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Mit Gesprächen sollen Teilnehmer ihre Trauer verarbeiten. Die Begleiterinnen Franziska Offermann (l.) und Birgit Schuder haben selbst ihre Söhne verloren.

Selbsthilfegruppe Verwaiste Eltern

Trauer verarbeiten – nicht verdrängen

Starnberg – Eltern, die ihr Kind verlieren, stehen vor dem Nichts. Mit Gesprächsrunden möchte der Verein „Verwaiste Eltern“ in Starnberg nun helfen.

„Du denkst daran, wie du Kindergeld beantragst – dann musst du eine Beerdigung für dein Kind organisieren.“ Was eine Starnbergerin, deren Kind im Mai zwei Stunden nach der Geburt verstarb, da sagt, geht unter die Haut. Es zeigt zugleich eindrucksvoll, warum sie gerade in einem Stuhlkreis sitzt, bei ruhigen Klängen im Hintergrund, in der Mitte Sonnenblumen, Kerzen und Steine, um sie herum andere Trauernde. Alle haben sie ein Kind verloren. Alle suchen sie Trost bei der Selbsthilfegruppe der Verwaisten Eltern. Der in München ansässige Verein hat sich seit Mai durch die Trauerbegleiterinnen Dr. Franziska Offermann und Birgit Schuder in Starnberg etabliert. 

Jeden Monat kommen bis zu zehn trauernde Eltern in dem Raum an der Hanfelder Straße zusammen. In ihren Gesprächen geht es darum, wie es ihnen mit ihrer Trauer gerade geht – aber auch um ganz alltägliche Dinge. Dass es aber keine alltägliche Gesprächsrunde ist, zeigen die Intensität und Emotionen. „Bei uns wird viel geweint, auch geschimpft und viel gelacht“, sagt Offermann. Vor 18 Jahren starb ihr Sohn, zehn Stunden nach der Geburt. „Ein schwerer Herzfehler. Darauf kann man sich nicht vorbereiten.“ Offermann weiß, was Eltern, die ihre Kinder verlieren, besonders trifft. „Dass ich länger lebe als mein Kind, ist potenziell traumatisch.“ 

Das Umfeld ist oft hilflos: "Man kann da nichts Richtiges sagen"

Auch Schuder hat ihren Sohn verloren. Vor fünf Jahren war es, als er mit seiner Freundin im Urlaub in Thailand verunglückte. Die beiden Mütter ließen sich nach den Schicksalsschlägen zu Trauerbegleiterinnen ausbilden. „Weil ich weiß, wie hilfreich das ist“, sagt Schuder. „Das Umfeld will auch helfen – ist aber oft hilflos.“ Die Methoden der Gesprächsrunden, sei es sich Gedanken zu machen, zu Malen oder zu Schreiben, zielen alle darauf ab, die eigenen Kräfte zu mobilisieren. „Die Leute sind am Anfang ganz am Boden“, weiß Schuder, „da helfen die kleinen Dinge.“ Da sei es „schon eine wahnsinnige Leistung, nicht im Bett liegen zu bleiben, sondern raus zu gehen“. Im ersten Jahr nach dem Tod des eigenen Kindes „funktionieren viele zwar, stehen aber dauerhaft unter Schock“. Verarbeitung finde erst danach statt. 

Die Starnbergerin in der Gesprächsgruppe, die ihr Baby durch einen plötzlichen Kindstod verlor, weiß genau, wovon Schuder spricht. „Das Leben gerät komplett aus den Fugen. Ich war drei, vier Wochen komplett out of order“, berichtet die Teamleiterin eines ansässigen Industrieunternehmens. Mit den regelmäßigen Treffen wolle sie vor allem verhindern, dass sie die Trauer verdrängt. „Es brauchte schon einen kleinen Tritt in den Hintern“, sagt sie und deutet lachend auf Offermann. Die Expertin hat sie in Telefonaten ermutigt. „Ich war mir nicht sicher, ob ich das schon kann.“ Jetzt ist die Starnbergerin froh, in der Runde dabei zu sein. Zum zweiten Mal kommt ein Ehepaar aus dem Landkreis. Im neunten Monat ist ihr Baby verstorben. Freunde riefen an, kamen vorbei, kochten für die Beiden. „Sie haben es versucht. Man kann da aber nichts Richtiges sagen“, sagt der Mann. Seine Frau beschreibt, was sie bei den Gesprächsrunden erleben: „Manchmal komme ich gut gelaunt her. Dann holt es einen hier ein, aber man geht positiv wieder raus.“ 

Es gibt viele Probleme - die Gesprächsrunden sollen helfen

„Trauer soll hier ausreichend Platz haben und nicht verdrängt werden“, erklärt Offermann. Ihr Credo: „Trauer, aber auch Leben zulassen.“ Die Gesprächsteilnehmer helfen sich dabei gegenseitig. Nach dem Schicksalsschlag haben sie im Alltag genügend durchzustehen, weiß Schuder. „Das Familiengefüge ändert sich. Es gibt Konfliktsituationen, das geht oft über Jahre.“ Je länger der Tod des Kindes zurückliege, umso mehr verliere es seinen Platz in der Gesellschaft. „Als ob es nochmal stirbt.“ Dabei bleibe die Trauer immer in den Eltern, sie verändere sich nur. Familienfeste, Weihnachten, Hochzeiten – „es gibt immer wieder Tiefpunkte“. Für traumatisierte Menschen eigne sich Gesprächsrunden nicht, sagt Offermann. „In Gesprächen werden auch mal Einzelheiten genannt. Für traumatisierte Menschen kann die Gesprächsrunde eine zu große Belastung sein.“ 

In solchen Fällen verweisen die Trauerbegleiterinnen an Therapeuten. Und doch bekommen sie alle denkbaren Schicksale mit. Kindstod, Krebs, Unfall, Gewaltverbrechen, Suizid – die Gründe für den Tod der eigenen Kinder sind so unterschiedlich. „Da berührt es mich, wenn Teilnehmer ohne zu vergleichen eine sehr große Akzeptanz für die anderen haben“, sagt Offermann. Auch für Schuder sind das die schönsten Momente der Gesprächsrunde: „Wenn sie sich gegenseitig bestärken."

Gesprächsrunde: Termine und Ansprechpartner

Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat von 19 bis 21 Uhr. Um Anmeldung für die kostenlose Teilnahme wird gebeten per E-Mail an kontakt@trauernde-eltern-5-seen-land.de oder unter Telefon (0 81 52) 99 79 00 9 oder (089) 87 78 84 85. Auch Einzelgespräche sind möglich.

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