen vor der Kulisse Starnbergs

Segelkurs

Mann über Bord – und das Programm auch

Percha – Ehrenamtliche bilden beim Segel-Club Würmsee Schüler aus, doch kann das Wetter alle Planungen torpedieren.

Ein Nachmittag am Starnberger See: Es schifft – und das im wahren Sinne, als 18 Segelschiffe und drei Motorboote bei anhaltendem Regen aus dem Hafen des Segel-Clubs Würmsee (SCW) neben der Bootswerk Rambeck gleiten. Insgesamt 45 Teilnehmer werden heuer von 28 Lehrern zum Grund- beziehungsweise A-Schein geführt. Ehrenamtlich, betont Franz Heidinger, der seit 2003 gemeinsam mit Hermann Straub die Gruppe leitet.

Die Seeleute hissen die Segel, am Ufer kündigt ein blinkendes Licht Sturm an. Allerdings noch keinen akuten, beruhigt Heidinger und ruft seinen von Kopf bis Fuß in Ölzeug gekleideten Schülern zu: „Schwimmwesten anziehen.“ Soeben nimmt ein Drachen mit seinen vier Bootsinsassen Kurs auf das „Eumel“ auf, ein schlauchbootähnliches Gefährt, an dem die amtierenden A- und Grund-Schein-Inhaber das Anlegemanöver üben. „Ablegen“, befiehlt der Skipper. „Ist klar“ schallt es zurück und die Wassersportler nehmen die Segel dicht und steuern in Schräglage auf die nächste Aufgabe zu.

Gautinger Ehepaar manövriert Einmaster ohne Vorkenntnisse

Mann über Bord, Halsen und Wenden, den klassischen Achtknoten oder Pahlstek sowie die Vorfahrtsregeln müssen die Prüflinge im Schlaf beherrschen. Als Grundvoraussetzung müssen sie schwimmen können und mindestens zehn Jahre alt sein. Grundkenntnisse sind nicht erforderlich, wie ein Gautinger Ehepaar eindrucksvoll beweist, das ohne Vorkenntnisse den Einmaster jetzt schon sicher durch Wind und Wellen manövriert. Theoretisch bereitet Straub die Prüflinge vor, Heidinger und die Bootsführer bringen sie praktisch auf Kurs.

Um die Logistik wie Anmeldungen und Prüfungsunterlagen kümmert sich die 25-jährige Regina Ferch. Genau wie Heidinger hat sie mit 14 Jahren den Segelschein gemacht. In ihrer Hand ist auch die Koordination der 16 Übernachtungsgäste zwischen zehn und 18 Jahren, die wie alle andern in den beiden Wochen einem straffen Zeitplan folgen.

Mann über Bord: Ein recht unwahrscheinlicher Fall

Der Tag beginnt um 7.15 Uhr mit Laufen und Gymnastik, danach Frühstück und Theorie, bevor die Anwärter des Bootsführerscheins in See stechen. Wann und wie, das gibt das Wetter vor. So geschehen vor einigen Tagen, als Regengüsse und beißend kalter Wind das Programm über den Haufen warfen. Da konzentrierten sich die Verantwortlichen auf die Theorie, denn selbst wenn es recht unwahrscheinlich ist, dass ein Mann über Bord gespült wird, so bleibt der Wasserkontakt nicht aus.

Und wenn wir gerade dabei sind: Wie sieht es mit den Gefahren aus? „Passieren kann immer was“, gesteht Heidinger. Einmal hatte sich ein Teenager die Hand zwischen Boot und Steg eingeklemmt und den Mittelhandknochen gebrochen. Eine Konsequenz daraus, dass er die Anweisungen des Bootsführers nicht befolgte. In jedem Boot sitzt mindestens ein Lehrer, der koordiniert und wenn notwendig eingreift.

Sie alle bringen neben ihrer Zeit jedes Jahr zehn Tage Urlaub für den Kurs ein. Und es gibt Teilnehmer, denen es so gut gefällt, dass auch sie jährlich wiederkehren. Irgendwann vielleicht als Lehrer.

Von Michèle Kirner

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