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Starkes Team: Chefkoch Shaker Elali und Jaduh Al Maiuf bereiten die Restauranteröffnung vor.

Neues Restaurant

Kulinarische Reise an den Euphrat

Starnberg - Die Adresse Zweigstraße ist ein Gastronomie-Standort mit internationalem Flair. Verschiedene Pächter haben es mit italienischer, russischer, serbo-kroatischer, afghanischer und zuletzt chinesischer Küche versucht. Nun startet ein syrischer Familienbetrieb durch.

Jaduh Al Maiuf ist stolz, als Unternehmer und Familienvater. Der 52-jährige Syrer hat seine Frau und die sechs Kinder – drei Burschen und drei Mädchen, seit zwei Jahren wieder vereint, in München. Den Herzenswunsch der Familie erfüllt der Vater Anfang kommender Woche. Er eröffnet ein Restaurant – in Starnberg. Warum dort? „Weil es in Starnberg und Umgebung noch kein Lokal gibt, das syrische Spezialitäten anbietet“, anwortet Al Maiuf. 

Das will er jetzt ändern. „Palmyra“ heißt das Restaurant in der Zweigstraße. Dort wehten bis vor sechs Woche noch asiatische Kochgerüche durch das Lokal. Seit 1. Juli hat Al Maiuf die Gewerbeflächen gepachtet. Teile des neuwertigen Interieurs hat er übernommen. Die dunkelbraun gebeizten Tische und die bequemen roten Sesselstühle zum Beispiel. Der chinesische Dekorations-Schnickschnack hingegen ist verschwunden.

Die mausgrau gestrichenen Wände werden noch mit Bildern geschmückt, die das arabische Ambiente unterstreichen. Typisch syrische Küche beherrscht die Speisekarte. „Syrisch-libanesische Spezialitäten“, korrigiert sich Al Maiuf. Die beiden Küchen sind identisch und die bekanntesten in den arabischen Ländern. Was erwartet die Gäste? Besonders die fleischlosen Genießer dürften sich freuen. Vorspeisen (kalt und warm) und Salate kommen in erster Linie vegetarisch daher – und reichhaltig, verspricht der Chef des „Palmyra“.

Vegetarische Leckereien

Kostproben gefällig? Hummus (Kichererbsenbrei) zum Beispiel oder Shanklisch (getrockneter Käse mit Ricotta und Joghurt). Wie wär’s mit Tabboula (Salat mit Petersilie, Getreide, gewürzt mit Zitrone und Olivenöl) oder Fattousch (Salat aus Tomaten, Gurke, Minze und getrocknetem Fladenbrot)? Bekannter auch für deutsche Gaumen dürften Falafel sein (frittierte vegetarische Klöße aus Kichererbsen, Knoblauch, Petersilie, Zwiebeln und Gewürzen). Manakisch ist eine arabische Form der Pizza, nur sieben bis zehn Zentimeter im Durchmesser. Als Hauptspeisen bietet das „Palmyra“ Lammspieße, Kebab (gegrillte Rind oder Lammfleischstücke mit einer arabisch gewürzten Tomatensoße).

Wer der arabischen Küche etwas reservierter gegenübersteht, der muss in dem neuen Restaurant nicht darben. Die Karte bietet auch Rindersteaks und verschiedene Fischgerichte an. Und für ganz verwöhnte Gaumen ist auch Kaviar gelistet. „Den kann man gut zu unseren arabischen Weinen knabbern“, meint Al Maiuf verschmitzt. Der Familienbetrieb – Mutter und die Kinder sind in Küche und im Service tätig – will am Montag, 15. August, die ersten Gäste im „Palmyra“ begrüßen. Ab Dienstag wird das Restaurant täglich von 10.30 bis 22.30 Uhr geöffnet sein. Einen Ruhetag gibt es derzeit nicht.

Friseursalon als zweites Standbein

Sollten im „Palmyra“ mal die Lichter ausgehen, dürften die Gäste nicht lange im Dunkeln sitzen. Restaurant-Chef Jaduh Al Maiuf und sein Sohn Abdul Hamid sind gelernte Elektriker. Vater Jaduh hat vor 20 Jahren Syrien und die Familie verlassen. In Deutschland wollte er Geld verdienen. Bei Siemans fand er eine Anstellung. Zehn Jahre später machte er sich selbstständig – mit einem Frisörsalon in München-Obersendling. 

Den betreibt er auch weiterhin, parallel zur Gastronomie in Starnberg. Vor acht Jahren hat Al Maiuf seinen ältesten Sohn nach Deutschland geholt. Vor zwei Jahren folgte der Rest der Familie. Frau und die anderen fünf Kinder verließen für die gemeinsame Zukunft in Deutschland den Ort Deralzzur am Euphrat nahe der syrisch-irakischen Grenze. Eine geschichtsträchtige Region. Ebenso wie das historische Palmyra, die Weltkulturerbestadt im Herzen Syriens, die von den Kämpfern der IS-Milizen schwer beschädigt und teilweise geschleift worden ist.

Dennoch bleibt Palmyra das Synonym für die syrische Kultur, sagt Jaduh Al Maiuf. Deshalb hat er sein Restaurant nach dieser Kultstätte benannt. In München hat der Vater für seine Frau und die Kinder Arbeit besorgt, hauptsächlich im gastronomischen Bereich. Die fachliche Basis für den nun eigenen Familienbetrieb in Starnberg.

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